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Nachdem inzwischen alle Gerätschaften bei uns vorhanden sind, geht es los.

Trotzdem sind wir noch immer bei den Vorbereitungen, die jetzt allerdings konkreter werden.

1. Schritt: der Honig wird aus dem kühlen Keller geholt. Um eine Spontangärung mit den im Honig vorhandenen natürlich vorkommenden Hefen zu vermeiden, wird der Honig kurzfristig auf 70° Celsius erwärmt und muss dann anschließend wieder abkühlen. Hierdurch läßt sich die Gärung in der von uns gewünschten Richtung mit einer Reinzuchthefe steuern und es treten keine Geschmacksveränderungen durch die Gärung mit "Fremdhefe" auf.

2. Schritt: die benötigte Hefe wird zum Ansatz gebracht, damit wir später genügend Hefe mengenmäßig zur Verfügung haben. Dabei wird die Trockenhefe "rehydriert": in warmem Wasser quillt sie auf und wird nach kurzer Zeit mit einem kleinen Teil des Metansatzes vermischt zum weiteren Gehen.

 

3. Schritt: Der Honig wird in der Zwischenzeit mit weichem Wasser vermischt (das auch zur Kühlung mit eingesetzt wird). Ich habe 1 Teil Honig und 2 Teile Wasser genommen.

4. Schritt: Die Temperaturdifferenz zwischen der Hefe und dem Honig darf nicht größer als 2 Grad Celsius betragen, damit die lebendige Hefe keinen Schaden nimmt und die Gärung ohne Probleme starten kann.

5. Schritt: Während die Hefe geht, werden dem Metansatz in jedem Gärballon abgewogene Mengen von Zitronensäure und Hefenährsalz zugefügt.

6. Schritt: Die rehydrierte Hefe arbeitet und geht, die Menge wird in zwei gleich große Portionen geteilt.

7. Schritt: Dieser Hefeansatz wird in jeden Gärballon mit dem Honig-Wasser-Gemisch gefüllt.

Das war am 24.12.2016 um 18:36 der Fall. Damit sind die Vorbereitungen zur Metherstellung abgeschlossen. Am Ende kommt auf jeden Ballon noch ein Gärröhrchen aus Glas mit einer Wassersperre. Sie verhindert das Eindringen von Keimen und Verunreinigungen von außen und ermöglicht umgedreht das Entweichen von entstandenem Kohlendioxid aus der Gärmaische.

So stehen sie nun seit gestern Abend friedlich nebeneinander. In jedem Ballon befinden sich 30 Liter Honigwasser zum Gären.

Die Vorbereitungen für unsere erste Met-Herstellung laufen auf vollen Touren. Inzwischen sind viele der benötigten Zubehörteile eingetroffen. Dazu zählen die Gärballons (wir haben zwei Ballons zu jeweils 50 Liter), die Gärröhrchen zum Verschluss, die Reinzuchthefen, Hefenahrung und zugelassene Chemikalien zur Klärung und Schönung. In den nächsten Tagen kommen noch Spindeln zur Bestimmung des Zuckergehalts (=Oechslegrade), des Alkoholgehalts (=Vinometer), ein Thermometer und ein Standzylinder. Danach geht es dann los.

Seit meiner Jugend habe ich keinen Wein mehr hergestellt. Von daher bin ich gespannt und neugierig auf das, was wir dann über Weihnachten ansetzen und gären lassen. Natürlich werde ich hier im Blog Schritt für Schritt darüber berichten.

Während einer Fortbildung in Boppard (am Rhein südlich von Koblenz) ging ich mittags in eine lokale Bäckerei, um mir etwas zum Essen zu kaufen. Dort fand ich in der Auslage folgendes:

Doppelgänger? Imker Matthias Adler in Boppard

Doppelter Zufall: sowohl die Namensgleichheit als auch die Tätigkeit als Imker. Zufall? Oder gibt es dort einen heimlichen Ableger vom Riedberg in Frankfurt..?

 

Heute, am 3. Advent 2016, haben wir mittags auf dem Riedberger Weihnachtsmarkt unser letztes Glas Honig verkauft.

Den nächsten Honig vom Riedberg gibt es voraussichtlich erst im Juni/Juli 2017 wieder, wenn alle Faktoren uns günstig geneigt sind.

Als besonderes Schmankerl für 2017 wird es dann auch den ersten Met vom Riedberg geben. Es wird ein Jahrgangs-Met unter dem Namen "Riedberger Auflese 2016" (Arbeitstitel) sein.

Bei der diesjährigen Honigernte hatten wir im Sommer eine Beute übersehen. Nachdem alle zuvor verwendeten Gerätschaften wieder gereinigt waren, fiel uns erst auf, dass da noch ein gefüllter Honigraum stand, der abgeerntet werden sollte. Diesen Nachzüglerhonig hatte ich dann bewußt mit dem Namen "Niedertracht" versehen.

Nach dem Abschleudern lagerte der Honig für mehrere Wochen in einem Hobbock (Eimersystem für Lebensmittel) und sollte für den Weihnachtsmarkt auf Gläser abgefüllt werden. Hierbei machte der Honig seinem Namen alle Ehre. Er war wirklich niederträchtig: nicht nur, weil er zuvor vergessen worden ist, sondern jetzt ein weiteres Mal, weil er im Lagerkeller  in Gärung übergegangen ist.

Zwar hat er bereits im Hobbock zu kristallisieren begonnen, doch nach dem Rühren stieg ein ungewöhnlicher weißer Schaum an die Oberfläche. Im Geschmack war der Honig ungemein fruchtig mit einem Akzent von Pflaumenaroma. All das sind ungünstige Vorboten und ernste Anzeichen: dieser Honig gärt und bildet Alkohol. Die natürlichen auf dem Nektar und Honig ansitzenden Hefen haben eine Spontangärung bewirkt. Einer der Hauptgründe hierfür ist der dann doch zu hohe Wassergehalt im Honig. Damit ist er für den Verkauf als Lebensmittel Honig nicht mehr verkehrsfähig.

Schaumige Oberfläche der Niedertracht. Honig in Gärung mit einzelnen Inseln aus kristallisiertem Honig

Also machen wir aus der Not eine Tugend. Wenn der Honig schon in Gärung gegangen ist, warum dann nicht gleich richtig? Soll heißen: wir verwenden ihn zur Herstellung von Met. Met ist der Aus Honig gewonnene Wein. Unsere germanischen Vorfahren tranken ihn regelmäßig. Eigentlich wollten wir das nie mit unserem Honig machen, aber bei diesen Ausgangsbedingungen bleibt uns nichts anderes übrig, wenn wir ihn nicht als Müll entsorgen wollen. Dafür ist der Honig aber zu schade.

