Umweiseln – Endspurt

Insgesamt habe ich den Marburger Feglingskasten jetzt sechsmal eingesetzt, um eine Königin zu suchen und zu fangen. Heute war das vorläufig letzte Mal gewesen.

Ein Volk, relativ groß und ertragsreich, aber mit Kalkbrut belastet, war das vorläufig letzte zum Umweiseln. Bei Kontrollen vorher haben wir auf der Windel regelmäßig Kalkbrut liegen gesehen. Und plötzlich war das Volk sogar ohne Brut. Umweiseln ist gar nicht so leicht wie es sich zunächst anhören mag. Bei diesem besagten Volk –  ohne Brut – habe ich selbstverständlich vorher eine Durchsicht unternommen und war sehr erstaunt über das Ergebnis. Wie kann ein Volk ohne Brut plötzlich wieder Brut haben? Lauter Maden waren zu sehen. Also heißt es im Umkehrschluss: wenn Nachwuchs vorhanden ist, muss eine Königin ebenfalls im Bienenstock vorhanden sein. Es sei denn, das Volk wäre buckelbrütig und würde nur Drohnen aufziehen. Drohnen entstehen aus unbefruchteten Eiern. Diese unbefruchteten Eier können im Notfall auch von Arbeiterinnen gelegt werden.

Keine Buckelbrut, aber Rundmaden. Dementsprechend kann nur eine Königin im Volk sein, die diese Eier gelegt haben muss. Also muss der Feglingskasten ran und die Bienen durch ihn hindurch. Das ist im Prinzip so etwas wie Sieben. Die zu großen Teilchen passen nicht durch das Gitter oder die Maschen hindurch und werden abgetrennt, abgesiebt.

Bei der heutigen Durchsicht fand ich diese Wabe sehr auffällig:

Ein weißer Fleck, der da hervorlugt

Der weiße Fleck, der da so keck aus der Wabe herausschaut, ist Kalkbrut. Einer der Gründe, um eine Königin zu wechseln, ist der Befall mit der Pilzerkankung Kalkbrut. Wenn alles gut geht, sanieren wir mit der neuen Königin dieses Volk.

Nach dem Sieben und dem anschließenden Rückbau des Volkes, wurde der Nicotsche Zusetzkäfig mit einer Königin samt begleitendem Hofstaat zwischen zwei Rahmen in die Gasse gehängt.

Das Bild oben zeigt die Unterseite des Zusetzkäfigs mit dem kleinen Verschlussplättchen. Damit die Königin herauslaufen kann, muss es vor dem Einhängen ausgebrochen werden.

 

 

Schwärme in Schwulitäten? – Neues von unseren Schwärmen

In diesem Jahr haben wir fünf Schwärme bereits wieder gefangen, drei weitere sind uns seit Anfang Juni 2016 zum Fangen avisiert worden. Nach dem heutigen Imkern auf der Streuobstwiese, gebe ich hier einen kurzen Überblick über den Zustand unserer gefangenen Schwärme.

