Springe zum Inhalt

Scheibenhonig. Das Wort ist vielen Menschen bekannt. Meist dient es als vornehmer Ersatz wie "Scheibenkleister" für eine unanständiges Schimpfwort, das ebenfalls mit Sch.. beginnt.

Aber Scheibenhonig gibt es wirklich. Heute mittag haben wir ihn in Bozen auf dem Markt gefunden:

Waben- oder Scheibenhonig - Eukalyptus
Waben- oder Scheibenhonig - Eukalyptus

In kleinen Plastikboxen wird er verkauft und kostet vor Ort etwa 9 € je Packung.

Waben- oder Scheibenhonig - Akazie
Waben- oder Scheibenhonig - Akazie

Der Händler führte ihn je nach Herkunftsblütenart in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Waben- oder Scheibenhonig - Orange
Waben- oder Scheibenhonig - Orange

Scheibenhonig wurde früher oft in der Heide als Heidehonig verkauft. Um in den Korbbeuten der Heideimkerei an den Honig zu gelangen, mussten die Waben herausgeschnitten werden. So wurden sie scheibenweise verkauft.

Per Definition wäre das allerdings ein Wabenhonig: aus dem Naturbau der Bienen (auch Wildbau genannt) werden ausgeschnittene Stücke samt umgebendem Bienenwachs verkauft.

Beim Scheibenhonig sind die Waben jedoch auf einer zuvor eingesetzten Mittelwand (aus Bienenwachs) gebaut. Sie werden zur Ernte und zum Verkauf aus den Rahmen geschnitten. Wie die Bilder zeigen, können die einzelnen Waben unverdeckelt oder verdeckelt sein.

Übrigens ist die für ein Kilogramm Honig benötigte Menge an Bienenwachs äußerst gering: es reichen 40 Gramm Wachs völlig aus, um diese Menge aufzunehmen. Daran sieht man wieder einmal, wie effizient und sparsam es in der Natur zugehen kann.

 

Beim Besuch im Bienenmuseum Plattnerhof vor zwei Tagen erzählte uns eine Angestellte, dass es inzwischen Versuche gebe, Bienen in der Rauschgiftfahndung einzusetzen.

Es erschien mir schier unglaublich. Gewiss, Bienen haben ein sehr feines Geruchsorgan, mit dem sie ihre Nahrung finden können. Aber in der Rauschgiftfahnung?

Im Internet habe ich dazu ein paar Links gefunden, die ich hier einstelle:

Bild der Wissenschaft

Beecare

Wired

Blick

Kompakt

 

Vor drei Tagen erzählte mir eine Freundin, Anna M Thane, nachdem sie wieder einmal während eines Besuches bei uns mitgeimkert hatte, dass es in Großbritannien einen alten Gasthof gebe, der als Wirtshausschild bereits seit 1791 eine echte Bienenbeute habe.

Zu gerne hätte ich den entsprechenden Blogbeitrag hier veröffentlicht. Urheberrechtliche Bedenken lassen dieses jedoch nicht zu. Deshalb setze ich nachfolgend einfach einen Link zur entsprechenden Seite in Großbritannien.

Bereits im Titelbild weist die Spitze eines weißen Dreiecks am unteren Bildrand in ihrer Verlängerung auf die Bienenbeute in einem Baum hin.

hier der zugehörige Link: The Beehive

Anna blogt übrigens ebenfalls über eine spannende Zeit in England, das Regency. Hier der Link zu Anna M Thane: AnnaMThane

 

Heute morgen erzählte mir eine unserer Mitarbeiterinnen, dass in der heutigen Ausgabe Offenbach-Post ein Artikel stehe, in dem darüber berichtet werde, dass im Deutschen Bundestag ein Bienenvolk aufgestellt worden sei. Auf der Website der Offenbach-Post habe ich nichts dazu gefunden, wohl aber in der Online-Ausgabe des Spiegels. Hier der Link dazu:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestag-ein-bienenstock-gegen-das-bienensterben-in-deutschland-a-1089187.html

Bärbel Höhn von den Grünen und Martin Burkert von der SPD waren die Initiatoren. Die tiefgreifende Angst der Bundestagsabgeordneten vor Bienen kommt im Artikel auch zur Sprache: erst nach einem Probelauf mit  einem Minivölkchen von 2000 Bienen wurde das Aufstellen eines normalen Volkes bewilligt.

Weiteres auch auf der Webseite von Bärbel Höhn:

http://www.baerbel-hoehn.de/meine-themen/umwelt/bienen-im-bundestag.html

oder auf der Webseite von Martin Burkert:

http://martin-burkert.de/meldungen/50-000-bienen-bekommen-ein-neues-zuhause-im-bundestag/

einen weiteren Link hierzu vom Radio- und Fernsehsender rbb:

http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2015/07/bienen-am-reichstag.html

oder hier:

http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/honig-bundestag-bekommt-50000-honigbienen-aid-1.5803602

 

 

Auf dem ersten Frankfurter Bienenfestival waren sie bereits zu sehen: Klotzbeuten. Sie werden aus Baumstämmen hergestellt und dienen den Bienen als Behausung. In der Frankfurter Rundschau erschien hierzu im März 2016 ein Artikel. Aus urheberrechtlichen Gründen darf ich den Inhalt des Artikels hier nicht veröffentlichen. Über den angegebenen Link gelangt man jedoch direkt in das Archiv der Zeitung und kann den Beitrag dort nachlesen:

http://www.fr-online.de/frankfurt/zeidler-handwerk-ein-baum-fuer-die-bienen,1472798,33939154.html

In Frankfurt ist im Botanischen Garten inzwischen die erste Klotzbeute installiert worden.

Bei Wikipedia gibt es hierzu ein paar sehr unterschiedliche Bilder und eine recht gute Beschreibung.

https://de.wikipedia.org/wiki/Klotzbeute

 

thumb_26295__newsBigImage

Eine Mitarbeiterin hatte mich gestern auf einen Zeitungsartikel aufmerksam gemacht, den viele Fußballfan gelesen haben dürften. In der Bundesliga hat der Fußballclub FC St. Pauli Geschichte geschrieben, indem er als erster Fußballverein der Bundesliga auf seinem Stadiongelände am Millerntor in Bienenstöcke aufgestellt hat. Damit will der Verein auf das Bienensterben aufmerksam machen und für ein neues Bewusstsein werben. Mit Hilfe einer Webcam kann man sich die aufgestellten Völker direkt ansehen. Der Honig soll später als erster Bundesligahonig verkauft werden. Unter den Fans dürfte er reißenden Absatz finden.

Näheres dazu im Beitrag auf der Homepage des FC St. Pauli

http://www.fcstpauli.com/home/verein/news/9542

 

am 19. Januar 2016 stand in der Zeitung Hamburger Abendblatt ein Artikel über acht Bienenvölker, die im Stadtteil Altenwerden auf dem Hafengelände gehalten werden.

Vom Bild her ist deutlich zu erkennen, dass die Beuten, in denen die Bienen leben, Dadantbeuten sind, also Großraumbeuten.

Hier der Link zu dem Artikel:

http://www.abendblatt.de/hamburg/harburg/article206939301/Darum-ist-der-Honig-aus-Hamburgs-Hafen-so-hochwertig.html#

 

 

Angekündigt hatte Thorsten Herget es bereits Anfang 2015 auf einer Lehrveranstaltung der Frankfurter Imker: im September solle es in Frankfurt  zum ersten Mal ein Bienenfestival geben.

Am 19. September war es soweit und ging los. Im Botanischen Garten der Universität, neben dem Palmengarten gelegen, fand das 1. Frankfurter Bienenfestival statt. Imker, Honigverkäufer, Künstler, Organisationen, Vereine und Gruppen sowie vor allem Besucher waren in den Botanischen Garten gekommen.

Wir waren ebenfalls dort. Unsere Ape stand im Eingangsbereich zusammen mit anderen Honigverkaufsständen. Matthias und ich haben Photos gemacht, die ich hier im Anschluss zeige.