Über die Metherstellung berichte ich später extra. Inzwischen trudeln die dazu nötigen Gerätschaften und Zutaten auf dem Postweg allmählich ein.

 

In diesem Jahr haben wir erstmals einen Teil unseres geernteten Honigs nicht sofort in Gläser abgefüllt, sondern in Hobbocks (= luftdicht verschlossene Kunststoffeimer für Lebensmittel) im Keller stehen gelassen. Dieser Teil ist für den Verkauf auf dem Riedberger Weihnachtsmarkt bestimmt. Im kühlen Keller ist der Honig bei einer recht gleichmäßigen Temperatur zwischen 15 und 16 Grad ideal gelagert. Dort ist er langsam kristallisiert und fest geworden.

Um ihn in Gläser abzufüllen zu können, muss er erst wieder verflüssigt werden. Ein mögliches Verfahren hierfür kennt man aus dem normalen Haushalt: Erwärmen im Wasserbad. Das geht gut und ist recht einfach. Doch dauert es bei einem Eimer mit 25 Litern Inhalt Stunden bis Tage. Das Wasser muss in dieser Zeit konstant temperiert gehalten werden. Man sieht daran schon: das ist in diesem etwas größeren Maßstab umständlich.

Einfacher geht es mit professionellen Geräten. Wir haben uns dazu im Sommer bereits ein passendes Gerät, den "Melitherm" aus dem Fachbedarfshandel besorgt und jetzt zum ersten Mal eingesetzt. Der Melitherm ist eines der wenigen Geräte, mit dem man festkristallisierten Honig wieder so schonend verflüssigen kann, dass seine Qualität nicht darunter leidet.

Es sieht aus wie ein Zylinder. Der Boden mit einer Siebplatte versehen. Hierauf legt man ein sogenanntes Seihtuch, eine Art Filter aus Stoff, und fixiert es mit Hilfe eines Ringes im Inneren des Zylinders. Auf dem Seihtuch liegt eine große Heizspirale, deren Griff nach oben herausragt. Dort sind der elektrische Anschluss und der Thermostat angebracht.

Diese Konstruktion wird auf einen der üblichen leeren und gereinigten Honigeimer gesetzt. Zwischen Eimer und Metallzylinder wird dabei noch ein Ring mit seitlichen Löchern eingefügt, damit die Wärme und Luft aus dem Auffangeimer wieder entweichen können.

Der feste Honig wird von oben in den Zylinder gefüllt und liegt dabei direkt auf der Heizspirale. Sobald der Strom eingeschaltet ist, erwärmt sich die Spirale und gibt die Wärme an den Honig ab. Dieser verflüssigt sich und tropft dann durch das Seihtuch und das Bodengitter in den darunter stehenden leeren Eimer ab.

So gehts los: der feste kristallisierte Honig (links im Eimer) wird in den Melitherm (rechts im Bild) geschichtet
So gehts los: der feste kristallisierte Honig (links im Eimer) wird in den Melitherm (rechts im Bild) geschichtet.
Die Eintracht über der Wärmespirale im Melitherm
Die Eintracht über der Wärmespirale im Melitherm.
Der Melitherm mit seiner Wärmespirale
Der Melitherm mit seiner Wärmespirale am Ende des Erwärmens und Verflüssigens.

Als ersten Honig haben wir die "Eintracht" verflüssigt. Sie ist Teil der ersten Ernte 2016 und fast betonhart geworden. Als nächstes kam die "Zwietracht" dran. Dieser Honig war noch zähflüssig und ungerührt. Beide Honige sind auf diese Weise wieder dünnflüssig geworden. In den nächsten Tagen werden sie gerührt und für den Riedberger Weihnachtsmarkt in Gläser gefüllt und etikettiert.  Gleiches wird noch mit der dritten Ernte, der "Niedertracht" geschehen.

 

So lautet die umlaufende Inschrift auf den Wappen der englischen Königin und der englischen Regierung. Näheres hierzu unter dem Link Honi soit .

Doch schreibe ich das nicht hier herein, um auf Großbritannien aufmerksam zu machen. Die Übersetzung dieses altfranzösischen Spruches lautet: Ein Narr, der Böses dabei denkt.

Der folgende Link hat mich vor wenigen Augenblicken erreicht. Sein Inhalt ist es wert zügig weitergegeben zu werden.

Postillon

 

Am Sonntag, 31. Juli 2016, während wir dabei waren, unsere Bienenvölker gegen die Varroamilbe zu behandeln und gleichzeitig mit der Auffütterung für den Winter zu beginnen, geschah es, dass wir einen Honigraum entdeckten, den wir tags zuvor vergessen hatten zum Schleudern mitzunehmen.

Während wir daheim am Tag vorher geschleudert und alle Gerätschaften bereits wieder geputzt hatten, hieß damit nun, wir dürfen von vorne beginnen und erneut schleudern, erneut putzen ... Das war gemein. Ein anderes Wort für gemein ist niederträchtig. Also war für mich schnell klar wie der Honig zu heißen hat, wenn er in den Verkauf kommt: Niedertracht.

Aber es hat sich wider Erwarten doch sehr gelohnt: der Honig war deutlich dunkler, roch und schmeckte anders. Dieses Phänomen erleben wir beim Schleudern recht häufig. Wir sammeln alle Honigräume ein und verarbeiten anschließend die Rahmen stockweise. Der aus der Schleuder abfließende Honig wird dann im Sammelgefäß automatisch vermischt. Dabei passiert es typischerweise, dass jeder Bienenstock einen anderen Honig enthält, selbst wenn die Stöcke in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander stehen. Mal ist er heller, dunkler, dick- oder dünnflüssiger oder riecht und schmeckt sehr unterschiedlich. Wäre der Aufwand nicht zu groß, könnten wir auf diese Weise sehr verschiedene Honige in kleinen Mengen abfüllen. Mit der Niedertracht haben wir das ungewollt sogar getan.

Am 30.Juli 2016 haben wir morgens die Zargen mit den Honigwaben geholt und mittags geschleudert. Der aus der Schleuder fließende Honig war vom Geruch her völlig anders als beim ersten Mal. Der Grund: bei dieser zweiten Tracht, der Sommertracht oder, wie wir sie nennen werden, der Zwietracht, waren zum großen Teil völlig andere Blüten und Nektare das Ziel unserer Bienen gewesen.

Eine Honigwabe enthielt noch sehr viel Rapshonig, der inzwischen bereits in den Zellen kristallisiert ist und nicht mehr durch das Schleudern abzentrifugiert werden konnte. Diesen Rahmen geben wir einem Ableger als Futterwabe.