  1. Schwarm Nummer 1 ist nicht mehr bei uns. Wir haben ihn an zwei Praktikanten aus dem letzten Jahr abgegeben.
  2. Gleiches gilt für den Schwarm Nummer 2, auch er in inzwischen bei zwei früheren Praktikumsteilnehmern gelandet und wird dort weiter betreut.
  3. Der Schwarm mit dem Namen Gaia existiert nicht mehr. Wenige Tage nach dem Einschlagen in seine Beute wurde die Zahl der Bienen immer weniger, zuletzt waren in dem Bienenstock nur noch einige wenige tote Bienen. Dieser Schwarm hat seinen Ausflug nicht überlebt. Auffällig war für mich von Beginn an die Bewegungsarmut der Bienen. Die Masse bewegte sich nur träge, einzelne flogen aus, einige bauten auch ein paar rudimentäre Waben, aber sonst waren diese Bienen eher „lahm“.
  4. Schwarm „Santa Martina“: er wurde auf dem benachbarten Reiterhof gefangen. Nach dem Einschlagen in seine Beute hatte ich ihn ein paar Kilometer entfernt im Niddapark aufgestellt. Heute war ich dort zur Nachschau und zur Milchsäurebehandlung. Hatte ich Beiträge zuvor noch von der regen Bautätigkeit der Schwarmbienen geschwärmt, wurde ich hier eines anderen belehrt. Das gesamte Volk sitzt auf vier Rahmen, die allesamt am linken Rand in der Beute hängen und nur zum Teil ausgebaut sind. Hauptsächlich die beiden mittleren Rahmen weisen einen nahezu vollständigen Wabenbau auf. In den einzelnen Waben beziehungsweise Zellen waren vereinzelte Bieneneier (Stifte) zu erkennen. Unverdeckelte oder verdeckelte Brut war nicht vorhanden. Ein Spielnäpfchen (=Weiselzelle) hing in der Mitte eines Rahmens. Die Königin selber habe ich nicht entdecken können. Gedanken und Überlegungen hierzu: Hat das Volk überhaupt (noch) eine Königin? Das Vorhandensein der Stifte spricht dafür, sie müssen innerhalb der letzten 24 Stunden gelegt worden sein. Das Spielnäpfchen könnte darauf hinweisen, dass dieses Volk sich eine Königin nachzuschaffen versucht, weil es keine mehr hat? Sind die Eier befruchtet oder unbefruchtet? Könnten es Drohneneier sein und das Volk wird dann buckelbrütig? – Hier hilft nur eines: erst einmal abwarten und beobachten was sich im Volk weiterhin tut.
  5. Im Schwarm „San Stefano“ zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch hier sind nur die randständigen ersten vier Rahmen besiedelt. Allerdings ist eine blau gezeichnete Königin vorhanden. Im Unterschied zu Santa Martina sind jedoch verdeckelte Brut, Rundmaden und Stifte zu sehen. Auch wenn die Königin nicht allzu eierlegefreudig zu sein scheint, sie kommt ihrer angestammten Aufgabe nach und ist in Eiablage. Abwarten gilt auch hier.

 

Unsere Schwarmvölker im Niddapark, links San Stefano, rechts Santa Martina. Auf den Dächern das Werkzeug und das Zubehör zum Imkern und für die Milchsäurebehandlung
Unsere Schwarmvölker im Niddapark, links San Stefano, rechts Santa Martina. Auf den Dächern das Werkzeug und das Zubehör zum Imkern und für die Milchsäurebehandlung
Milchsäure 15% ad us vet. und das Imkerwerkzeug: Kehrbesen, Stockmeißel und Smoker. Davor Schutzhandschuhe für die Säurebehandlung
Milchsäure 15% ad us vet. und das Imkerwerkzeug: Kehrbesen, Stockmeißel und Smoker. Davor Schutzhandschuhe für die Säurebehandlung

Bienenkönigin

Sie hat etwas geheimnisvolles, die Bienenkönigin. Das Gelée Royale gilt als Mythos ewiger Jugend und Schönheit.

Wer oder was ist die Bienenkönigin?

Wenn wir imkern und in unsere Völker schauen, versuchen wir stets die Königin zu finden. Sie ist die wertvollste Biene. Dabei ist sie ja gar keine Königin in unserem politischen Sinne, sie regiert nicht, schließt keine Verträge, macht keine Staatsbesuche. Im Grunde ist sie nichts weiter als eine Eierlegemaschine. Das hört sich hart an, ist aber Tatsache. Die Königin ist die einzige Biene im Volk, die befruchtete Eier legen kann und so für den Nachwuchs und Erhalt „ihres“ Volkes sorgt.