Unsere Ape als Blickfang im Eingangsbereich
Unsere Ape als Blickfang im Eingangsbereich
Smoker und Waben am Stand der Riedberg-Imker
Smoker und Waben am Stand der Riedberg-Imker
Bienen, die Honigreste aus einer Wabe aufnehmen bei den Riedberg-Imkern
Bienen, die Honigreste aus einer Wabe aufnehmen bei den Riedberg-Imkern
Bienen am Stand der Riedberg-Imker, die Honigreste aus einer Wabe aufbehmen
Bienen am Stand der Riedberg-Imker, die Honigreste aus einer Wabe aufbehmen
Ein Projekt der Künstlergruppe Finger: ein Bienenkataster Frankfurts. Ganz oben in der Mitte sind die Riedberg-Imker
Ein Projekt der Künstlergruppe Finger: ein Bienenkataster Frankfurts. Ganz oben in der Mitte sind die Riedberg-Imker
Ein Projekt der Künstlergruppe Finger: Bienenkataster der Stadt Frankfurt. Ganz oben in der Mitte sind wir, die Riedberg-Imker
Ein Projekt der Künstlergruppe Finger: Bienenkataster der Stadt Frankfurt. Ganz oben in der Mitte sind wir, die Riedberg-Imker
Die Riedbergimker auf dem Katasterplan der Künstlergruppe Finger
Die Riedbergimker auf dem Katasterplan der Künstlergruppe Finger
Ein Nachbarstand - man beachte die endlich einmal korrekte Rechtschreibung
Ein Nachbarstand - man beachte die endlich einmal korrekte Rechtschreibung
Auch eine Möglichkeit Bienenprodukte zu verwenden: Lederfett
Auch eine Möglichkeit Bienenprodukte zu verwenden: Lederfett
Frankfurter Imkerverein und der Verein Perspektiven
Frankfurter Imkerverein und der Verein Perspektiven
Stand des Frankfurter Imkervereins mit Marianne Lepper (rechts vorne)
Stand des Frankfurter Imkervereins mit Marianne Lepper (rechts vorne)
Festival--0688
Helfer und Unterstützer am Stand der Frankfurter Imker (von links nach rechts: Alfred Meixner, Katha Wittig, Manuela Staab)
Festival--0664
Eines der Projekte der Künstlergruppe Finger
Festival-0678
Künstlergruppe Finger
Künstlerguppe Finger: Neues Museum für Bienen (in Frankfurt am alten Flugplatz Bonames)
Künstlerguppe Finger: Neues Museum für Bienen (in Frankfurt am alten Flugplatz Bonames)
Projekt der Künstlerguppe Finger
Projekt der Künstlerguppe Finger
verschiedene Beuten
Variationen von Beuten
Aushöhlen eines Baumstammes für eine Beute
Aushöhlen eines Baumstammes für eine Beute

 

Nachdem wir im Juli unseren letzten Honig geschleudert hatten, ist aus den "Abfallprodukten" des Entdeckelns inzwischen auch das diesjährige Àgua mel fertig und abgefüllt.

Àgua mel ist eine portugiesische Spezialität. Es wird aus dem beim Entdeckeln am Wachs anhaftenden Honigresten hergestellt. Im ersten Schritt wird das Gemisch von Deckelwachs und Honig mit Wasser versetzt und erhitzt, bis das Wachs geschmolzen ist. Es sammelt sich an der Oberfläche und wird beim anschließenden Erkalten zu einem festen Block. Dieser Wachsblock wird entfernt und kann später zur Herstellung von anderen Wachsprodukten verwendet werden.

Im zweiten Schritt wird das durchgesiebte Honig-Wasser-Gemisch mit weiteren Zutaten angereichert und langsam eingekocht, bis es eine sirupartige Konsistenz hat. Dieser Prozess geht über mehrere Stunden. Sobald es dickflüssig genug ist, wird es in bereitstehende Gläser umgefüllt, in denen es dann abkühlen kann.

Das klingt einfach. Die große Kunst besteht darin, die Flüssigkeit nicht überkochen zu lassen, also muss sie stets beobachtet und gerührt werden.

Etikett für unser Agua mel
Etiketten für unser Àgua mel
Agua mel-0617
Àgua mel im Karton

 

Agua mel-0618
Àgua mel im Glas mit Etikett

 

Agua mel-0619
Àgua mel im Glas mit Etikettt

Natürlich ist dieses Àgua mel ebenso wie unser Honig bei uns käuflich zu erwerben.

Jetzt ist es endlich soweit: unsere ersten Honige des Jahres 2015 sind fertig. Abgefüllt ist er bereits in Gläser, darin ist er weiter kristallisiert und fester geworden. Die Zeitspanne zwischen Schleudern und Kristallisieren war in diesem Jahr relativ kurz. Nach dem Abschleudern stand der Honig in seinen Sammelgefäßen bei 15° C im Keller. Bereits nach zwei Wochen war er soweit, dass er gerührt werden musste, weil er sonst als Block in sich fest geworden wäre. Durch das Rühren wird die Kristallstruktur der Zucker mechanisch aufgebrochen und der Honig wird dadurch cremiger. Einen auskristallisierten und fest gewordenen Honig kann man nicht mehr in Gläser abfüllen. Wir haben somit den idealen Zeitpunkt genutzt, um ihn noch in unsere Honiggläser fließen zu lassen, bevor er dann in den Gläsern auskristallisiert ist.

Dieses Phänomen der Kristallisation ist abhängig von der Zusammensetzung des Honigs. Entscheidend ist hierbei das Mischungsverhältnis von Traubenzucker und Fruchtzucker zueinander. Je mehr Traubenzucker in einem Honig enthalten ist, desto fester und kristalliner wird er später. Beim Überwiegen von Fruchtzuckern bleibt der Honig eher flüssig. Klassische Beispiele hierfür sind der stets flüssige Akazienhonig oder der feste Rapshonig.

Die Namen unserer Honige sind wie im letzten Jahr Eintracht und Niedertracht. Bei beiden handelt es sich um die Frühtracht dieses Jahres. Das heißt, dass er bis zum 18. Juni abgeschleudert worden sein muss. Noch sind nicht alle Gläser etikettiert. Diese Arbeit geschieht völlig von Hand, entsprechend lange dauert es dann, bis alle Gläser vorbereitet sind. Ab Montag, den 29. Juni 2015, haben wir genügend Gläser zum Verkauf vorbereitet.

Neben dem Honig haben wir in diesem Jahr noch eine Besonderheit anzubieten: aus dem beim Schleudern angefallenen Resthonig im Bienenwachs hat Matthias nach einem portugiesischen Rezept Água mel zubereitet. Água mel ist eine Art Sirup aus Honig und Gewürzen und wird als besondere Spezialität wie ein Brotaufstrich verwendet.

Die ersten fertigen Honiggläser des Erntejahres 2015
Die ersten fertigen Honiggläser des Erntejahres 2015

Ein Gastbeitrag von Anna M. Thane

In Hessen fangen Holmer und Matthias in diesem Frühjahr erfolgreich einen Schwarm nach dem anderen ein. In England gibt es die swarm collectors („Schwarm-Sammler“) der National Beekeepers‘Association: Berufsimker oder Amateure, die von Laien, die einen Bienenschwarm sichten, kontaktiert werden können. In Winchester erlebte ich swarm collectors im Einsatz.

Ich verlasse gerade die berühmte Kathedrale, in der ich das Grab der Schriftstellerin Jan Austen besucht hatte, als ich auf der Wiese neben dem Nordflügel zwei Männer in Schutzkleidung bemerke. Sie stehen neben einer Buche. Vor ihnen liegt eine Plastikplane, auf der ein Pappkarton steht. Da ich seit gut einem Jahr www.bienenblog.eu lese, ist klar: Dies ist nicht der Schauplatz eines Verbrechens, und unter Plane liegt keine Leiche. Hier sind Imker dabei, einen Bienenschwarm einzufangen.

Swarm-Collectors in Winchester beim Sammeln eines Bienenschwarms
Swarm collectors in Winchester beim Sammeln eines Bienenschwarms

Ich sehe mir die Sache aus der Nähe an. Der Bienenschwarm hat sich auf einer Buche niedergelassen. Zum Glück nicht zu weit oben. Die beiden Imker haben ihre Plane ausgelegt und einen Pappkarton darauf gestellt. Im Karton befindet sich eine Lösung aus braunem Zucker, erfahre ich. Mit diesem süßen Sirup ist es den Imkern gelungen, die Königin und einen Teil des Volkes in den Karton zu locken. Nun warten die Imker darauf, dass die übrigen Bienen folgen. Die Zeit drängt: Die Witterung ist frisch, und die Imker fürchten, dass die Bienen in der kühlen Luft Schaden nehmen. Mit Hilfe eines Buchenzweigs versuchen sie, die Bienen sanft in den Karton zu treiben.

