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Im Prinzip stellt die Honigernte so etwas dar wie ein Wetterbericht. Allerdings fast nur rückwirkend.

Wie heißt es in jedem Wetterbericht doch: Die Aussichten ...

Für uns sind die Aussichten geprägt durch das Wort "zu". Während der ersten Trachtperiode im April und Mai, die Zeit der Obst- und Rapsblüte, ist es "zu" gewesen. Zu kalt, zu feucht. Über vier Wochen hat sich diese Periode erstreckt. Draußen in der Natur hat es zwar geblüht, doch sind die Bedingungen für Bienen einfach zu ungünstig gewesen, um auszufliegen. Das Resultat: auch ein "zu". Zu wenige Bestäubung, zu wenig Tracht, zu wenig Nektareintrag, zu wenig Honig.

Diese ungünstigen Wochen haben die gesamte Honigernte massiv beeinflusst. Doch nicht nur die Honigernte, auch das gesamte Bienenleben im Volk hat hierunter deutlich gelitten. Als Bienensachverständiger habe ich diverse Bienenstände untersucht. Überall das gleiche Bild: kaum vorhandene Futterkränze im Brutnest. Zum Teil haben Bienen ihre zuvor eingelagerten Vorräte wieder aufgenommen, um nicht zu verhungern. Man nennt dies einen Futterabriss.

Seit einigen Wochen kommt die Tracht langsam in Gang. Ich habe einige Völker mit sehr schweren Honigräumen. Aber: es ist kein Honig in ihnen, sondern Nektar. In einigen Völkern ist nicht eine einzige Zelle im Honigraum verdeckelt. Bei anderen ist es maximal die Hälfte der Waben, die bereits einen Deckel tragen.

Für die Nicht-Imker: Bienen lagern den gesammelten Nektar in den Waben des Honigraumes ein. Nektar ist zwar süß, besteht aber zum überwiegenden Teil aus Wasser. Durch die Wärme im Bienenstock wird das Wasser dem Nektar entzogen, so dass die Konzentration an Süßem steigt und Honig daraus entsteht. Ist der Wassergehalt niedrig genug, werden die Waben mit einem Deckel verschlossen. Das wäre dann der Wintervorrat für die Bienen in ihrer eigenen Vorratskammer.

Normalerweise ist im Juni bereits so viel an Waben verdeckelt, dass Imker bereits ihre erste Ernte, die Frühtracht, eingeholt haben. Auch hier macht sich der Zeitverzug massiv bemerkbar. Derzeit ist an eine Honigernte nicht zu denken.

Normalerweise können wir bei uns zweimal im Jahr Honig ernten: eine Frühtracht und eine Spät- oder Sommertracht. Vermutlich wird das in diesem Jahr so gar nicht möglich werden und wir werden beide Ernten zusammenlegen müssen.

Das hat zur Folge, dass damit auch die Mengen an Honig deutlich geringer sein werden. Imker aus meinem Umkreis bestätigen mir immer wieder, dass die Situation bei ihnen ähnlich ist. Gibt es Rettung? Im Grunde nein. Was soll denn jetzt noch zusätzlich blühen? Blütezeiten für die meisten Pflanzen sind bereits vorbei. Logischerweise kann dann jetzt nicht mehr vieles eingetragen werden.... In der Konsequenz bedeutet das dann, dass auch die im Sommer fälligen Varroabehandlungen sich etwas nach hinten verschieben können. Damit verbunden sind auch die Zeiten des Auffütterns. Auch dies dürfte damit später als sonst erfolgen.

Ich möchte nicht jammern und klagen. Solche natürlichen Veränderungen gehören für mich zu einem biologischen System dazu. Schließlich haben wir bei und mit unseren Bienen keine automatisierte Fertigungsstraße, an deren ende ein zeitlich klar benanntes Produkt steht. Nein, wir Imker haben das Glück, das Privileg sogar, mit der Natur und ihren Zeitläuften zu leben und leben zu dürfen. Das macht es ja so spannend!

Im Grunde habe ich heute, 12. April 2020, Ostern, nichts Besonderes erwartet beim Imkern. Geplant sollen die Völker daraufhin durchgesehen werden, ob sie inzwischen alle den Honigraum bekommen können.

Doch es ist ein wenig anders gekommen...

Bislang führen wir alle Bienenvölker auf einer Zarge. Dadurch wollen wir die Bienen dazu bringen, früh in die Honigräume aufzusteigen und dort ihre Vorräte anzulegen, damit unten, im Brutraum, genügend Platz bleibt.

In den Bruträumen wird es derzeit schon so richtig voll. Überall sind große Brutnester. Das heißt, dass dann in spätestens 12 Tagen diese Brut schlüpfen wird. Dadurch werden die Zellen zwar wieder frei, aber es wird noch enger im Volk dann. Gleichzeitig fördert das die Schwarmbereitschaft und Schwarmstimmung. Also müssen wir, um ein Schwärmen zu verhindern, jetzt schon etwas dagegen unternehmen.

Was lässt sich tun? Die Bienen brauchen dringend Platz. Die Honigräume schaffen zwar welchen, aber der dürfte unzureichend sein. Folglich nehmen wir Brutwaben heraus, "schröpfen" das Volk, und setzen neue Mittelwände ein. Das ist im Prinzip die Grundlage für das Bilden von Ablegern.