Noch steht der Honig zum Klären bei uns in der warmen Wohnung. Bei diesen Temperaturen steigen in der zähen Masse die Luftblasen besser nach oben und können als Schaum in wenigen Tagen abgenommen werden. Anschließend kommt der Honig bei 16 Grad in den Keller zum Reifen. Vom sich dabei entwickelnden Kristallisationsgrad hängt es ab, wann der Honig gerührt und abgefüllt wird . Das kann sich durchaus noch ein paar Wochen hinziehen.

Am 28. Juli 2016 haben wir abends mit den Vorbereitungen zur zweiten Honigernte begonnen.

Damit wir an den Honig gelangen, sollten die Rahmen im Honigraum möglichst bienenfrei sein. Um das zu erreichen, haben wir unter den jeweiligen Honigraum eines Volkes eine Leerzarge und eine Bienenflucht gesetzt. Die Bienenflucht ist wie eine Drehtür: sie lässt nur in eine Richtung die Bienen hindurch. Im Idealfall werden die noch im Honigraum vorhandenen Bienen in zwei Tagen verschwunden sein. Wir heben den Honigraum dann nur noch ab und transportieren ihn zu uns nach Hause, dort wird er geschleudert und der ablaufende Honig zunächst in Eimer gefüllt.

Einen Tag nach der Entnahme starten wir mit der Behandlung gegen die Varroamilbe. In den Boden eines jeden Bienenstocks wird dazu eine Wanne mit etwa drei Litern 15%iger Ameisensäure gestellt. Durch die hohen Außentemperaturen im Sommer verdampft die Ameisensäure und tötet dadurch die Milben ab. Klassisch verwenden die meisten Imker jedoch eine Säurekonzentration von 60%. Das bedeutet für die Bienen schon ein wenig Stress, auch wenn ihnen die Säure nichts ausmacht. Wir verwenden jedoch nur 15%ige Säure. Dieses Verfahren ist schonender, dauert dafür aber länger. Allerdings brüten die Bienen in diesen Zeit weiter und können gleichzeitig sogar zur Wintervorbereitung von uns mit Futterteig versehen und aufgefüttert werden.

In den letzten Tagen habe ich abends auf dem Balkon die erste Honigernte des Jahres 2016 verkaufsfertig gemacht. Genauer heißt das, dass ich die Gläser, in die ich den Honig abgefüllt hatte, etikettiert habe. Wie so vieles in der Imkerei, zumindest in der Kleinimkerei, ist das alles Handarbeit.

1. Schritt: Gläser aus dem Karton nehmen und die Deckel fest verschrauben.

2. Schritt: quer über den Deckel kommt der Gewährstreifen. Solange er unbeschädigt ist, wurde der Deckel nicht aufgeschraubt. Damit ist die Verschlusssicherheit seit dem Abfüllen gewährleistet.

 

Gewährstreifen
Gewährstreifen

3. Schritt: Das Hauptetikett kommt über den Gewährstreifen auf die Vorderseite

Vorderseite Etikett
Vorderseite Etikett

4. Schritt: auf die Rückseite kommt ebenfalls über den Gewährstreifen das Etikett mit den gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtangaben

Rückseite Etikett
Rückseite Etikett

5. Schritt: die Gläser werden zurück in den Karton gepackt

im Karton
im Karton

6. Schritt: das Mindesthaltbarkeitsdatum wird mit einem Datumsstempel aufgedruckt

Mindesthaltbarkeitsdatum als Stempel
Mindesthaltbarkeitsdatum als Stempel

7. Schritt: auf den Gewährstreifen wird noch das Etikett mit dem Honignamen geklebt. Wir verwenden für die erste Ernte eines Jahren den Namen Eintracht (dieser Name hat nichts mit dem Frankfurter Fußballverein zu tun) und für die zweite Ernte den Namen Zwietracht. Gelegentlich nennen wir den Honig eines bestimmten Volkes, das früher in Offenbach stand, Niedertracht. Damit wird natürlich nicht die lokale traditionelle Rivalität zwischen Frankfurt und Offenbach angesprochen, sondern der Name bezieht sich auf die Höhe über dem Meeresspiegel. Am Main beträgt die Meereshöhe etwa 100 Meter, auf dem Riedberg etwa 150 Meter.

Allein schon anhand dieser sieben Schritte sieht man, wieviel Handarbeit in einem einfachen Glas Honig steckt. Im Vergleich mit der Bienenpflege, Honigernte und dem Abfüllen ist das sogar noch der kleinste Teil.

Der Honig des Frühjahr 2016 ist ein sehr rapsbetonter Honig. Im Glas ist der Honig fast weiß und zeigt eine marmorierte Struktur als Zeichen dafür, wie er im Glas noch weiter in Wirbeln beziehungsweise Schlieren langsam bei einer Kellertemperatur von 16 Grad kristallisiert ist. Der Rapsnektar ist sehr traubenzuckerhaltig und kristallisiert von daher schnell aus. Überwiegt hingegen im Honig die Fruktose, kann er über lange Zeit noch flüssig bleiben.

Scheibenhonig. Das Wort ist vielen Menschen bekannt. Meist dient es als vornehmer Ersatz wie "Scheibenkleister" für eine unanständiges Schimpfwort, das ebenfalls mit Sch.. beginnt.

Aber Scheibenhonig gibt es wirklich. Heute mittag haben wir ihn in Bozen auf dem Markt gefunden:

Waben- oder Scheibenhonig - Eukalyptus
Waben- oder Scheibenhonig - Eukalyptus

In kleinen Plastikboxen wird er verkauft und kostet vor Ort etwa 9 € je Packung.

Waben- oder Scheibenhonig - Akazie
Waben- oder Scheibenhonig - Akazie

Der Händler führte ihn je nach Herkunftsblütenart in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Waben- oder Scheibenhonig - Orange
Waben- oder Scheibenhonig - Orange

Scheibenhonig wurde früher oft in der Heide als Heidehonig verkauft. Um in den Korbbeuten der Heideimkerei an den Honig zu gelangen, mussten die Waben herausgeschnitten werden. So wurden sie scheibenweise verkauft.

Per Definition wäre das allerdings ein Wabenhonig: aus dem Naturbau der Bienen (auch Wildbau genannt) werden ausgeschnittene Stücke samt umgebendem Bienenwachs verkauft.

Beim Scheibenhonig sind die Waben jedoch auf einer zuvor eingesetzten Mittelwand (aus Bienenwachs) gebaut. Sie werden zur Ernte und zum Verkauf aus den Rahmen geschnitten. Wie die Bilder zeigen, können die einzelnen Waben unverdeckelt oder verdeckelt sein.