Swarm-Collectors im Einsatz.
Swarm collectors im Einsatz.

Es gelingt. Nach und nach verschwindet der krabbelige Haufen im Karton.

Swarm-Collectors in Winchester.
Swarm collectors in Winchester.

Die Schutzkleidung der beiden Gentlemen finde ich beeindruckend. Ihre weißen Kapuzenjacken sind mit einem Netzvisier versehen. Es erinnert mich an eine Fechtmaske, und in der Tat ist das „Imkervisier“ dieser nachempfunden. Praktisch ist es allemal: Es gibt Bewegungsfreiheit und beste Sicht. Jacke und Hose sind aus einem Baumwoll-Polyester Mischgewebe gemacht. Zur Schutzkleidung gehören kniehohe Gummistiefel und lange Handschuhe. Ein Ganzkörperanzug mit Fechtvisier-Kapuze kostet im Fachhandel in England rund 90 Pfund.

Swarm-Collectors im Einsaz
Swarm collectors im Einsatz im Schutzanzug

In Großbritannien kümmert sich die British Beekeepers‘ Associationhttp://www.bbka.org.uk ) seit 1874 um den Schutz von Bienen und die Förderung der Imkerei. Auf ihrer Webseite gibt es eine Suchfunktion für die swarm collectors, die gemäß der Postleitzahl des Einsatzgebiets ausgewählt und kontaktiert werden können.

__

Anna M. Thane interessiert sich für Bienen, seitdem sie www.bienenblog.eu zu lesen begonnen hat. Ihr eigentliches Fachgebiet ist die Geschichte Englands, insbesondere die Zeit von Jane Austen (1775-1817). Sie berichtet darüber auf ihren Blogs auf Deutsch ( www.annamthane.de ) und Englisch ( www.regency-explorer.net ). Die berühmte Schriftstellerin Jane Austen hielt übrigens Bienen im Garten ihres Haus Chawton Cottage. Bienen kommen in Jane Austens bekanntestem Roman, „Stolz und Vorurteil“, vor: Der schmierige Vikar Mr. Collins hält Bienen, und seine frisch angetraute Frau Charlotte ermutigt ihn, sich möglichst ausgiebig mit ihnen zu beschäftigen – es ist ihre Art und Weise, den lästigen Gatten los zu werden.

 

Corzetti stampati

„Was sollen wir am Wochenende essen?“

„Keine Ahnung, vielleicht etwas Leichtes – Pasta?“

(geflügeltes Wort bei uns zu Hause)

Neulich gab es in der Glotze eine Doku über Ligurien, wobei natürlich die regionalen Spezialitäten erwähnt wurden, darunter die Pasta „Corzetti stampati“. Das sind münzförmige Nudelscheiben, die auf beiden Seiten ein Muster tragen. Diese Pastaform kam zu Zeiten der Republik Genua auf, die als eine der vier Seerepubliken Italiens als Kolonial- und Handelsmacht zu großem Reichtum gelangte. Zuerst trug die Pasta das Kreuz des Genueser Stadtwappens, wovon wohl auch der Name Corzetti (oder Corxetti – „kleines Kreuz“ im lokalen Dialekt) abgeleitet wurde. Im Laufe der Zeit gingen jedoch die Adels- und Kaufmannsfamilien dazu über, ihre Familienwappen auf die Nudeln zu prägen. Heute finden sich zumeist florale Muster, wenn diese Art von Pasta, deren Herstellung recht aufwändig ist, zu besonderen Anlässen wie Jahrestagen oder Hochzeiten bei Tische aufgetragen wird.

Von der Sendung angefixt begab ich mich auf die Suche nach dem nötigen Werkzeug. Es stellte sich heraus, daß das kein leichtes Unterfangen war, denn obwohl Corzetti stampati derzeit eine kleine Renaissance erleben, sind die Stempelformen selten. Nur noch wenige Handwerker stellen derartige Formen her, die aus einem zweiteiligen, gedrechselten Korpus bestehen. Der eine Teil hat auf der Unterseite eine Ausstechform und auf der Oberseite einen geschnitzten Musterstempel. Der andere Teil hat auf der Unterseite ebenfalls einen Musterstempel, oben einen Knauf zum Anfassen.

Schließlich fand ich im Internet die Seite von Herrn Franco Casoni, einem renommierten Meister der Holzbearbeitung, der neben Möbeln und Intarsienarbeiten auf das Schnitzen von religiösen Figuren sowie Krippen- und sogar Gallionsfiguren spezialisiert ist. Zudem fertigt er zum Erhalt der lokalen Traditionen Stempel für Corzetti stampati an. Eine Anfrage ergab, daß er auch auf Bestellung arbeitet, wobei man sogar die Möglichkeit hat, die geschnitzten Muster nach Belieben vorzugeben. In Ermangelung eines Familienwappens fiel die Wahl natürlich auf unser Bienenlogo, das ich als pdf-Datei nach Italien schickte! Als zweites Muster überließ ich Herrn Casoni die freie Gestaltung eines floralen Musters in ligurischer Tradition: also „Bienchen und Blümchen“. Keine zehn Tage nach Bestellung und Bezahlung erhielt ich vorgestern meine Stempelform!

 

Stempel für Pasta
Stempel für Pasta
Ausstechseite des Stempels für Corzetti stampati
Ausstechseite des Stempels für Corzetti stampati

 

Negativseite mit unserem Bienenlogo
Negativseite mit unserem Bienenlogo
Biene in Pasta: nach dem Stempeldruck des Corzetto stampato
Biene in Pasta: nach dem Stempeldruck des Stampo per Corzetti
Fertige Corzetti stampati mit Bienen- und Blumenmuster
Fertige Corzetti stampati mit Bienen- und Blumenmuster
Biene zum Essen als fertige Pasta
Biene zum Essen als fertige Pasta
Bienen zum Essen in Pastaform
Bienen zum Essen in Pastaform

 

Weitere Informationen zu Herrn Casoni finden sich unter www.francocasoni.it, ein Kontakt kann per Mail unter studio@francocasoni.it vorzugsweise in italienischer Sprache hergestellt werden. Wer in Ligurien unterwegs ist, kann seinen Werkstattladen besuchen: Franco Casoni, Via Bighetti 73, 16043 Chiavari (GE), seine Telefonnummer von Deutschland lautet +39 0185 301448.

Die Stempelform mußte umgehend mit einem Nudelteigrezept, das Herr Casoni freundlicherweise gleich mit zur Verfügung stellte, ausprobiert werden:

Nudelteig

Zutaten für etwa acht Portionen:

630 Gramm Mehl

2 TL Salz

5 Eigelb

85 ml Weißwein oder Wasser (für den Anfang)

wahlweise 1 EL fein gehackter Majoran

Aus den Zutaten einen geschmeidigen Nudelteig bereiten, wobei noch deutlich mehr Wein oder Wasser benötigt wird. Der Teig sollte in Folie verpackt mindestens eine Stunde im Kühlschrank ruhen, bevor er zu Corzetti stampati verarbeitet wird.

Der Teig wird in Portionen in einer Nudelmaschine ausgerollt, bis er etwa eine Stärke von zwei Millimetern hat. Dann werden mit der Ausstechseite des Pastastempels Scheiben ausgestochen, die anschließend durch leichten Druck zwischen den beiden Musterseiten ihre endgültige Form erhalten. Die fertigen Nudeln sollten auf einer leicht bemehlten Fläche vor dem Kochen mindestens eine halbe Stunde antrocknen. Da der Aufwand bei der Herstellung etwas größer ist, wird gleich auf Vorrat gearbeitet. Nicht sofort benötigte Nudeln werden auf einem Blech im Tiefkühler vorgefroren und dann in Beutel abgepackt. Die Kochzeit beträgt bei ganz frischen Corzetti stampati je nach Dicke zwei bis drei Minuten.

