Rapsodie

Heute Morgen, während ich um 6 Uhr am Joggen war, lief ich an den bei uns gelegenen Rapsfeldern entlang. In der fortgeschrittenen Dämmerung war bereits deutlich zu erkennen, wie sehr die Pflanzen wachsen und die Blütenknospenbildung eingesetzt hat, aber die charakteristischen gelben Blüten waren noch nicht vorhanden.

Auf dem Heimweg am Abend fuhr ich über die Autobahn A661 in Richtung Norden und glaubte meinen Augen nicht zu trauen: östlich der Autobahn, in Richtung des Frankfurter Stadtteils Bonames leuchtete es bereits gelb. Der dort wachsende Raps hat bereits voll zu blühen begonnen.

Kaum daheim, musste ich deshalb mit meiner Photoausrüstung sofort losgehen und vom oben erwähnten Rapsfeld eine Bestandsaufnahme machen. Nach dem Erschrecken an der Autobahn, war ich etwas beruhigter. Aber auch hier hat sich der Raps im Laufe des Tages zunehmend verändert. Die ersten Blüten sind, wenn auch noch sehr vereinzelt, hier bereits aufgegangen.

Noch sehr vereinzelte Blüten
Nur wenige Blüten sind bereits aufgegangen, die anderen stehen kurz davor
Einzelne Dolden stehen bereits in voller Blüte

Durch die Wärme der letzten Tage und Wochen bedingt, sind wir mit dem Erscheinen der Blüten viel zu früh dran. Leider ist der Boden viel zu trocken. Es fehlt der notwendige Regen, damit die Blüten ihren Nektar ausreichend bilden können. Ohne Regen und somit ohne Nektar sammeln die Bienen nichts ein und produzieren somit keinen Honig. Faustregel: der Raps benötigt einen feuchten Boden, damit er Nektar produzieren kann.

Für uns hat der frühe Blütebeginn die Konsequenz, dass wir ziemlich zügig nun doch schon die ersten Honigräume aufsetzen müssen.

Vermehrung in den Völkern – sie sind dabei zu explodieren

Das Explodieren ist natürlich nicht wörtlich gemeint. Jetzt um diese Zeit vermehrt sich die Anzahl der Bienen allerdings gewaltig. Drei Wochen dauert es, bis aus einem gelegten Ei eine fertige Biene schlüpft.

Eine Imkerregel lautet: Drei Wochen nach der Salweidenblüte explodieren die Völker. Da ist etwas dran. Die Salweide ist einer der ersten Pollen- und damit Eiweißlieferanten für die Nahrung der Bienen. Aus den von der Königin gelegten Eiern schlüpfen nach drei Tagen die Larven, die bis zum Stadium der Verdeckelung von den Bienen gefüttert werden. Mit dem Beginn der Salweidenblüte steigt das Nahrungsangebot in der Natur beträchtlich, so dass sich die Aufzuchtbedingungen im Bienenstock sehr günstig entwickeln. In dieser Zeit beginnt die Königin  verstärkt Eier zu legen. Drei Wochen später beginnt es deshalb im Bienenvolk enger zu werden, weil die Bevölkerungszahl stetig steigt. Parallel dazu steigt auch das Nahrungsangebot in der Natur weiter.

Bei der Völkerkontrolle heute morgen habe ich unter einem Rahmen Wildbau in Form eines Umhangs beziehungsweise Capes gefunden und entfernt. Beim Betrachten dieses Wabenwerkes entdeckte ich auf dem Boden der Zellen kleine weiße Striche: Bieneneier.

Mai 2016-0242

Beim Betrachten der einzelnen Zellenböden sind die Eier als kleine weiße Striche zu erkennen. Die Königin legt ihre Eier senkrecht zum Boden in die Zelle hinein. Anfangs ragen sie wie ein Dorn oder ein Stift senkrecht nach oben. Imker sprechen deshalb auch vom Bestiften der Zellen und nennen diese Eier Stifte. Im Laufe der nächsten zwei Tage legen die Eier sich um bis sie schließlich parallel zum Boden zu liegen kommen. Aus ihnen schlüpfen dann die Larven, die zunächst von den Bienen gefüttert werden. Wie alle Bienen erhalten sie am ersten Tag Gelèe Royale, aber dem zweiten Tag bis zu ihrer Verdeckelung ein Gemisch aus Pollen (=Eiweiß) und Nektar (=Kohlenhydrate).