Übrigens ist die für ein Kilogramm Honig benötigte Menge an Bienenwachs äußerst gering: es reichen 40 Gramm Wachs völlig aus, um diese Menge aufzunehmen. Daran sieht man wieder einmal, wie effizient und sparsam es in der Natur zugehen kann.

 

Gleich geht es los mit der Honigernte.

In den letzten Tagen habe ich unter die Honigräume eine Bienenflucht und eine Leerzarge gesetzt, damit die Bienen aus dem Honrigraum zurück in das Volk laufen und die honighaltigen Waben möglichst bienenfrei sind. Sämtliche Gerätschaften wie Honigsschleuder, Eimer und Entdeckelungsgeschirr sind gestern Abend gereinigt worden (schließlich ist Honig ein Lebensmittel).

Wir holen die Honigräume heim -  dann wird nacheinander entdeckelt und geschleudert. Nach einer groben Schätzung rechne ich mal mit etwa 150 Kilogramm Honig als Frühtracht 2016.

Nachtrag vom 13.06.2016: Die Schätzung war in der Tat recht grob. Wenn ich die Summe der Differenzen der Zargengewichte vor und nach dem Schleudern bilde, komme ich auf 128 Kilogramm. Betrachte ich hingegen die abgeschleuderten Mengen, sind es etwa 115 bis 120 Kilogramm. Der Unterschied ergibt sich aus dem gewonnenen Entdeckelungswachs und den im Feinsieb gesammelten Wachsrückständen.

Dieser April war in seiner zweiten Monatshälfte einer der kältesten Aprilmonate seit Jahren. Die Tagesdurchschnittstemperaturen lagen im Mitten im unteren einstelligen Bereich und waren niedriger als in den Monaten Januar und März 2016.

Trotzdem schreitet das Frühjahr voran. Es blüht zurzeit recht vielseitig, auch wenn es kalt ist. Ab etwa 8 Grad Außentemperatur fliegen die Bienen aus ihrem Stock. In den Bienenstöcken lagern die Bienen große Vorräte von Nektar ein, zugleich wird intensiv für Nachkommenschaft gesorgt. Damit wird der Platz in den Beuten eng.

Vor wenigen Tagen haben wir deshalb auf fast allen Beuten einen Honigraum aufgesetzt. Damit die Bienen diesen Raum annehmen und nutzen haben wir einen kleinen imkerlichen Trick angewendet. Brut und Brutpflege zieht die Bienen sehr an. Also haben wir eine Wabe mit offener Brut mit in den Honigraum gehängt. Die Pflegebienen ziehen mit nach oben in den Honigraum und locken dadurch andere Bienen an. Sobald die Brut geschlüpft ist, stehen die leeren Zellen zur Honigaufnahme bereit oder werden dann wieder nach unten in einen der Bruträume gehängt.

Zwölf von unseren vierzehn Völkern haben inzwischen ihren Honigraum aufgesetzt bekommen. In zwei Tagen werden wir das erste Mal nachsehen, wie weit sie diesen Raum bereits angenommen haben.

Am dritten Advent 2015 fand der inzwischen schon traditionelle Weihnachtsmarkt auf dem Riedbergplatz im neuen Frankfurter Stadtteil Riedberg statt. Als lokale Imker waren wir das erste Mal mit dabei. Ich hatte ein paar Gläser Honig extra zurückgehalten und bin im Stillen davon ausgegangen, dass wir einen Großteil von ihnen wieder mit heimnehmen würden. Doch kam es völlig anders: bereits in den ersten Stunden des ersten Tages waren alle 56 Gläser verkauft. Mit diesem Ansturm und dem Interesse hatte ich überhaupt nicht gerechnet.

Zwei daheim vergessene Gläser nahm ich am Sonntag mit. Kaum standen auch sie auf dem Ladentisch, fanden sie nach noch nicht einmal  fünf Minuten ihre Käufer.

Fazit: im nächsten Jahr wird es zum Weihnachtsmarkt mehr Honig geben.

Weihnachtsmarkt auf dem Riedberg 2015
Weihnachtsmarkt auf dem Riedberg 2015

 

Weihnachtsmarkt 2015 auf dem Riedberg. Matthias Adler am Stand der Riedberg-Imker und des Frankfurter Imkervereins
Weihnachtsmarkt 2015 auf dem Riedberg. Matthias Adler am Stand der Riedberg-Imker und des Frankfurter Imkervereins

 

Riedberg-Imker auf dem Weihnachtsmarkt 2015
Riedberg-Imker auf dem Weihnachtsmarkt 2015

 

Weihnachtsmarkt auf dem Riedberg 2015 mit Matthias Adler von den Riedberg-Imkern
Weihnachtsmarkt auf dem Riedberg 2015 mit Matthias Adler von den Riedberg-Imkern

 

Stand der Riedberg-Imker und des Frankfurter Imkervereins. Der Honig ist bis auf zwei Gläser ausverkauft.
Stand der Riedberg-Imker und des Frankfurter Imkervereins. Der Honig ist bis auf zwei Gläser ausverkauft.

 

November2015--9362

 

  1. Oktober 2015 um 22:47 - Soeben bin ich fertig geworden: der letzte Honig unserer Saison 2015 wurde in Gläser abgefüllt und etikettiert. Damit haben wir jetzt fünf verschiedene Honige:
  • Eintracht - die erste Ernte vom Frühjahr, rapsbetont und voll mit Honig aus der Obstblüte,
  • Niedertracht - ein 1000-Blüten-Honig, ebenfalls rapsbetont und ebenfalls von der Obstblüte,
  • Zwietracht (A) - die zweite Ernte als Sommerblütenhonig mit noch vorhandenem Rapsanteil,
  • Zwietracht (B) - die zweite Ernte, bei der der Honig wegen seines nicht vorhandenen Rapsanteils später kristallisiert ist,
  • Niedertracht (B) - ebenfalls die zweite Ernte, ein Sommerblütenhonig.

Mit diesen Honigen waren wir am 10. Oktober 2015 auf dem Riedbergplatz anzutreffen zuammen mit dem Infostand der IG-Riedberg während der Aktion "Riedberg putzt sich raus".

Vorankündigung: Am 3. Advent werden wir ebenfalls auf dem Riedbergplatz zu finden sein und während des Weihnachtsmarktes Honig und andere Bienenprodukte zum Kauf anbieten. Die Bienenprodukte stammen vom Frankfurter Imkerverein. Der Verkaufserlös ist für die Unterhaltung des neuen Frankfurter Lehrbienenstands bestimmt.

Am 12.10.15 ist die Honiganalyse eingetroffen. Damit wissen wir nun, was sich in unserem Honig befindet. Eingesandt hatte ich die Zwietracht (A).