Als Soße eignet sich Pesto genovese, das mit etwas Kochwasser von den Nudeln verdünnt wird und aufgrund der Muster wunderbar an den Corzetti stampati haftet. Auch andere Soßen sind geeignet, etwa diese:

Zutaten für vier Portionen:

ein guter Stich Butter oder einige EL Olivenöl

zwei gehackte Knoblauchzehen

wahlweise zwei oder drei eingelegte, gehackte Sardellenfilets

eine Handvoll angeröstete und dann gemahlene Pinienkerne (einige Kerne als Garnitur übriglassen)

eine Handvoll gehackter Majoran (oder 2 TL getrockneter Majoran)

eine Handvoll geriebener Parmesan

Pfeffer und Salz nach Geschmack

Butter oder Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen, den Knoblauch und gegebenenfalls die Sardellen leicht anschwitzen, dann die gemahlenen Pinienkerne sowie den Majoran hinzugeben und mit kochendem Nudelwasser verlängern, dann mit Pfeffer und Salz abschmecken. Die gekochten Corzetti stampati abgießen, in der Soße schwenken und sofort mit geriebenem Parmesan und Pinienkernen garniert servieren.

 

Buon appetito!

wünscht Matthias Adler (Text und Bilder stammen von ihm)

Als Reaktion und Rückmeldung zum Beitrag Imkerhundeprüfung hat eine Stammleserin dieses Blogs den folgenden Link geschickt.

Es geht hierbei um eine australische Erfindung, um einfach, sicher und schonend an Honig zu gelangen. Das klingt zwar zunächst wie ein Aprilscherz, doch dieser Beitrag stammt bereits vom Februar 2015.

http://www.tierwelt.ch/?rub=4498&id=40482

 

Gestern kam endlich der langerwartete Brief mit dem Ergebnis von Sillas Imkerhundeprüfung! Um es kurz zu machen: Sie hat bestanden und ist somit der erste Hund in Deutschland, der sich offiziell Imkerhund nennen darf!

Die Prüfung erfolgte nach den Regularien des Japanischen Hundezüchterverbandes (Nippon Chikuken Renmei -日本畜犬連盟), der sich vorbildlich um die traditionelle japanische Imkerhundeausbildung bemüht.

Diplom Japanischer Imkerhund
Diplom Japanischer Imkerhund

 

Diese Imkerhundeprüfung ist in Deutschland noch so gut wie unbekannt und wurde vor gut vier Wochen von Herrn Inuyama, Vorsitzender der Sparte Imkerhundeausbildung beim obengenannten Verband und selbst Imkerhundehalter in der achten Generation, hier in Frankfurt durchgeführt. Herr Inuyama nutzte dankenswerterweise einen mehrstündigen Zwischenstopp in Frankfurt auf seinem Weg von Belgien zurück in seine japanische Heimat, um bei Silla die Prüfung abzunehmen. Er hatte eigentlich im belgischen Thuin die Féderation Cynologique Internationale besucht, um die ursprünglich japanische Imkerhundeausbildung zu propagieren und sich für ihre internationale Anerkennung stark zu machen.

Die Prüfung, auf die wir uns mit Silla (und natürlich auch Emma, die aber wegen ihrer zu geringen Körpergröße nicht teilnehmen durfte) in den letzten Monaten intensiv vorbereitet hatten, bestand aus:

  • Fährtenarbeit (es wurde eine künstliche Fährte mit Bienenduft aus der Spraydose ausgebracht, der Silla zu folgen hatte; damit soll erreicht werden, daß der Imkerhund innerhalb kürzester Zeit ein geschwärmtes Bienenvolk auffindet, damit der Imker es wieder einfangen kann)
  • Hüten (Silla mußte allein auf Zuruf die vor dem Stock fliegenden Bienen zurück in ihre Beute treiben; hier wird sichergestellt, daß bei plötzlichen Wetterumschwüngen keine Bienen zu Schaden kommen)
  • Gehorsam (Silla mußte vier Minuten vor einer Honigwabe sitzen, ohne diese anzuschlecken, wobei alle Personen mindestens 15 Meter Abstand zu halten hatten; so sollen jederzeit einwandfrei hygienische Zustände bei der Honigproduktion garantiert werden)
  • Schutzdienst (eine fremde Person, die sich den Bienenstöcken näherte, sollte von Silla verbellt werden; diese Übung dient zum Diebstahlschutz - danke auch an den Passanten, der so bereitwillig mitgespielt hat).

 

Silla - erster Imkerhund und erster Sapsaree in Deutschland und Europa
Silla - erster Imkerhund und erster Sapsaree in Deutschland und Europa

 

Interessenten an der Imkerhundeausbildung können uns gerne kontaktieren oder einfach bei einem der nächsten Termine für unser Public Beekeeping vorbeischauen! Neben Informationen zur traditionellen japanischen Imkerhundeausbildung kann Deutschlands erster Imkerhund auch bei der Arbeit bewundert werden!

Vor knapp zwei Jahren haben wir einen Städtetripp nach Stralsund unternommen. Beim Bummel durch diese alte Hansestadt habe ich in einem Geschäft den lokalen Honig entdeckt: Sanddorn.

 

Sanddorn im Honig
Sanddorn im Honig

 

Sanddorn im Honig
Sanddorn im Honig

 

Diesen Honig hatten wir schnell aufgegessen. Eine Rügen-Urlauberin hat mir vor zwei Wochen die oben abgebildeten Gläser mit "Sanddorn-Honig" mitgebracht.

Bei genauer Betrachtung des Etiketts fiel mir ein bestimmtes Wort auf: "Honigzubereitung" oder "Brotaufstrich". Der Hintergrund: es gibt keinen Honig von den Sanddornblüten. Statt dessen wird Sanddornsaft einem Honig zugemischt. Damit erfüllt der Honig nicht mehr die rechtlichen Kriterien für die Bezeichnung Honig. Dieses neue Produkt darf dementsprechend auch nicht als Honig in den Verkauf gelangen, sondern nur mit den oben erwähnten Umschreibungen.

Auf den Etiketten der abgebildeten Gläser steht Sanddorn im Honig, ein cleverer Blickfang, der Sanddornhonig suggeriert, weil das Wort "im" etwas kleiner geschrieben steht.

Durch den Sanddorngeschmack ändert sich die Geschmacksrichtung des "Honigs" deutlich und bekommt eine deutlich andere Note, leicht bitter, die sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft und ist.

Kleine Randbemerkung: Sanddorn ist schwer zu ernten, sehr Vitamin C-haltig und hat eine goldgelbe Farbe. Er wächst wie der Name schon besagt, auf sandigen Böden. Hauptvorkommen in Deutschland sind die Inseln Rügen und Hiddensee in der Ostsee. Die Ernte ist sehr aufwendig, weil die Beeren sich nur schwer vom Strauch lösen lassen und dabei schnell platzen. Sie werden deshalb komplett abgeschnitten und tiefgefroren, danach gerüttelt oder abgeschlagen. Mit besonderen Handschuhen können die Beeren auch direkt am Strauch ausgepresst oder gemolken werden. Der dabei austretende Saft wird aufgefangen und weiter verarbeitet.

Musikalisch ist Sanddorn zu Zeiten der DDR durch Nina Hagen in einem Politsong berühmt geworden: "Hoch stand der Sanddorn.." Den Videoclip auf Youtube habe ich angehängt.

Vor gut einer Woche war ich (Matthias) mal wieder kurz in Tokio, wo ich im Supermarkt nach ungewöhnlichen Honigsorten Ausschau hielt. Leider ist das Angebot auch in größeren Geschäften sehr übersichtlich, es fehlt vor allem an einheimischen Sorten.

Hier in Deutschland gibt es neben dem üblichen Angebot der Markenhersteller (eher "Abfüller"), deren Honige zumeist eine Mischung aus Honigen von EU- und Nicht-EU-Ländern sind, fast immer auch ein Regal mit einer umfangreichen Auswahl an oft lokalen Imkerhonigen, die zwar mit den großen Marken preislich nicht mithalten können, diesen vermeintlichen Nachteil aber durch ihren einzigartigen Geschmack und ihre schonende Verarbeitung mehr als ausgleichen können.

Im Tokioter Supermarktregal fand sich zwischen Marmelade und anderen süßen Brotaufstrichen eine sehr bescheidene Auswahl an Honigen aus Ungarn, China und Neuseeland – jedoch ein einziges einheimisches Produkt.