Die Ablegerbildung geht ganz einfach: ich entnehme eine Wabe mit "Stiften", so nennen wir Imker die Eier. Diese und eine weitere Wabe mit darauf sitzenden Bienen sowie eine Wabe mit viel Futtervorräten kommen entweder in einen kleinen Ablegerkasten oder in eine normale Zarge. Beide Verfahren gehen gut. Der Ablegerkasten hat zunächst den Vorteil, dass er, weil er nur fünf Waben aufnehmen kann, für die Bienen angenehmer ist. Eine normale Zarge kann bis zu 10 Rahmen (=Waben) aufnehmen. Der Ableger bleibt hier drinnen und wächst allmählich an. Die Rahmen aus dem Ablegerkasten müssen irgendwann in eine Zarge umgehängt werden.

Insgesamt haben wir heute vier Ableger gebildet. Jeder Ableger stammt aus je einem einzigen Volk. Wenn man Ableger aus mehreren Völkern bildet, heißen sie Sammelbrutableger. Das Prinzip ist dabei das gleiche.

Bei der Völkerdurchsicht haben wir jetzt auch schon die ersten Spielnäpfchen gefunden. Das heißt für un erhöhte Aufmerksamkeit den Völkern zu widmen. Sie könnten in Schwarmstimmung geraten.

Von unserer heutigen Durchsicht habe ich ein Video erzeugt, das ich leider in mehrere Teile aufteilen musste.

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Jeder Nicht-Imker kennt sie die gelben Kerzen aus reinem Bienenwachs, die meistens zur Advents- und Weihnachtszeit entzündet werden. So gelb sieht Bienenwachs aus.

Aber nicht in der Natur. Wenn die Bienen das Wachs aus ihren vier paarig angelegten Drüsen am Hinterleib herausschwitzen, ist es zunächst farblos. Kleine helle Schüppchen von nicht einmal einem Viertelquadratmillimeter. Gelegentlich  findet man sie beim Imkern auf auf dem Einlegeboden unter der Bienenbeute. Diese Wachsplättchen sind buchstäblich durch das Gitter gefallen. Sie sind farblos wie Wasser.

Die Bienen, die das meiste Wachs produzieren, sind in der Regel gerade einmal 12 bis 18 Tage alt. In diesem Lebensalter sind ihre Wachsdrüsen am aktivsten. Danach verkümmern sie zwar, aber nicht ganz. Bei Bedarf können sie wieder reaktiviert werden.

Die Wachsplättchen werden erwärmt, geknetet und zu den typischen sechseckigen Waben verbaut. Dabei werden sie mit Propolis vermischt und erhalten so ihre gelbe Farbe. Anfangs sind diese Waben noch rund und röhrenförmig. Erst beim Erkalten ziehen sie sich aus physikalischen Gründen in die klassische Sechseckform.

Beim Wachsbau geben die Imker gerne ein wenig Starthilfe. Hierfür löten sie eine wächserne Mittelwand mit dem entsprechenden Sechseckmuster in einen Rahmen ein. Diese  Strukturvorgabe erleichtert den Bienen das Bauen. Ansonsten entstünde ein tropfenförmiger Wildbau.

Erst im Laufe der Be- und Verarbeitung durch die Bienen bekommt es seine gelbe Farbe. In den so geschaffenen Zellen werden Pollen, Nektar und Honig eingelagert. Auch die Brut und Brutpflege findet in den Zellen statt.

Nach der Eiablage durch die Königin entwickelt sich in der bestifteten Zelle zunächst eine Larve, auch Made genannt. Später wird daraus eine Puppe und aus ihr zuletzt die fertige Biene. Während dieser Entwicklung finden, bedingt durch das Wachstum, sehr viele Häutungen statt. Die abgestreiften Häute verbleiben in der Zelle. Putzbienen entfernen zwar nach dem Schlupf einen Teil der Häute, aber nicht alle. Dadurch wird die Zellwand im Laufe der Zeit immer dicker. Es ist vergleichbar so, als ob wir Menschen in unseren vier Wänden immer wieder eine neue Tapete über die vorhandene kleben.

Rahmen vor dem Einschmelzen. Oben ist verdeckelter Honig als Futterkranz, das dunkle sind bereits verfärbte Brutzellen

Die Häutesammlung lässt das ursprünglich gelbe Wachs immer dunkler werden. Am Ende ist es tiefschwarz. Der innere Zelldurchmesser wird hierbei stetig kleiner, so dass die sich entwickelnden Bienen immer wenig Raum darin zur Verfügung haben. Spätestens jetzt sollte der Imker es austauschen.

Das Wachs dieser schwarzen Rahmen kann man mit einem Sonnenwachs- oder Dampfwachsschmelzer einschmelzen. Bei Temperaturen von über 62 Grad schmilzt das Wachs und fließt ab. Übrig bleiben die Häutchen, die die Zellen ausgekleidet haben. So sieht das dann aus:

Rahmen nach dem Ausschmelzen des Bienenwachses

Nach dem Schmelzen sind diese Häutchen übrig geblieben

Nach dem Schmelzvorgang werden die verblieben Häutungsreste mechanisch entfernt. Sie wandern bei uns in die Bio-Mülltonne.

Das Wachs wird aufgefangen, gereinigt und zu neuen Mittelwänden gegossen. Damit haben wir unseren eigenen geschlossenen Wachskreislauf.

Diese Arbeiten sind klassische Winterarbeiten. Zugegebenermaßen hatte ich dazu im Winter keine Lust. Dafür erledige ich sie jetzt im beginnenden Frühjahr quasi auf den letzten Drücker. Die Rahmen und Beuten müssen für die kommenden Monate vorbereitet sein, damit wir für die Honigproduktion und Völkervermehrung genügend Material und Platz haben.

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