Bei der Pollenverteilung Nektar liefernder Pflanzen ergab sich nach der Auszählung von 500 Pollen

  • 53 % stammen vom Brassica napus-Typ (Raps-Typ), - Raps
  • 24 % stammen vom Prunus-Typ  und Pyrus Typ (Steinobst- und Kernobst-Typ) - Kernobst - Steinobst 
  • 5 % stammen von Phacelia (Büschelschön) - Phacelia
  • weitere stammen von folgenden Typen, die zum Teil nektarlos sind (*):
  • Asteraceae - Carduus-Typ, Distel-Typ // thistle-type - Carduus
  • Betulaceae* - Betula* / Birke // birch - Birke
  • Boraginaceae - Myosotis / Vergissmeinnicht // forget me not - Vergissmeinnicht
  • Brassicaceae - Brassica napus-Typ / Raps-Typ // rape-type - Raps
  • Caesalpiniaceae - Gleditsia / Gleditschie // honey locust - Gleditschie
  • Campanulaceae -  Campanula / Glockenblume // bellflower - Glockenblume
  • Caprifoliaceae -  Lonicera / Heckenkirsche // honeysuckle - Heckenkirsche
  • Fabaceae - Lotus / Hornklee // brid's foot trefoil - Hornklee
  • Fabaceae -  Trifolium repens / Weißklee // white clover - Weißklee
  • Fagaceae - Castanea sativa / Edel-Kastanie // sweet chestnut - Edelkastanie 
  • Hippocastanaceae - Aesculus / Rosskastanie // horse chestnut - Rosskastanie
  • Hydrangeaceae -  Hydrangea-Typ / Hortensien-Typ // hydrangea-type - Hortensie
  • Hydrophyllaceae - Phacelia / Büschelschön // fiddle neck - Phacelia
  • Oleaceae -  Ligustrum / Rainweide // privet - Rainweide
  • Plantaginaceae* - Plantago* / Wegerich // plantain - Wegerich
  • Poaceae* - Süßgräser // Grass family - Süßgräser
  • Ranunculaceae - Anemone-Typ* / Windröschen-Typ // windflower-type - Windröschen
  • Rosaceae - Prunus-Typ / Steinobst-Typ // stone fruits - Steinobst
  • Rosaceae - Pyrus-Typ / Kernobst-Typ // pomaceous fruits - Kernobst
  • Rosaceae - Rosengewächse // Rose family - Rosengewächse
  • Salicaceae - Salix / Weide // willow - Weide
  • Taxaceae* - Taxus* - Eibe // yew - Eibe

Auslandspollen (nicht der geographischen Herkunft entsprechend): keine

Honigtauelemente: wenig Pilzelemente

Für mich ist es anhand der oben erwähnten Pollen spannend zu sehen, was hier bei uns auf dem Riedberg so alles wächst. So ist mir zum Beispiel neu, dass wir hier Edelkastanien stehen haben...

Der Rapsanteil von 53 % in der Zwietracht (A) erklärt wie schon vermutet, dass dieser Teil der zweiten Ernte relativ früh kristallisiert ist. Die Honige der ersten Ernte, die Frühtrachten Eintracht und Niedertracht, sind von der Farbe hell bis eher weiß. Diese Farbe spricht für einen recht hohen Anteil vom Raps darin.  Die Sommerhonige der zweiten Ernte sind hingegen relativ dunkel dagegen.

Im nächsten Jahr werden wir versuchen, von jeder Ernte eine Analyse durchführen zu lassen. Dazu reichen wir unsere Honige in den DIB-Gläsern vom Deutschen Imkerbund zur Honigprämierung ein. Die Analyse ist ein Bestandteil dieses Wettbewerbsverfahrens. Der Vorteil für uns ist dabei, dass wir somit nachträglich erfahren, war in jedem unserer Honige so alles enthalten ist.

Am Sonnabend, den 10.10.2015, stand die Ape zum zweiten Mal in ihrer Geschichte zum Honigverkauf auf einem öffentlichen Platz. Die IG-Riedberg hatte an diesem Tag zu einer Aktion "Der Riedberg putzt sich raus" aufgerufen.

Gemeinsam standen wir auf dem Riedbergplatz und suchten unter den Besuchern  des gleichzeitig stattfindenden Wochenmarktes Teilnehmer für die Putz- und Müllsammelaktion. Gleichzeitig informierten wir über mögliche Obstbaumpatenschaften auf dem Riedberg und warben neue Mitglieder für die IG Riedberg. Parallel dazu boten wir Riedberger Produkte wie getrocknete Apfelschnitze, Apfelsaft und Apfelmus an, alles von hiesigen Apfelbäumen und selbst gemacht. Und natürlich wurde Honig vom Riedberg verkauft. Ich war erstaunt, wieviele Menschen unsere verschiedenen Honige probierten und gekauft haben. Mit einer solchen Menge hätte ich, ehrlich gesagt, nicht gerechnet.

 

Unser Stand auf dem Riedbergpltz am 10.10.15
Unser Stand auf dem Riedbergpltz am 10.10.15

Riedbergplatz-5680

 

Abends, am 20 August 2015, habe ich den letzten Riedberger Honig des Jahres 2015 abgefüllt. Es war die zweite Variante der Zwietracht (siehe vorhergehenden Beitrag dazu).

Honigabfüllen-2

Diese Variante B enthält weniger Raps als die Variante A. Sie hat deshalb später mit der Kristallisation begonnen. 45 Gläser sind es geworden. Damit haben wir erstmals drei verschiedene Honige vom Riedberg anzubieten.

Nachdem wir im Juli unseren letzten Honig geschleudert hatten, ist aus den "Abfallprodukten" des Entdeckelns inzwischen auch das diesjährige Àgua mel fertig und abgefüllt.

Àgua mel ist eine portugiesische Spezialität. Es wird aus dem beim Entdeckeln am Wachs anhaftenden Honigresten hergestellt. Im ersten Schritt wird das Gemisch von Deckelwachs und Honig mit Wasser versetzt und erhitzt, bis das Wachs geschmolzen ist. Es sammelt sich an der Oberfläche und wird beim anschließenden Erkalten zu einem festen Block. Dieser Wachsblock wird entfernt und kann später zur Herstellung von anderen Wachsprodukten verwendet werden.

Im zweiten Schritt wird das durchgesiebte Honig-Wasser-Gemisch mit weiteren Zutaten angereichert und langsam eingekocht, bis es eine sirupartige Konsistenz hat. Dieser Prozess geht über mehrere Stunden. Sobald es dickflüssig genug ist, wird es in bereitstehende Gläser umgefüllt, in denen es dann abkühlen kann.

Das klingt einfach. Die große Kunst besteht darin, die Flüssigkeit nicht überkochen zu lassen, also muss sie stets beobachtet und gerührt werden.