Also griff ich zu zwei Quetschflaschen mit neuseeländischem Kleehonig und chinesischem Renge-Honig. Beide Honige sind sehr flüssig und zeigen nur am Boden der Flasche eine geringe Kristallisation.

 


Oben ist die Flasche mit Renge-, darunter die mit Kleehonig

Übersetzung der Packungsvorderseite:

Dezenter Duft

Reiner Renge (*)-Honig

Honig von Renge, der auf weiten Feldern wuchs. Er zeichnet sich durch seinen runden Geschmack und seinen dezenten Blütenduft aus.

200gr; die Illustration dient der Veranschaulichung

Siegel: Mitglied des Zenkoku Hachimitsu Kôsei Torihiki Kyôgikai (**)

Auf der Rückseite finden sich Hinweise zur Produktbezeichnung, Füllmenge, zum Mindesthaltbarkeitsdatum, zur Aufbewahrung, zum Hersteller sowie zum Anbieter. Das Mindesthaltbarkeitsdatum liegt 24 Monate nach dem Produktionsdatum. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Honig kristallisieren kann und daher nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden sollte. Gegebenenfalls könne er im Wasserbad bei 50 bis 60 Grad Celsius wieder verflüssigt werden. Zudem verbinde sich das Eisen im Honig mit dem Tannin von schwarzem Tee, was zu einer dunkleren Farbe des Tees führe, aber unbedenklich sei. Auch fehlt der (wie hier in Deutschland ebenfalls übliche) Hinweis nicht, dass man Kleinkindern unter einem Jahr keinen Honig geben solle.

Weiterhin gibt es Nährwertangaben. So hat der Honig auf 100 Gramm 330 Kilokalorien, 0,2 Gramm Proteine, kein Fett, 82,4 Gramm Kohlehydrate, keine Ballaststoffe und 1 Milligramm Natrium.

(*) Was ist Renge?

Mit der Bezeichnung Renge konnte man auch einen gestandenen Diplom-Übersetzer auf eine falsche Fährte locken, denn zu allererst fiel mir die Bedeutung "Lotosblüte" ein, wobei die Vorstellung von ausgedehnten Lotosfeldern doch ziemlich abwegig war, obwohl in Ostasien vor allem die Wurzel der Lotospflanze gerne gegessen wird. Allerdings passte die Illustration auf der Honigflasche nicht dazu, also half nur der Griff zum externen Gedächtnis in Form einsprachiger Wörterbücher…

Renge (auch Rengesô) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Hülsenfrüchte, die botanische Bezeichnung lautet Astragalus sinicus, die englische Entsprechung ist Chinese Milk Vetch, auf Deutsch findet man den Namen Chinesischer Tragant, diese Bezeichnung ist allerdings nicht gesichert. Die Pflanze wird als Futter für Kühe angebaut, verbreiteter ist jedoch ihre Nutzung als Gründüngung, vor allem im Reisanbau. Noch vor der Reisernte werden die Samen in den Feldern ausgebracht, wenn diese zur Vorbereitung der Ernte trockengelegt werden. Die Pflanzen entwickeln sich dann noch im Herbst und würden dann im Folgejahr im April und Mai zur Blüte kommen. Sie werden aber zur Vorbereitung der Felder vorher untergepflügt. In Japan ist Renge ursprünglich nicht beheimatet gewesen, es wurde wohl im 19. Jahrhundert (andere Quellen verweisen bereits auf eine Erwähnung 1709) aus China eingeschleppt und ist jetzt überall im Land zu finden. Die Wuchshöhe beträgt etwa 25 Zentimeter, kann aber auch bei klimatisch günstigen Bedingungen weitaus höher sein. Als Gründüngung ist auf zehn Ar mit einer Blattmasse von einer Tonne zu rechnen.

(**) Zenkoku Hachimitsu Kôsei Torihiki Kyôgikai

Diese 1987 gegründete Organisation hat es sich zum Ziel gesetzt, zum Schutz der Verbraucher reinen Bienenhonig entsprechend zu kennzeichnen, wofür ein Katalog an entsprechenden Kriterien verfasst wurde. Der minimale Jahresbeitrag von 35.000 Yen sowie 4 Yen pro Verwendung des Siegels wird aufgrund seiner Höhe oftmals kritisiert. Auch tauchten im Mai 2007 Honige mit Siegel auf, die jedoch vom Hersteller mit künstlichen Süßstoffen versetzt waren.

Doch wie ist der Honig eigentlich? Anders als auf der Verpackung angegeben ist der Duft eher stark und sehr aromatisch. Das gilt auch für den Geschmack, der über eine deutliche Karamellnote verfügt.

"Gerade habe ich den ersten Löffel von Ihrem Honig probiert (Zwietracht): wirklich sehr, sehr lecker!!

Ich weiß nicht, wem das Kompliment gebührt, den Bienen oder dem Imker, aber ich werde jeden Löffel genießen."

"Vorhin habe ich die wenigen Sonnenstrahlen genutzt, um mal schnell ein Foto vom Honigglas zu machen. Oskar hat sein Übriges dazu beigetragen, ein besseres Ergebnis zu verhindern, aber ich denke, es reicht, um es auf eine Homepage zu Referenzzwecken zu stellen... Vielleicht können Sie, bzw. Herr Drews das Bild ja auch für Ihren Blog gebrauchen..."

Das schrieb uns heute Frau Schulz aus Japan. Dort lebt sie mit ihrer Familie in der Nähe von Tokyo. Sie ist die Graphikerin, die für uns die Entwürfe für unsere Honigglasetiketten, die Ape die neuen Visitenkarten erstellt hat. In der letzten Woche hat sie von unseren Honigen als Dankeschön entsprechende Kostproben erhalten.

Wir haben es an unseren eigenen Völkern selber erlebt: die Honigernte im Jahr 2014 war nicht sehr groß gewesen. Bei Recherchen zu einem anderen Thema habe ich im Internet den Hinweis gefunden, dass es in Österreich zu einem Ernteeinbruch von 90 % gegenüber dem Vorjahr gekommen sein soll.

In der FAZ stand zur diesjährigen Honigernte ein kurzer Artikel, allerdings nicht sehr aussagekräftig. Demnach ging die Durchschnittsernte um 25 % je Volk von 40 auf 30 Kg Honig zurück. Selbst auf diese Mengen sind wir mit unseren Bienenvölkern nicht gekommen. Bei uns haben wir etwas über 20 Kg Honig je Volk ernten können.

Eine der Ursachen dafür war der zu warme Winter 2013/2014. Zum Teil haben die Bienen keinerlei Brutpause eingelegt. Durch den frühen Beginn der Blüte und das ebenso recht frühe Ende der Hauptblüteperiode etwa im Juni/Juli war es den Bienen nicht gut möglich, den gesammelten Nektar einzutragen. Hoffen wir auf einen kalten Winter 2014/2015, dann besteht die Chance, dass im nächsten Jahr alles besser wird.

Offizielle Zahlen zu den Mengenangaben habe ich bin zum 27. Oktober 2014 noch nicht gefunden.

Der FAZ-Artikel ist hier nachzulesen: http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/geringe-honigernte-fuer-hessens-imker-13229427.html

20. Oktober 2014

Bereits vor geraumer Zeit habe ich gehört, dass es inzwischen im Hessenpark einen historischen Bienenstand geben solle. Auf der Webseite des Hessenparks stand darüber allerdings recht wenig. Freunde erzählten mehrmals davon, doch zu einem gemeinsamen Besuch kam es leider nicht.

Heute sind wir dort gewesen. Das Areal im Hessenpark ist in mehrere Baugruppen aufgeteilt, die sich nach der geographischen Herkunft richten. In der Baugruppe Rhein-Main sind wir fündig geworden. Zwei alte Bienenhäuser stehen dort. Sie sind sehr unterschiedlich, allein schon von ihrer Größe her.

 

Die obige Abbildung zeigt einen alten Bienenstand mit acht Hinterbehandlungsbeuten, deren Fluglöcher vorne zu erkennen sind. Auf allen Seiten außer der Vorderseite begrenzen lauter Latten oder Streben aus Holz den Innenraum. Sie schließen nicht bündig ab, so dass der Bau im Grunde nach hinten und seitwärts offen ist. Durch die Zwischenräume lässt es sich gut ins Innere sehen und Photos machen.