Wie alle anderen Bienen auch, schlüpft sie eines Tages aus ihrer verdeckelten Wabenzelle. Vom Körperbau her ist sie größer als alle anderen Bienen und besitzt einen langen schlanken Hinterleib. In ihm liegt ihr Geheimnis verborgen. Sie kann nur Eier legen. Zum Nektarsammeln ist sie nicht geeignet, die dafür nötigen Körperteile sind bei ihr verkümmert. Anders als die Arbeiterinnen kann sie sich auch nicht selber versorgen, sprich ernähren. Sie wird lebenslang von Bienen, die ihren Hofstaat bilden, gefüttert und zwar wieder mit dem Königinnenfuttersaft, genannt Gelée Royale.

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Nach ihrem Schlupf bleibt sie noch einige Tage in ihrer Behausung, bevor sie zum Hochzeitsflug startet. Noch ist sie unbegattet und damit nicht fähig, das Volk zu vermehren. Während ihres Hochzeitsflug wird sie im Flug in etwa 10 bis 15 Metern Höhe von mehreren Drohnen begattet. Hierbei nimmt sie das Sperma der Drohnen auf und bewahrt es bis zu ihrem Tod in einer Spermathek ihres Hinterleibes. Die Drohnen sterben unmittelbar nach der Begattung ihren Liebestod. Ihr Geschlechtsorgan verlieren sie nach erfolgreicher Befruchtung, es bleibt oft in der Königin am Hinterleib stecken. Auf diese Weise wird sie von mehreren Drohnen befruchtet. Dazu unternimmt sie zum Teil auch mehrere Hochzeitsflüge.

Wenige Tage nach der erfolgreichen Rückkehr beginnt sie mit der Eiablage. Forthin wird sie ihren Stock nie wieder verlassen, es sei denn, das Volk schwärmt mit ihr aus. In der Zeit der stärksten Bruttätigkeit kann sie bis zu 2000 Eier am Tag legen. Mit ihren Fühlern am Kopf  geht sie hierzu als erstes in die entsprechende Wabe und misst sie aus. Wenn sie erkennt, dass es sich hier um eine „Standardwabengröße“ handelt, weiß sie, dass die zu legenden Eier befruchtet in die Zelle zu stellen sind. Bei der Nicht-Standardgröße werden unbefruchtete Eier gelegt. Aus ihnen werden später Drohnen werden, während aus den befruchteten Eiern stets die Arbeiterinnen kommen.

Zur eigentlichen Eiablage steckt sie ihren langen schlanken Hinterleib tief in die Zelle hinein und stellt dabei ein Ei mit einer seiner Spitzen senkrecht auf dem Boden ab. Diese frischen Eier ragen wie kleine Stifte oder Nägel vom Untergrund nach oben. Deshalb nennen die Imker diesen Vorgang „bestiften“ und die Eier Stifte. Nach einem Tag beginnt der Stift, das Ei, sich langsam auf die Seite zu legen, am dritten Tag liegt es völlig auf dem Boden. Dieses gilt sowohl für die Arbeiterinnen als auch für die Drohnen. Die am vierten Tag geschlüpften Larven beziehungsweise Maden werden von den Pflegebienen für einen Tag mit dem Gelée Royale gefüttert. Ab dem fünften Tag bekommen die zukünftigen Arbeiterinnen und Drohnen dann nur noch Pollen als Eiweiß und Nektar als Kohlenhydrate zu fressen.

Alle Bienen ihres Volkes sind Halbgeschwister. Alle haben sie zwar die gleiche Mutter, dabei aber in der Regel unterschiedliche Väter. Diese Durchmischung der Gene, des Genpools, sorgt dafür, dass es hierbei eine Vielfalt gibt und keine Inzucht möglich ist. Damit dient dieses Verhalten der Arterhaltung und der genetischen Vielfalt. Im Imkerjargon spricht man wegen der Funktion des Eierlegens von der Königin auch von der „Mutti“.