Etikett für unser Agua mel
Etiketten für unser Àgua mel
Agua mel-0617
Àgua mel im Karton

 

Agua mel-0618
Àgua mel im Glas mit Etikett

 

Agua mel-0619
Àgua mel im Glas mit Etikettt

Natürlich ist dieses Àgua mel ebenso wie unser Honig bei uns käuflich zu erwerben.

Seit gestern Abend ist der erste Teil der Zwietracht fertig. Fertig heißt in diesem Fall, der Honig ist in Gläser gefüllt, die Gläser sind etikettiert und verkaufsbereit.

Dieser Honig, den wir Zwietracht nennen, stammt aus der zweiten Ernte im Juli 2015. Wir hatten ihn nach dem Schleudern auf drei Behältnisse abgefüllt. Im Lauf der Zeit war deren Inhalt bei der Kristallisation jedoch recht unterschiedlich weit entwickelt, obwohl alle im gleichen Keller standen. Aus praktischen Gründen hatte ich den Honig des kleinsten Eimers auf zwei große verteilt, nachdem die Kristallisation bereits begonnen hatte.

Mit dem Eintritt der Kristallisation ändert der Honig seine Farbe. Die anfangs klare Flüssigkeit wird langsam stetig zunehmend trüber, gleichzeitig steigt die Viskosität. Im Endstadium kann der Honig fest wie Beton werden. Damit der Honig abgefüllt werden kann, darf er nicht zu zähflüssig sein. Diesen Zeitpunkt gilt es genau abzupassen. Mit Beginn der Kristallisation wird der Honig gerührt. Jeden Tag. Durch das mechanische Rühren werden die Kristalle aufgebrochen und bleiben klein. Dadurch wird der Honig cremig(er) und nicht steinhart.

Für das Rühren gibt es verschiedene Hilfsmittel. Ich verwende eine Spirale, die aussieht wie ein überdimensionierter Knethaken des häuslichen Handrührers in der Küche. Diese Spirale wird in den Kopf einer Bohrmaschine eingesetzt. Wegen der hohen Drehzahl der Bohrmaschine muss jedoch ein Untersetzungsgetriebe dazwischen geschaltet werden, sonst würde die Spirale sich mit 1000 bis 3000 Umdrehungen drehen. Dank der Untersetzung beträgt die Drehzahl etwa 100 bis 120 Umdrehungen pro Minute. Auch hier zeigt sich wieder: nicht nur das Imkern, auch die anschließenden Arbeiten sind zum Teil körperlich anstrengend bis schwer.

Der Honigrührer im Einsatz. Im Bild oben das Untersetzungsgetriebe, unten der zu rührende Honig.
Der Honigrührer im Einsatz. Im Bild oben das Untersetzungsgetriebe, unten der zu rührende Honig.

 

Die Spirale im Einsatz
Die Spirale im Einsatz

 

Links die Bohrmaschine, daran rechts das Untersetzungsgetriebe aufgesetzt.
Links die Bohrmaschine, daran rechts das Untersetzungsgetriebe aufgesetzt.

Die größere Menge habe ich gestern abgefüllt.

Honiggefäß mit Auslaufstutzen zum Abfüllen. Knapp 30 Kg Honig warten ...
Honiggefäß mit Auslaufstutzen zum Abfüllen. Knapp 30 Kg Honig warten ...

Die nötige Zahl an Gläsern und Deckeln wird vorher in der Spülmaschine gereinigt, damit alles möglichst "lebensmittelsauber" ist. Unmittelbar danach wird dann abgefüllt.

Leere Honiggläser warten auf den Inhalt
Leere Honiggläser warten auf den Inhalt
Inzwischen sind die Gläser befüllt, aber noch unetikettiert
Inzwischen sind die Gläser befüllt, aber noch unetikettiert

 

Unsere Honige vermarkten wir nicht mit der bekannten Ausstattung des Deutschen Imkerbundes. Hierzu zählen die Gläser mit dem Sechseck einer Wabe sowohl auf dem Glas als auch auf dem Deckel. Die zugehörigen Etiketten haben ebenfalls die Sechseckform. Wir verwenden Neutralgläser mit unseren eigenen Etiketten, die uns Frau Schulz in Japan entworfen hat. Sie sind im Grunde sogar drei Etiketten: 1.) ein langer Streifen, der quer über den Deckel geklebt wird und die Unversehrtheit des Inhaltes garantiert, solange er nicht ein- oder durchgerissen ist, 2.) das blaue Vorderseitenetikett mit dem Hinweis Blütenhonig und 3.) das Rückseitenetikett mit den gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zu Gewicht und Herkunft etc. Zur weiteren Unterscheidung klebe ich noch auf den Deckel den Namen des Honigs: Eintracht, Zwietracht oder Niedertracht. Alle diese Etiketten werden in Handarbeit angebracht.

Gestern Abend waren es dann insgesamt 59 Gläser, die so als Zwietracht entstanden sind.

Was mag der Grund für die unterschiedliche Kristallisationsgeschwindigkeit gewesen sein? Alle Eimer standen im gleichen Keller bei gleicher Raumtemperatur von 16 Grad Celsius. Aber: auch wenn wir die Honige am gleichen Tag geschleudert hatten, sie stammen auch vom gleichen Bienenstand, so waren doch Unterschiede zu finden. Die Reihenfolge, in der wir die einzelnen Rahmen geschleudert hatten, ist für mich der entscheidende Unterschied.

Im Frühjahr hatten wir nicht alles Waben entnommen. Ein großer Teil von ihnen war noch unverdeckelt gewesen. Diese Waben enthielten noch den Honig vom Frühjahr. In ihm war ein relativ großer Anteil an Rapsnektar gewesen. Diese Frühjahrswaben sind jetzt im Sommer mit geschleudert worden. Der darin enthaltene Rapshonig ist bei der Teilmenge, in die er eingeflossen ist, für die frühere Kristallisation verantwortlich. Der "reine" Sommerhonig kristallisiert entsprechend später. Dies führt dazu, dass wir in diesem Sommer zwei unterschiedliche Zwietrachten haben werden, die jetzt gerade abgefüllte frühere Version und die noch abzufüllende eher sommerliche Zwietracht.

Die zweite Honigernte dieses Jahres ist soeben beendet. Aus mehreren Völkern vom Riedberg haben wir gestern die verdeckelten Waben  entnommen und abends noch den Honig abgeschleudert. Die entnommenen Waben waren recht unterschiedlich. Einige waren bei der ersten Ernte noch nicht vollständig verdeckelt. Sie sind jetzt in den Ertrag mit eingegangen. Einen großen Teil der Honigwaben haben wir sogar in den Völkern gelassen, weil sie zwar Nektar enthielten, aber noch nicht verdeckelt, also verschlossen, waren. Das Heraussuchen der erntefähigen Waben erwies sich als schwierig. Die Völker haben sehr unterschiedlich darauf reagiert.