Das obere Bild zeigt die untere, das untere Bild die obere Reihe der Hinterbehandlungsbeuten. Sie werden von hinten, der Rückseite, wie ein Schrank geöffnet. Dadurch ist eine Übersicht wie in den modernen Oberbehandlungsbeuten nicht gegeben.

Wesentlich größer und dadurch imponierender ist das zweite Haus. Es bietet Platz für 36 Beuten. Damit die Bienen sich nicht verfliegen, sind die einzelnen Beuten unterschiedlich farblich markiert. Das Haus stand früher in Mammolsheim und gehörte später dem Institut für Bienenkunde. Nach einer Translokation des Hauses wurde es auf ein festes Fundament gestellt. Das stehende Wasser sog sich allerdings in die Balken und so begann es zu faulen. Das Institut übergab es dem Hessenpark. Der Bau wurde abgeschlagen und in Einzelteilen zu seinem neuen Standort gebracht, dort gelagert und nach dem Wiederaufbau vor zwei Jahren der Öffentlichkeit übergeben. Die verfaulten Wände mussten natürlich ausgetauscht werden.

 

 

In seinem Inneren birgt das Bienenhaus ein kleines Museum. Auf der Fluglochseite stehen viele unterschiedliche Beuten und Körbe während an der gegenüberliegenden Wand imkerliche Arbeitsgeräte aufgestellt sind. Mein erster Eindruck war, dass sich gegenüber der heutigen Art Bienen zu halten nichts mehr wesentlich geändert hat.

Das Ungewöhnliche an dieser Beute ist für mich das Gitter und der Futterballon aus Glas auf der Oberseite. Sie zeigen, dass diese Beute sicher nicht im Freien aufgestellt worden ist, sondern im Inneren eines Bienenhauses.

Historisch gesehen waren die Bienenkörbe die ersten Formen von Behältnissen außerhalb der ausgehöhlten Baumstämme. Durch die Körbe wurde es möglich mit Bienen zu einzelnen Trachten zu wandern. Bienenkörbe üben bis heute eine starke Faszination aus. Sie sind zugleich ein klassisches Symbol für die Imkerei. Nicht umsonst hatte die Sparkasse von 1822 in Frankfurt den Bienenkorb zum hauseigenen Logo gemacht und ihre Verwaltung im Haus zum Bienenkorb etabliert. Heute sind die Körbe weitgehend verschwunden. In der Heideimkerei sind sie allerdings nach wie vor stark vertreten.

Oben sind zwei Lüneburger Stülper zu sehen, im Stand und liegend. Die eingezogenen Spangen (Speilen) ermöglichen einen etwas weniger wilden und gelenkten Wabenbau. Dieser Korb stammt etwa von 1900 und wurde im Raum Gießen verwendet. Eine andere Form ist der folgende fränkisch-hessische Kugelstülper.Er besitzt einen Untersatzkasten,stammt ebenfalls aus der Zeit um 1900 und wurde im Marburger Raum genutzt.

 

 

Die Körbe müssen nicht immer rund sein. Es gibt sie auch in eckiger Bauweise wie das folgende Bild eines liegenden Stülpers zeigt. Auch dieser Korb stammt aus der Zeit um 1900.

 

Spannend war für mich der folgende Kanitz-Korb. Er hat auf seiner Unterseite ein Wandertuch und gilt als Vorläufer der Magazinbeute. Dieser Korb stammt von etwa 1950 und wurde bis 2010 noch in Hermannsburg genutzt. Der Kanitzkorb ist aus Stroh und in Magazinform. Auf dem folgenden Videoclip von Youtube sieht man, wie er aus seinem Regal geholt und geöffnet wird, damit der Honig geerntet werden kann. Nebenbei sieht man hier auch noch ein anderes Relikt: die Dathe-Pfeife. Sie ist der Vorläufer unseres heutigen Smokers und dient der Raucherzeugung. Dazu bläst der Imker in die Pfeife hinein, damit der Rauch an der gegenseitigen Düse entweichen kann.

 http://www.youtube.com/watch?v=ApAxBMQRp94

Auf der gegenüberliegenden Innenseite des Bienenhauses sind mehrere imkerliche Arbeitsgeräte ausgestellt. Den Anfang machen zwei Honigschleudern:

 

Die untere Schleuder ist eine Tangentialschleuder um 1920, die in Neuhof genutzt worden ist. Die obere stammt etwa von 1930 von der Firma Carl Buss aus Wetzlar.

Das Auffüttern zum Winter ist etwas lange Praktiziertes. Die Galerie der aufgestellten Glasballons zeigt dies deutlich. Auf der weiter oben dargestellten Zanderbeute sieht man den Ballon, wie er im Deckel eingesetzt worden ist.

 

Zur Vermehrung der einzelnen Bienen und damit zur Vermehrung eines gesamten Volkes ist die Nachzucht von Königinnen unerlässlich. Bei einem Blick in eine Schauvitrine erkennt man die dazu notwendigen Hilfsmittel wie links ein Begattungskästchen aus Kunststoff, rechts oben einen Zuchtkalender für die planmäßige Abfolge der einzelnen Schritte, in der Mitte Zeichengeräte, um die Königin zu kennzeichnen.

Alles in allem: auch wenn die Ausstellungsfläche nur klein ist, es lohnt sich unbedingt ein Besuch bei diesem Schatzkästchen vor den Frankfurter Toren. Die URL lautet http://www.hessenpark.de, die Tageskarte kostet 8 €.

Heute nachmittag erreichte mich die Nachricht, dass in einem Naturschutzgebiet an der Nidda zwischen Frankfurt-Heddernheim und dem Mertonviertel Bienen gestohlen worden sind.

Gestern besuchten zwei Imkerinnen ihre dort stehenden Völker und mussten feststellen, dass bei sechs von zwölf Völkern die Brutwaben und Königinnen "entfernt" worden sind.

Von daher gilt für alle Imkerinnen und Imker mal wieder erhöhte Wachsamkeit. Unsere eigenen Völker stehen nur etwa einen Kilometer in der Luftlinie entfernt. Bei meiner Durchsicht war alles intakt.

Zur Sicherheit habe ich jedoch in diesem Blog alle Hinweise auf den Standort entfernt. Wer unsere Bienen besuchen möchte, muss sich deshalb bei mir die Wegbeschreibung individuell abholen. Per Telephon oder eMail ist das heutzutage ja auch kein großes Problem mehr.

Im Museum selber gibt es neben dem bereits Erwähntem noch ein paar weitere schöne Dinge zu entdecken.

 

Im Kellergeschoß gibt es als Ergänzung die Möglichkeit sich Videos anzuschauen. Wir hatten das Vergnügen mehrere Filme zum Thema Imkern in den Alpen und die Besonderheiten des alpinen Imkerns sehen können, aber es gibt noch viel mehr.

Im Erdgeschoß fand ich ein wunderschönes Modell zur Anatomie der Biene. Selten habe ich es in dieser Größe bisher entdecken können. Es ist eine wahre Freude, dieses zu studieren und Bekanntes darauf wieder zu finden.

 


 

Das unten stehende Honigglas veranschaulicht die Größenverhältnisse des Modells sehr deutlich. Gerade die Winzigkeiten sind deshalb gut zu erkennen und auf einer zugehörigen Tafel benannt.

Daneben gibt es im Kassenbereich die Möglichkeit Honige, Bienenprodukte und Souvenirs im Museumsshop zu erwerben. Vor lauter Begeisterung bin ich in eine Art Kaufrausch verfallen und habe mir von dort neun (in Ziffern: 9) Gläser zu 500 Gramm mit völlig unterschiedlichen Honigen mitgenommen. Natürlich waren das alles Sorten, die es bei uns kaum zu finden gibt: Thymian, Lavendel, Sonnenblume, Minze, Himbeere, Rosmarin, Kastanie, Zitrone und Orange.

Auf dem Außengelände des Plattnerhofs beginnt und endet ein Bienenlehrpfad. Lehrpfade gibt es inzwischen viele. Dieser zeichnet sich durch eine spannende Themenwahl und –vielfalt aus.

Besonders beeindruckend waren für mich drei sehr unterschiedliche große Themenbereiche:

  1. Sinneswahrnehmungen von Bienen
  2. Poesie über Bienen
  3. Verquickung (katholischer) Religion und Bienenzucht in Südtirol.