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Aber die Königin kann mehr als nur Eierlegen. Sie sondert kontinuierlich einen Duftstoff ab, den die Bienen wahrnehmen. Dieses Pheromon (=Duftstoff) bewirkt folgendes: allen Bienen signalisiert es, dass ihre Königin im Volk ist und lebt. Dadurch vermittelt die Bienenkönigin allen Bienen ihres Volkes ein Wir-Gefühl beziehungsweise Zusammengehörigkeitsgefühl. Sobald es im Bienenstock länger als etwa zwei Stunden nicht mehr nach der Königin riecht, werden die Bienen unruhig. Sie versuchen dann aus den frisch geschlüpften Eiern eine Larve zu einer neuen Königin zu ziehen, damit das Volk mangels Nachwuchs nicht zugrunde geht. Gleichzeitig bewirkt der Königinnenduftstoff eine Unterdrückung des Sexualtriebes der Arbeiterinnen. Fehlt die Königin und sind keine Eier oder frische Larven mehr im Bienenvolk vorhanden, können die Arbeiterinnen plötzlich Eier legen. Weil diese Eier jedoch nicht befruchtet sind, entstehen aus ihnen nur Drohnen.

Drohnen sind größer als Arbeiterinnen, ihre Zellen ebenfalls. Für das letzte Reifestadium jeder Biene, dem Puppenstadium, wird die Zelle mit einem Deckel verschlossen. Dieser Deckel ist bei den Drohnen größer als bei den Arbeiterinnen und sieht kuppelartig aus. Wenn in einem königinnenlosen Volk die Arbeiterinnen Drohnenbrut aufziehen, spricht der Imker wegen dieser kuppelartigen Oberfläche des Brutnestes auch von Buckelbrut und nennt das Volk buckel- beziehungsweise drohnenbrütig.

Heute, am 22. Mai 2016, habe ich in einem Volk die Königin entdeckt und photographiert. Die ist auf dem Rücken mit einem blauen Plättchen markiert, Diese Markierung bedeutet, dass die Königin aus dem Jahr 2015 stammt. Für jedes Jahr gibt es eine eigene Königinnenfarbe. Der Rhythmus wiederholt sich alle fünf Jahre. Im Prinzip geht es dabei von hell nach dunkel. Blau ist die dunkelste der Markierungen, weiß die hellste. im Jahr 2016 beginnt ein neuer Zyklus, also ist die Farbe weiß.

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Alle drei Bilder dieses Beitrages zeigen die gleiche Königin. Sie ist übrigens mit einem kleinen Volk in eine leerstehende und unverschlossene Beute eingezogen. Bei der Völkerdurchsicht konnte ich auf den Waben keine Bruttätigkeit finden. Das ist besorgniserregend. Parallel dazu haben wir einen Ableger aus dem letzten Jahr, dem die Königin abhanden gekommen zu sein scheint. Da liegt es nahe, diese beiden Völker zu vereinigen. Darüber berichte ich zu einem späteren Zeitpunkt.

Die Markierungen der Königin sind kein Selbstzweck. Sie helfen dem Imker in dem Gewusel und Gewirr die Königin schneller zu entdecken und zu schützen. Oft ist sie unter anderen Bienen verborgen und damit kaum zu entdecken. Der andere Grund für die Markierung (Zeichnung) ist, dass man so auf den ersten Blick das Alter der Königin erkennen kann. Königinnen können vier bis fünf Jahre im Volk leben. Allerdings lässt im Laufe der Jahre ihre Legeleistung deutlich nach. Wenn man von den Völkern regelmäßig Honig ernten will und diese Völker folglich als Wirtschaftsvölker ansieht, sollte man die Königin alle drei Jahre austauschen und durch eine neue ersetzen. In der freien Natur machen die Bienen das übrigens auch. Sobald sie mit ihrer Königin unzufrieden sind, töten sie sie. Auch dieses Beispiel zeigt, dass wir Menschen eine andere Wertevorstellung von Königtum haben als die Bienen.