Von allen Waben wurden die ansitzenden Bienen abgefegt. Diese bienenfreien Rahmen wurden sofort in eine Leerzarge gehängt, die anschließend mit einem Zwischenboden verschlossen wurde. Die Bienen haben das sehr schnell bemerkt und sind durch Löcher, die durch Unebenheiten im Boden gebildet waren, wieder in die Zarge und auf die Rahmen geklettert. In kleinen Mengen wurden die Rahmen zum Auto getragen und dort ein weiteres Mal abgekehrt.  Teilweise waren sogar einzelne Wespen dabei. Sobald für die Bienen Honigreste auf dem Boden erkennbar waren, setzte umgehend Räuberei ein: größere Mengen von Bienen tauchten wie aus dem Nichts auf, um sich die Honigreste einzuverleiben und den anderen Bienen wegzunehmen. Selbst benutzte Leerzargen wurden auf diese Weise von den Bienen besucht. Mit dem Einbruch der Dämmerung nahm diese Räuberei stetig ab. Gegen 22 Uhr waren alle Bienen wieder verschwunden.

Wir haben den Honig noch am gleichen Abend abgeschleudert. Beim Wiegen heute Abend waren es etwas über 55 Kilogramm. Inzwischen steht der Honig in lebensmittelgerechten Kunststoffeimern, Hobbocks genannt, im kühlen Keller. Dieser Honig ist von seiner Beschaffenheit sehr viel flüssiger und dunkler als der der ersten Ernte. Als zweite Ernte dieses Jahres werden wir ihn später als Zwietracht vermarkten.

 Der Zeitpunkt für diese Ernte war für die Völker wichtig: jetzt ist es heiß und damit sind die äußeren Bedingungen für die Behandlung mit Ameisensäure gegen die Varroamilben günstig. Der Honig, der dem menschlichen Genuss dienen soll, muss allerdings vorher entnommen worden sein. Am kommenden Wochenende beginnen wir deshalb sofort an allen unseren Völkern mit der Varroabehandlung.

Jetzt ist es endlich soweit: unsere ersten Honige des Jahres 2015 sind fertig. Abgefüllt ist er bereits in Gläser, darin ist er weiter kristallisiert und fester geworden. Die Zeitspanne zwischen Schleudern und Kristallisieren war in diesem Jahr relativ kurz. Nach dem Abschleudern stand der Honig in seinen Sammelgefäßen bei 15° C im Keller. Bereits nach zwei Wochen war er soweit, dass er gerührt werden musste, weil er sonst als Block in sich fest geworden wäre. Durch das Rühren wird die Kristallstruktur der Zucker mechanisch aufgebrochen und der Honig wird dadurch cremiger. Einen auskristallisierten und fest gewordenen Honig kann man nicht mehr in Gläser abfüllen. Wir haben somit den idealen Zeitpunkt genutzt, um ihn noch in unsere Honiggläser fließen zu lassen, bevor er dann in den Gläsern auskristallisiert ist.

Dieses Phänomen der Kristallisation ist abhängig von der Zusammensetzung des Honigs. Entscheidend ist hierbei das Mischungsverhältnis von Traubenzucker und Fruchtzucker zueinander. Je mehr Traubenzucker in einem Honig enthalten ist, desto fester und kristalliner wird er später. Beim Überwiegen von Fruchtzuckern bleibt der Honig eher flüssig. Klassische Beispiele hierfür sind der stets flüssige Akazienhonig oder der feste Rapshonig.

Die Namen unserer Honige sind wie im letzten Jahr Eintracht und Niedertracht. Bei beiden handelt es sich um die Frühtracht dieses Jahres. Das heißt, dass er bis zum 18. Juni abgeschleudert worden sein muss. Noch sind nicht alle Gläser etikettiert. Diese Arbeit geschieht völlig von Hand, entsprechend lange dauert es dann, bis alle Gläser vorbereitet sind. Ab Montag, den 29. Juni 2015, haben wir genügend Gläser zum Verkauf vorbereitet.

Neben dem Honig haben wir in diesem Jahr noch eine Besonderheit anzubieten: aus dem beim Schleudern angefallenen Resthonig im Bienenwachs hat Matthias nach einem portugiesischen Rezept Água mel zubereitet. Água mel ist eine Art Sirup aus Honig und Gewürzen und wird als besondere Spezialität wie ein Brotaufstrich verwendet.

Die ersten fertigen Honiggläser des Erntejahres 2015
Die ersten fertigen Honiggläser des Erntejahres 2015

Heute Morgen um 11 Uhr war es soweit: gemeinsam mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Neuimkergruppe haben wir die Honigräume von mehreren Völkern abgenommen. Dabei stellte sich heraus, dass bei einigen Völkern zwar sehr viel Honig eingetragen, dieser aber leider noch nicht verdeckelt war. Den abschließenden Wachsdeckel bringen die Bienen an, um damit ihre Vorräte zu schützen und reifen zu lassen. Unverdeckelter Honig hat in der Regel einen zu hohen Wassergehalt und eignet sich dann nicht zum Ernten, da er später gären könnte. Die unverdeckelten Rahmen haben den Bienen belassen. Sie kommen in der zweiten Honigernte dran und sind dann "fällig".

In einem Volk haben wir verdeckelte Brut gefunden, allerdings keine Larven oder gar Eier. Das heißt, irgendwann muss die Königin dort trotz Absperrung zu Besuch gewesen sein und hat dort ihre Eier abgelegt. Diese Waben haben wir nicht abgeschleudert, sondern nehmen sie, um mit ihrer Hilfe einen neuen Ableger zu gründen.

Die Honigräume beziehungsweise einzelnen Honigwaben haben wir zu uns nach Hause transportiert und dort entdeckelt und anschließend ausgeschleudert. Beim Entdeckeln, dem Entfernen der Wachsverschlüsse der Waben, wollte ich ein für mich neues Verfahren anwenden. Imkerkollegen rieten mir, statt der klassischen Entdeckelungsgabel entweder einen Fön oder eine Lötlampe zu verwenden. Hierbei würde das Wachs kurz anschmelzen und sofort wieder auf den Rändern der jeweiligen Zellen erstarren, so dass kein Entdeckelungswachs anfällt. Mit einem Fön habe ich es versucht. Die Methode funktioniert tatsächlich. Aber bis wir damit die Seite einer einzigen Wabe bearbeitet haben, dauert es um ein Vielfaches länger als mit der mechanischen Methode.

Wir haben für jede Methode je einen Videoclip davon erstellt. Sie werden hier an dieser Stelle in den nächsten Tagen eingefügt. 

Ein weiteres Volk steht in Offenbach. Es wird dort von einem alten Imker betreut, der von Kindheit an mit Bienen arbeitet. Den Honigraum habe ich ebenfalls zum Schleudern zu uns genommen. Das Wabenmaß ist jedoch Deutsch Normal. An ihm zeigt sich für mich, wie einfach doch die Rähmchen im Zandermaß anzufassen und zu bearbeiten sind.

Unsere Schleuder fasst jeweils drei Rahmen. Das heißt, dass wir nach dem Entdeckeln von drei Rahmen sofort mit dem Schleudern beginnen müssen, um zügig mit den Arbeiten fertig zu werden. Wir machen das arbeitsteilig: einer entdeckelt, der andere schleudert. Ein Teil der Mitglieder der diesjährigen Neuimkergruppe hat uns dabei über die Schultern geschaut und tatkräftig mitgeholfen.

Honigschleuder mit Wabenentnahme
Honigschleuder mit Wabenentnahme

Als erstes haben wir den Offenbacher Honig geschleudert. Er wird später unter dem Namen Niedertracht vermarktet. Wenn der gewonnene Honig die Schleuder über den Ausflussstutzen verlässt, fließt er in ein Doppelsieb. Im ersten Sieb werden die groben Teile, im darunter liegenden Sieb die feineren Partikel zurückgehalten. Hierdurch ist gewährleistet, dass der Honig frei von mechanischen Rückständen bleibt.

Mengenmäßig war der Honig von unserer Streuobstwiese deutlich mehr. Deshalb habe ich unter die Schleuder ein Metallgefäß mit einem integrierten Überlaufrohr gestellt. Sobald die Honigmenge dessen Unterkante erreicht, fließt sie über in ein weiteres Behältnis, das darunter aufgestellt wird. Im Prinzip ist es wie mit dem römischen Brunnen in Rilkes gleichnamigen Gedicht. Dort ergießt sich das überlaufende Wasser der einen Schale in die nächste und sobald diese überläuft, in die dritte Schale. Im obigen Bild ist dieser Aufbau gut zu erkennen.

Überlaufprinzig beim Honigschleudern
Überlaufprinzip beim Honigschleudern

Zum Sieben haben wir hier kein Doppelsieb verwendet, sondern statt dessen ein bis auf den Boden reichendes kegelförmiges Feinsieb eingehängt. In Ihm sammel sich die mechanischen Rückstände und schwimmen an der Oberfläche, während der Honig weiter fließen kann. Das erspart Zwischenstopps zum Reinigen. Zugleich kann das Sieb dann auch nicht verstopfen. Dieses Spitzsieb wird erst am Ende der Arbeiten entnommen, der restliche Honig fließt ab, das Wachs wird entsorgt.

Ablaufender Honig. In der Spiegelung sind Matthias Adler und Holmer Drews zu erkennen.
Ablaufender Honig. In der Spiegelung sind Matthias Adler und Holmer Drews zu erkennen.
Blick in die Honigschleuder
Blick in die Honigschleuder

Am Ende des Nachmittags waren es dann 81 Kilogramm Honig, davon 17 kg aus Offenbach. Der Honig steht inzwischen im Keller bei etwa 15° C und "reift". Zunächst steigen in den nächsten Tagen noch kleine eingeschlossene Luftbläschen nach oben und bilden einen Schaumteppich. Mit einem normalen Kuchenteigschaber wird dieser von der Oberfläche entfernt. Sobald der Honig zu kristallisieren beginnt, wird er gerührt. Dadurch werden die gebildeten Kristalle wieder zerstört und der Honig bekommt seine feincremige Konstistenz.

Als Reaktion und Rückmeldung zum Beitrag Imkerhundeprüfung hat eine Stammleserin dieses Blogs den folgenden Link geschickt.

Es geht hierbei um eine australische Erfindung, um einfach, sicher und schonend an Honig zu gelangen. Das klingt zwar zunächst wie ein Aprilscherz, doch dieser Beitrag stammt bereits vom Februar 2015.

http://www.tierwelt.ch/?rub=4498&id=40482

 

Vor knapp zwei Jahren haben wir einen Städtetripp nach Stralsund unternommen. Beim Bummel durch diese alte Hansestadt habe ich in einem Geschäft den lokalen Honig entdeckt: Sanddorn.

 

Sanddorn im Honig
Sanddorn im Honig

 

Sanddorn im Honig
Sanddorn im Honig

 

Diesen Honig hatten wir schnell aufgegessen. Eine Rügen-Urlauberin hat mir vor zwei Wochen die oben abgebildeten Gläser mit "Sanddorn-Honig" mitgebracht.

Bei genauer Betrachtung des Etiketts fiel mir ein bestimmtes Wort auf: "Honigzubereitung" oder "Brotaufstrich". Der Hintergrund: es gibt keinen Honig von den Sanddornblüten. Statt dessen wird Sanddornsaft einem Honig zugemischt. Damit erfüllt der Honig nicht mehr die rechtlichen Kriterien für die Bezeichnung Honig. Dieses neue Produkt darf dementsprechend auch nicht als Honig in den Verkauf gelangen, sondern nur mit den oben erwähnten Umschreibungen.

Auf den Etiketten der abgebildeten Gläser steht Sanddorn im Honig, ein cleverer Blickfang, der Sanddornhonig suggeriert, weil das Wort "im" etwas kleiner geschrieben steht.

Durch den Sanddorngeschmack ändert sich die Geschmacksrichtung des "Honigs" deutlich und bekommt eine deutlich andere Note, leicht bitter, die sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft und ist.

Kleine Randbemerkung: Sanddorn ist schwer zu ernten, sehr Vitamin C-haltig und hat eine goldgelbe Farbe. Er wächst wie der Name schon besagt, auf sandigen Böden. Hauptvorkommen in Deutschland sind die Inseln Rügen und Hiddensee in der Ostsee. Die Ernte ist sehr aufwendig, weil die Beeren sich nur schwer vom Strauch lösen lassen und dabei schnell platzen. Sie werden deshalb komplett abgeschnitten und tiefgefroren, danach gerüttelt oder abgeschlagen. Mit besonderen Handschuhen können die Beeren auch direkt am Strauch ausgepresst oder gemolken werden. Der dabei austretende Saft wird aufgefangen und weiter verarbeitet.

Musikalisch ist Sanddorn zu Zeiten der DDR durch Nina Hagen in einem Politsong berühmt geworden: "Hoch stand der Sanddorn.." Den Videoclip auf Youtube habe ich angehängt.

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