Verknüpfung von (katholischer) Religion mit Bienenzucht in Südtirol

Nirgends war für mich vorher die Verbindung von katholischer Religion und Bienenzucht so deutlich erkennbar wie im Museum Plattnerhof in Südtirol.

Am Ende des Bienenlehrpfades führt ein Wegweiser zu einer erhöhten und zwischen Bäumen versteckten Außenstelle. Dort steht eine Art Marterl oder Altar, wie er im ländlichen katholischen Raum oft zu finden ist. Es ist dem heiligen Ambrosius gewidmet. Für alle christlichen Religionen gilt er als einer der großen sogenannten Kirchenväter. Er ist 339 n. Chr. in Trier geboren und 397 in Mailand gestorben. Näheres zu ihm unter dem Link zu Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ambrosius_von_Mailand

Ambrosius gilt als Schutzheiliger und –Patron der Imker. Dargestellt wird er oft mit einem Bienenkorb, der sein Heiligenattribut ist. Je nach christlicher Kirche beziehungsweise Konfession und Tradition ist sein Gedenktag entweder der 4. April (Tag seiner Bischofsweihe) oder der 7. Dezember (Todestag). In Österreich ist der 7. Dezember zugleich der Tag des Honigs.

 

 

 

 

Seine Rede war süß wie Honig - so die Überlieferung aus dem who is who der Heiligen, der Legenda aurea.

Südtirol war von jeher immer römisch-katholisch geprägt und ist es bis heute geblieben. Im Volksglauben hat sich eine besondere Heiligenverehrung weitgehend erhalten. Hierzu passt auch eine mündliche Schilderung der Museumsführerin. Selbstverständlich gehen auch Imker den Weg alles Irdischen und sterben. Wenn dann jedoch deren Beerdigung kam, war diese immer eine deutlich bessere und angesehenere Beerdigung als sonst bei den Bauern üblich. Die besondere Verehrung, die Bienen und damit den Imkern zuteil wurde, resultierte auch aus einem Nichtwissen über die Fähigkeiten der Bienen. Sscheinbar aus dem Nichts schufen Bienen ihre Produkte Honig und Wachs - quasi wie ein Geschenk des Himmels. Die Bienenkönigin galt als rein und unbefleckt, weil kein Mensch früher jemals ihren Hochzeitsflug und Begattungsakt gesehen hat. Das ist erst heute dank moderner Technik und Bildgebung möglich.

Im Volksglauben wurde die Religion gerne auch bemüht, Schaden von Bienen und Bienenvölkern abzuwehren oder zu vermeiden. Hierzu wurde beispielsweise auf die Vorderseiten der Magazinbeuten ein christliches Symbol oder ein religiöses Bild gemalt wie die folgenden Beispiele zeigen sollen:

Im unteren Teil sieht man über dem Flugloch einen Abendmahls- oder Eucharistiekelch mit Hostie und Strahlenkranz. Oder im folgenden Bild wo der Name Jesus geschrieben steht.

 

Die Bedeutung von Bienen in der Religion zeigt sich auch in der Häufigkeit ihrer Erwähnung in der Bibel. Nach Informationen aus dem Bienenmuseum werden sie dort über 50 Mal erwähnt. Ob das so stimmt, vermag ich nicht zu sagen, ich habe vergeblich versucht, das nachzuprüfen.

Auf dem Außengelände des Plattnerhofs beginnt und endet ein Bienenlehrpfad. Lehrpfade gibt es inzwischen viele. Dieser zeichnet sich durch eine spannende Themenwahl und –vielfalt aus.

Drei sehr unterschiedliche große Themenbereiche werden auf diesem Lehrpfad vorgestellt.:

  1. Sinneswahrnehmungen von Bienen
  2. Poesie über Bienen
  3. Verquickung (katholischer) Religion und Bienenzucht in Südtirol.

Mit diesem Beitrag schreibe ich etwas zu Poesie und Literatur über Bienen

 

Hinter diesem Holzdeckel verbergen sich mehrere Literaturstellen.

Der erste Text stammt von einem berühmten, aber inzwischen nahezu vergessenen Autor: Hoffmann von Fallersleben (2.4.1778 bis 19.1.1874). Er ist der Autor sehr bekannter Kinderlieder wie Alle Vögel sind schon da, Ein Männlein steht im Walde, Kuckuck, Kuckuck ruft's aus dem Wald, Der Kuckuck und der Esel oder Morgen kommt der Weihnachtsmann. Zugleich ist er der Schöpfer des "Lied der Deutschen", dessen dritte Strophe heute als deutsche Nationalhymne gesungen wird. Auch das bekannte Kinderlied Summ, summ, summ stammt von ihm.

Für mich war es erfreulich, auch die anderen Strophen zu lesen, die meistens beim Singen untergehen.

 

Aus einer völlig anderen Richtung stammt der folgende Text. Sein Autor ist Karl Marx (1818 bis 1893).

Eine Übersetzung hierzu aus Wikipedia:

"[…] eine Biene beschämt durch den Bau ihrer Wachszellen manchen menschlichen Baumeister. Was aber von vornherein den schlechtesten Baumeister vor der besten Biene auszeichnet, ist, dass er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideell vorhanden war." - Karl Marx, Das Kapital. Band 1, MEW 23, S. 193

Vom irischen Dichter William Butler Yeats stammt "Lake Isle of Innisfree"

Hier wegen der besseren Lesbarkeit der Text aus Wikipedia:

Lake Isle of Innisfree

I will arise and go now, and go to Innisfree,

And a small cabin build there, of clay and wattles made;

Nine bean rows will I have there, a hive for the honey bee,

And live alone in the bee loud glade.

 

And I shall have some peace there, for peace comes dropping slow,

Dropping from the veils of the morning to where the cricket sings;

There midnight's all a glimmer, and noon a purple glow,

And evening full of the linnet's wings.

 

I will arise and go now, for always night and day

I hear lake water lapping with low sounds by the shore;

While I stand on the roadway, or on the pavements grey,

I hear it in the deep heart's core.

– W.B. Yeats

Unter dem folgenden Link ist das Gedicht auch nachzuhören:

http://www.lyrikline.org/de/gedichte/lake-isle-innisfree-638#.VBWBLfl_uSo

Yeats ist einer der großen Dichter des 20. Jahrhunderts, 1923 hat er den Literaturnobelpreis erhalten.

Eine Übersetzung ins Deutsche gibt es unter dem folgenden Link:

http://www.alb-neckar-schwarzwald.de/poetas/yeats/

 

Sehr viel älter ist dieser Text, der Lorscher Bienensegen:

Hierzu etwas mehr aus Wikipedia:

Der Lorscher Bienensegen gehört zu den ältesten gereimten Dichtungen in deutscher Sprache. Der althochdeutsche Zaubersegen wurde im 10. Jahrhundert kopfüber an den unteren Rand einer Seite der apokryphen Visio St. Pauli aus dem frühen 9. Jahrhundert geschrieben. Das Manuskript entstand im mittel- oder oberrheinischen Raum und wurde ab etwa 900 im Kloster Lorsch aufbewahrt; dort dürfte der Eintrag des Bienensegens im 10. Jahrhundert erfolgt sein. Im 16. Jahrhundert gelangte die Handschrift in die Bibliotheca Palatina in Heidelberg. Seit 1623 wird sie in der Biblioteca Apostolica Vaticana unter der Signatur Pal(atinus) lat(inus) 220 aufbewahrt (der Bienensegen findet sich dort auf fol. 58r).

Der Spruch sollte vermutlich ein schwärmendes Bienenvolk an einen Bienenstock rufen.[1] Englische Linguisten haben Ähnlichkeiten mit dem altenglischen Bienensegen Charm wiþ ymbe festgestellt.[2]

http://de.wikipedia.org/wiki/Lorscher_Bienensegen

 

Von Garcia Lorca , dem spanischen Dichter und Schriftsteller (1989-1936) stammt

Übersetzt:

Goldene Bienen

suchten Honig

Wo wird er sein

der Honig?

Er ist im Blau

einer kleinen Blüte

auf einer Knospe

des Rosmarins.

