Steffi ist die Nummer 1

Gestern, mitten in der Arbeit erreichte mich kurz nach 15 Uhr eine E-Mail, ob ich es übernehmen könnte, einen Bienenschwarm zu bergen…

Die erwartete Schwarmzeit ist nun also voll da. Zum Glück war eine Telephonnummer und Adressangabe in der Mail vorhanden. Beim Anruf gab es erste Hinweise, der Schwarm hinge –  ungewöhnlich – in einem Olivenbaum in 2 Metern Höhe in einem Frankfurter Industriegebiet. Wir vereinbarten, dass wir gleich nach Feierabend mit unserer Ausrüstung vorbeikommen, um den Schwarm einzufangen.

Gegen 19:30 Uhr erreichten wir das Areal im Stadtteil Riederwald. Inmitten von vielen Fabrikgebäuden lag die Kochschule Ketao in der Gwinnerstraße. Die Anruferin bzw. Melderin war extra dort geblieben und ließ uns auf das Grundstück. In der Tat: da hing er, der Schwarm. Schwarm? Nein, eher ein „Schwärmelchen“. Eine kleine Traube voller Bienen saß im Geäst eines aufgestellten Olivenbaumes.

Der Schwarm im Olivenbaum

Typische Schwärme sind wesentlich größer. Die hier sitzenden Bienen sehen eher wie ein Nachschwarm aus. Wenn ein Teil der im Muttervolk lebenden Bienen abgeschwärmt ist, bilden sich oft noch einmal ein oder zwei kleinere Nachschwärme, die dann ebenfalls ausziehen. Oftmals haben sie noch keine Königin.

Trotzdem haben wir den Schwarm geborgen. Erster Bergungsschritt:

Erster Schritt zum Bergen eines Schwarmes: Wasser

Mit einer feinstrahligen Sprühpistole wird eine Art Wassermantel um die äußeren Hüllbienen gelegt. Das verhindert ein unkontrolliertes Auffliegen.

Im zweiten Schritt gilt es die dort hängenden Bienen in eine Transportkiste zu bekommen. Wenn die Bienentraube an einem Ast frei hängt, ist das ein sehr einfaches und leichtes Spiel. Mit einem kräftigen Schlag auf den Ast löst sich die Traube und fällt in ein darunter gehaltenes Auffanggefäß hinein. Etwa 90% der Bienen kommen so im Idealfall mit. Natürlich fliegen einige trotzdem auf. Sie sammeln sich anschließend an gleicher Stelle wieder oder landen oftmals auf dem Boden.

Normalerweise tragen unsere  Bienenvölker keine Namen. Bei den gefangenen Schwärmen haben wir das jedoch irgendwann einmal geändert und ihnen möglichst passende Namen gegeben. Zum Teil haben wir sie auch nach den Entdeckern bzw. Meldern benannt. In diesem Fall kam die Info von Stephanie, zuerst gesehen wurde der Schwarm jedoch von Ben. Gemeinsam haben wir uns auf den Namen Steffie für dieses Volk geeinigt. Steffi bekommt die Schwarmnummer 1/2017.

Die Bienen in der Transportkiste werden im dritten Schritt in eine leere Bienenbeute geschüttet. Dort bleiben sie wie ein loser Haufen. Anfangs bleibt das Einflugloch noch geöffnet, damit die anderen Bienen des Schwarmes dort ebenfalls einziehen können. Sie werden dafür durch das Pheromon der Königin angelockt.

Der Schwarm in der Beute mit dem offenen Einflugloch

Mit dem Beginn der Dunkelheit wird das Einflugloch fest verschlossen. Die Beute wird mit Transportbändern fest verschlossen, damit keine Bienen ins Auto entweichen können und während der Fahrt dort frei fliegen. Die so gesicherte Beute wird zum neuen Standort gefahren und bleibt dort verschlossen über Nacht stehen. In dieser „Dunkelhaft“ beruhigt sich das Volk.

Nach einem oder zwei Tagen wird der eine Zarge mit Mittelwänden aufgesetzt. Zur Sicherheit gibt man auch noch eine Futterwabe hinzu. Innerhalb kürzester Zeit beginnen die Bienen nun die Mittelwände zu vollständigen Waben auszubauen. Danach kann die Königin ihre Eier in die neuen Wabenzellen legen und das Volk sich wieder vermehren.

 

Wiisenschaftliche Bienen oder Bienen für die Wissenschaft

Beim Spazierengehen heute am frühen Nachmittag war ich auf dem Gelände des Uni Campus Riedberg unterwegs gewesen. Hier stehen die Institute der naturwissenschaftlichen Fächer der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Die ersten Bauten mit den chemischen Instituten erfolgten bereits in den 70er Jahren. Entsprechend hässlich sehen sie auch im allseits bekannten funktionalen Einheitsstil aus. Die Neubauten hingegen sind teilweise richtig schöne Architektur. Noch im Aufbau befindet sich der sogenannte Wissenschaftsgarten. Er ergänzt oder ersetzt den früheren Botanischen Garten im Frankfurter Westend neben dem Palmengarten.

Im Fachbereich  Biologie werden seit Jahrzehnten bereits Bienen gehalten. Bei meinem heutigen Spaziergang habe ich erstmals einen Teil der universitäten Bienenstöcke durch den Zaun des Wissenschaftsgarten gefunden.

Im Dienste der Wissenschaft: Bienen(beuten) für die Universität
Im Dienste der Wissenschaft: Bienen(beuten) für die Universität
Universitätsbienen in Frankfurt im Wissenschaftsgarten
Universitätsbienen in Frankfurt im Wissenschaftsgarten

Interessant zu sehen, dass die Beuten hier in Viererblöcken aufgestellt worden sind. In der Erwerbs- und Hobbyimkerei gilt es, Bienenstöcke stets nur paarweise aufzustellen, damit man von beiden Seiten an jedem Volk bequem arbeiten kann ohne sich den Rücken zu verbiegen.

Typisch britisch: das Gasthaus zum Bienenkorb

Vor drei Tagen erzählte mir eine Freundin, Anna M Thane, nachdem sie wieder einmal während eines Besuches bei uns mitgeimkert hatte, dass es in Großbritannien einen alten Gasthof gebe, der als Wirtshausschild bereits seit 1791 eine echte Bienenbeute habe.

Zu gerne hätte ich den entsprechenden Blogbeitrag hier veröffentlicht. Urheberrechtliche Bedenken lassen dieses jedoch nicht zu. Deshalb setze ich nachfolgend einfach einen Link zur entsprechenden Seite in Großbritannien.

Bereits im Titelbild weist die Spitze eines weißen Dreiecks am unteren Bildrand in ihrer Verlängerung auf die Bienenbeute in einem Baum hin.

hier der zugehörige Link: The Beehive

Anna blogt übrigens ebenfalls über eine spannende Zeit in England, das Regency. Hier der Link zu Anna M Thane: AnnaMThane