 

Von Lessing ( 1729 - 1781 ) stammt das folgende Gedicht aus dem Jahr 1771:

 

Noch einmal Garcia Lorca:

 

Zuletzt Victor Hugo (1802-1885) der Autor u.a. von "Der Glöckner von Notre Dame"

 

 

 

 

Auf dem Außengelände des Plattnerhofs beginnt und endet ein Bienenlehrpfad. Lehrpfade gibt es inzwischen viele. Dieser zeichnet sich durch eine spannende Themenwahl und –vielfalt aus.

Besonders beeindruckend waren für mich drei sehr unterschiedliche große Themenbereiche:

  1. Sinneswahrnehmungen von Bienen
  2. Poesie über Bienen
  3. Verquickung (katholischer) Religion und Bienenzucht in Südtirol.

Zu den einzelnen Punkten möchte etwas schreiben und illustriere das gerne mit Photos vom Lehrpfad. Die Punkte 2 und 3 werden in einem gesonderten Beitrag beschrieben.

Sinneswahrnehmungen

Ein wichtiges Sinnesorgan ist nicht nur für uns Menschen das Auge. Wie sehen Bienen? Wie sehen sie ihre Umwelt im Vergleich zu uns Menschen? Auf dem Lehrpfad stehen hierzu verschiedene Tafeln.

Das Auge der Bienen ist ein sogenanntes Facettenauge. Viele Insekten sind damit ausgestattet. Unser vertrautes menschliches Sehen wird jedoch durch dieses Auge verändert. Während wir Menschen nur jeweils ein Auge auf einer Seite unseres Gesichtes haben, besteht das Facettenauge aus vielen kleinen Augen. Das hat verschiedene Konsequenzen.

Ein Beispiel:

Ein für uns Menschen konzentrischer Kreis wird von den Bienen nicht als solcher wahrgenommen.

Ein weiteres Beispiel:

Bedingt durch die vielen Teilaugen ist die Bildfrequenz eine andere als bei uns Menschen (24 Bilder je Sekunde)

und die Einzelbilder werden ebenfalls anders als bei uns Menschen in der Sehrinde des Gehirns zusammengefügt:

Wir Menschen sind dazu nur in der Lage, wenn wir entsprechende Brillen tragen, in denen die durcheinanderlaufenden Lichtschwingungen harmonisiert oder gefiltert werden. Für das Bienenauge ist das Erkennen von polarisiertem Licht der Normalzustand.

Auch die Farben werden von Bienen anders gesehen als wir es durch unser menschliches Auge gewohnt sind:

Eine Meisterleistung ist sowohl das Erkennen und Orten von Futterquellen als auch die damit verbundene Kommunikation mit den anderen Bienen im Volk.

Auf dem Lehrpfad stehen hierfür mehrere Tafeln. Die oben gezeigte stellt quasi die Aufgabe vor, die folgende die dazu benötigten Hilfsmittel:

Diese so gewonnenen Einstellungen werden auf die dritte Tafel entsprechend übertragen:

Fertig ist damit im Prinzip der Wegweiser zur Futterquelle.

Jetzt muss er nur noch den anderen Bienen mitgeteilt werden.

Bienen verfügen natürlich über weitere Sinne. Der Tastsinn ist im Dunkel eines Bienenstockes besonders wichtig.

Auch die Königin besitzt solche Fühler. Mit ihnen misst sie die Größe der zu bestiftenden Waben aus. Von der Wabengröße hängt es ab, ob Arbeiterinnen oder Drohnen herangezogen werden sollen. In die größeren Zellen, die Drohnenwaben, legt sie anschließend ein unbefruchtetes Ei, in die kleineren ein befruchtetes. Arbeiterinnen oder Königinnen können nur aus befruchteten Eiern entstehen.

Können Bienen hören?

Die Antwort heißt nein. Bienen nehmen die Vibrationen oder Schwingungen wahr.

Bienen haben weiterhin die Fähigkeit Magnetfelder wahrzunehmen und sich an den Feldlinien zu orientieren.

Lagesinn zur Orientierung im Raum:

 

Oberhalb von Bozen liegt in Wolfsgruben der Plattnerhof. In dessen altem und restaurierten Haus befindet sich heute ein Bienenmuseum. Die Besitzerfamilie hatte über mehrere Jahre hinweg alte Bienenstöcke und Bienenkörbe gesammelt, dazu jene Utensilien und Hilfsmittel, die auch heute noch in der modernen Imkerei benötigt werden.  

Eingang zum Museum

Der Plattnerhof – Bienenmuseum in Oberbozen

Das Museum besteht aus dem restaurierten Gebäude des ehemaligen Plattnerhofes und einem Bienenlehrpfad. Letzterer beginnt und endet vor der Eingangstür des Plattnerhofes. Das Hausinnere enthält im Erdgeschoß weitgehend die Einrichtung des früheren Anwesens. In einzelnen Räumen gibt es Schautafeln und Ausstellungsobjekte zum Thema Honig, Imkerei sowie eine gläserne Schaubeute, deren Flugloch nach draußen zeigt.

  Eine Schautafel zeigt die Definition von Honig der früheren Europäischen Gemeinschaft (EG), aus der später die EU geworden ist:

"Honig ist die Substanz,

deren Grundlage der Nektar und andere zuckerhaltige Lösungen sind,

welche die Bienen auf den Pflanzen sammeln,

durch körpereigene Stoffe bereichern,

sie dort umbilden,

in Waben ablegen und reifen lassen."

Im Untergeschoß imponiert eine große Zahl von sehr verschiedenen Beuten und Beutentypen aus der Vergangenheit.

Das System der Magazinbeuten wie sie heute verwendet werden, zeigt sich hier bereits in frühen Anfängen. Eine Beute sieht aus wie eine zusammengehaltene Zieharmonika. Sie stammt aus der Schweiz. Durch Einsätze ist sie erweiterbar. Die Einsätze werden wie in einem Schraubstock zusammengehalten. Erfinder dieses Systems war ein Herr Hubert.

      Viele der Holzbeuten waren vorne am Flugloch mit religiösen Motiven bemalt. Hierzu erzähle ich im Teil 2 dieses Beitrags ein wenig mehr.                          

Hier sind verschiedene Holzbeuten ausgestellt. Die Fluglöcher zeigen nach vorne zum Betrachter. Oben rechts steht die variable Magazinbeute von Herrn Hubert. Auf dem Tisch liegt eine Presse zur Herstellung von Mittelwänden.

In dieser Beute ist Platz für vier Völker. Damit die Bienen unterscheiden können zu welchem Volk sie gehören, sind ihre Fluglöcher farbig markiert worden.

Schwer zu erraten, dass diese Beuten aus der Schweiz stammen.

Rudolf Steiner bestimmte, dass in anthroposophisch orientierten Beuten eine Mischung aus Holz und Stroh die Wände bilden sollten.

Böse und niederträchtige Menschen gab es schon immer. Honigraub galt zwar als Frevel und wurde schwer bestraft, fand dessen ungeachtet trotzdem statt. Um ihn einzudämmen, wurde als Diebstahlsicherung ein Bügelverschluß über dem Deckel angebracht.

Ein anderer Schwerpunkt sind die Korbbeuten, auch Bienenkörbe oder nur Körbe genannt. Sehr verschiedene Formen und Typen sind im Hause ausgestellt.         Diese hier sind fast wie die Zargen der modernen Magazinimkerei zu verstehen. Je nach Situation können die Körbe vergrößert oder verkleinert werden.   Zusätzlich gibt es im Keller noch die Möglichkeiten der Filmvorführungen. Wir hatten mehrere Filme zum Imkern gesehen. Sie sind hochinteressant, erzählen allerdings die Wirklichkeit in den Bergen mit ihren doch ein wenig anderen Bedingungen. Lohnenswert sind die Filme auf alle Fälle. Mein Respekt und meine Wertschätzung für die alpinen Imker sind dadurch erheblich gestiegen.   Im Erdgeschoß gibt es eine kleine Infoecke. In ihr ist dieses Schnittmodell eine Biene ausgestellt. Sehr beeindruckend für mich ist hierbei die Honigblase oder der Honigmagen. Er enthält eine Art Ventilverschluß zum nachfolgenden Darm. In dieser Blase bzw. dem Magen sammeln die Bienen den Nektar. Zurück im Bienenstock geben sie ihn an die Stockbienen weiter, die ihn dann in mehreren Etappen in die Waben einlagern (siehe auch die Honigdefinition der EG weiter oben). Selten habe ich ein so anschauliches Modell gesehen.  

Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: