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16. Juni 2019, morgens 7 Uhr. Es regnet. Schlechte Voraussetzungen zum Imkern, aber noch ist es noch etwas Zeit bis dahin. 10 Uhr. Es regnet noch immer. 10:20. Es hat aufgehört und der Boden trocknet bereits ab.

Um 10:45 bin ich mit allem nötigen "Gepäck" einschließlich meiner Kamera bei den Bienen auf der Streuobstwiese. Die Sonne scheint, die Wiese ist natürlich noch feucht. Zum Glück habe ich mir meine Gummistiefel angezogen.

Beim ersten Rundgang ist alles ruhig. Die Bienen schlafen mit Sicherheit nicht mehr, sind aber entweder noch nicht oder nur erst spärlich an den Fluglöchern und Flugbrettern zu sehen. Innerhalb weniger Minuten ändert sich das schnell. Kaum ist es trocken und nicht mehr bewölkt, sonnig, sind sie draußen und beginnen zu fliegen.

Wir haben uns heute nicht einmal so viel vorgenommen. Beim letzten Mal haben wir festgestellt, dass die Ableger hungern. Also sollen sie heute zusätzliches Futter erhalten.

Während ich an den Ablegern arbeite, geht Matthias zu den Wirtschaftsvölkern. Wir arbeiten parallel.

Die Ableger haben wir fast ausschließlich in normalen Zargen untergebracht. Beginnend mit drei Waben, füllen wir sie je nach Entwicklungszustand allmählich auf. Die zugesetzten Futtervorräte sind letzten Sonntag schon so gut wie aufgebraucht. Matthias hat ihnen deshalb jeweils eine Portion Futterteig zugegeben.

Beim Blick in die Beuten sieht es in der Tat recht trostlos aus. Die Speisekammern sind leer. Vom Futterteig sind nicht einmal mehr Reste zu finden. So kann sich der Ableger kaum zu einem starken Volk entwickeln. Aus unseren Vorräten habe ich deshalb weiteres Futter mitgebracht. Es ist ja in unserem eigenen Interesse, dass wir möglichst viele und möglichst starke Ableger und Jungvölker entwickeln, mit denen wir in den kommenden Winter gehen können.

Ableger in seiner Zarge
Futtersirup Apiinvert im Portionsbeutel

Die Oberseite dieses Portionsbeutel steche ich mehrfach mit einem sehr dünnen Nagel ein. Mit dieser Seite nach unten, wird der Beutel auf die Oberseite der Rahmen gelegt. Die Schwerkraft drückt den Sirup nach außen und die Bienen können das Futter einfach abnehmen.

Ableger mit Futtersirup

Dies sind jetzt 2,5 kg Zuckersirup, den die Bienen hier erhalten haben. Ich bin gespannt wie lange diese Menge ausreichen wird.

Ableger in seiner Zarge
gleicher Ableger mit aufgelegtem Futtersirup

Auf diese Weise habe ich fünf Ableger versorgt. Das reicht leider noch nicht aus, weil wir wesentlich mehr besitzen. Auf alle Fälle werde ich deshalb in den nächsten Tagen neues Futter besorgen für eine ausreichende Menge an Nachschub für alle Ableger sorgen.

Zum Spätsommer füttern wir unsere Bienen normalerweise auf die gleiche Weise mit einem festen Futterteig auf. Das ist bei den gebildeten Ablegern allerdings nicht sonderlich hilfreich. Ihnen fehlen noch die Flugbienen, die von außerhalb Wasser eintragen können. Also muss das Wasser per Futter gleich mit ins Haus geliefert werden.

Während ich an den Ablegern zugange bin, sieht Matthias einen Teil der Wirtschaftsvölker durch. Er fragt mich, ob wir noch einen Ablegerkasten übrig hätten. In einem Volk habe er einen Rahmen voller Weiselzellen entdeckt. Diese Weiselzellen sind vollständig verdeckelt. Wenn man die Entwicklungszeiten einer Bienenkönigin erinnert, sind diese Zellen in diesem Stadium bereits mindestens acht Tage alt.

Auflösung: auf dieser Wabe sind es zusammen auf der Vorder- und Rückseite zwanzig Weiselzellen gewesen. Alle verdeckelt und mit Puppen gefüllt.

Aus einem weiteren Rahmen, der vier Weiselzellen enthält, und entsprechenden Begleitrahmen mit Futter und Brut bildet Matthias einen neuen Ableger.

Ablegerkasten mit Weiselzellen innen

So viele Ableger wie in diesem Jahr haben wir schon lange nicht mehr gebildet. Wir werden sie hegen und pflegen, d.h. füttern und damit kräftig wachsen lassen. Zum Spätsommer kommt dann die Entscheidung, ob wir sie einzeln so belassen wie sie dann sind oder mit einem anderen Ableger zu einem doppelt so starken Volk vereinigen werden. Davon werde ich später berichten.

Noch ist die Schwarmzeit bei den Bienen nicht zu Ende. In einem anderen Wirtschaftsvolk habe ich bei der Kontrolle ein Spielnäpfchen gefunden, dass von den Bienen gerade zu einer neuen Weiselzelle umgebaut wird.

Vom Spielnäpfchen zur Weiselzelle

Das ursprünglich kugel- oder becherförmig aussehende Spielnäpfchen wird an seiner Wurzel bereits wabenförmig zur Königinnenzelle umgebaut. Das bedeutet, dass dieses Volk durchaus noch in Schwarmstimmung ist und wir aufpassen müssen, dass es nicht abschwärmt. Anfang bis Mitte Juli ist die Schwarmzeit in der Regel wieder vorbei. Bis dahin müssen wir noch aufpassen.

Neben dem oben erwähnten Volk steht ein vor kurzem gefangener Bienenschwarm. Bei seiner Durchsicht zeigt sich, dass alles in bester Ordnung ist. Dieses Volk ist stark, brütet kräftig, hat sämtliche ihm zugegebenen Mittelwände im Brutraum inzwischen voll ausgebaut. Auch in dem vor einer Woche aufgesetzten Honigraum sind die ersten Ausbauten im Gange.

Honigraum im Schwarmvolk

Der Blick in die Wabengassen, den Raum zwischen den einzelnen Rahmen, im Honigraum offenbart, dass auch hier kräftig gebaut wird. Die ersten Zellen sind bereits mit Nektar gefüllt.

In der Reihe dieser Völker stehen ebenfalls noch zwei Ableger. Bei einem habe ich einen kuriosen Wildbau entdeckt. Von der Abdeckfolie ausgehend wächst ein Tropfen mit Zellen nach unten.

Wildbau an Abdeckfolie, stehend
Wildbau an Abdeckfolie, hängend wie im Original

Dieser Wildbau hängt unmittelbar neben der letzten Wabe von der Decke im freien Raum.

Auf unserer Streuobstwiese blüht es zur Zeit kräftig. Eine Blüte ist mir dabei besonders aufgefallen:

Blüte auf unserer Streuobstwiese: orangerotes Habichtskraut

Daheim habe ich sogleich mein Bestimmungsbuch zu Rate gezogen. Es handelt sich hierbei um das orangefarbene Habichtskraut. Laut Information aus dem Bestimmungsbuch kommt es wild ziemlich selten vor. Von daher dürfen wir uns glücklich schätzen, diese seltene Pflanze bei uns zu haben.

Schwarm Teil 2

Gestern Abend hat sich die Situation bei den geschwärmten Bienen erwartungsgemäß schnell beruhigt. Noch vor der Dämmerung sind die Bienen in der Beute gewesen, die Herr T. dann verschlossen hat.

Leere Kiste nach Einlaufen der Bienen in die Beute

Heute, 30.05.2019, bin ich erst gegen 12 Uhr dort aufgeschlagen, um den Schwarm samt Beute abzuholen.

Verschlossener Schwarm

Bei dieser Gelegenheit will ich gleich in die drei dort stehenden Beuten sehen und eine Völkerkontrolle durchführen. Theoretisch hätte der Schwarm auch von dem einen dort aufgestellten Volk sein können. Dagegen spricht für mich allerdings der unverändert rege Betrieb am Einflugloch. Hier sieht es nicht so aus, als ob dem Volk ein großer Teil der Bienen fehlen würde. Nicht nur aus diesem Grunde schaue ich in die dort stehenden Völker hinein.

Der Honigraum des Wirtschaftsvolkes ist schon recht schwer und dürfte so ca. 15 bis 20 kg wiegen. Der obere Brutraum ist mit Bienen gefüllt. Bei der Kippkontrolle entdecke ich beim ersten Blick bereits ein Spielnäpfchen und eine Weiselzelle an der Rähmchenunterseite. Das ist der nun wichtige Grund dieses Volk genauer anzusehen. Erstaunliches tritt dabei zutage. Alleine sieben voll verdeckelte Weiselzellen finde ich auf den mittleren Rähmchen. Dazu aber auch ganz frische Brut und Stifte.

Weiselzellen auf einem Rahmen
Weiselzellen
Arbeiterin füttert zukünftige Königin

Im unteren Brutraum ist es dagegen sehr viel ruhiger. Die Rahmen sind voller Vorräte. Ein großer Teil davon ist eingelagerter Pollen, aber auch Nektar. Der Bienenbesatz ist spärlicher als im oberen Brutraum.

Für mich ist es nun schwer zu entscheiden, ob der Schwarm aus diesem Volk stammt oder nicht. Dagegen spricht die frische unverdeckelte Brut im Volk. Eine schwarmwillige Königin stellt die Eiablage schon rechtzeitig vorher ein und legt nicht bis zum Abflug noch ihre Eier. Also entscheide ich mich dafür, dass der Schwarm ein fremder Schwarm ist.

Mir fällt es schwer diese Königinnenzellen zu vernichten. Gleichzeitig gehören sie aber nicht ins Volk hinein. Also was tun? Ich entschließe mich dazu, das Volk zu schröpfen und einen weiteren Ableger zu erstellen. Ein Rahmen mir vier Weiselzellen bildet dazu die Grundlage. Zwei weitere Rahmen nehme ich dazu und bilde damit den Grundstock für ein neues Volk. Einen weiteren Rahmen mit den verdeckelten Weiselzellen hänge ich in einen Ablegerkasten an Ort und Stelle, der so ein wenig vor sich hinmickert und sich nicht entwickeln will. Diesen Kasten sowie den Schwarm und den neu gebildeten Ableger nehme ich mit auf den Frankfurter Riedberg und stelle beide bei uns auf der Streuobstwiese auf.

Der Schwarm nach Öffnen des Fluglochs

Kaum öffne ich das Flugloch des Schwarmvolkes, quellen auch schon die ersten Bienen hervor. Ob sie etwa weiterziehen wollen?

links der "alte" Ableger mit zugesetzten Weiselzellen, rechts der neu gebildete Ableger ebenfalls mit zugefügten Weiselzellen

Die beiden Ableger stehen nun bei uns und ich hoffe, dass sie sich prächtig entwickeln mögen. Der Schwarm vom Niddapark hat übrigens in der Zwischenzeit (s)einen Namen erhalten. Unabhängig voneinander sind Herr T. und ich sogar auf den gleichen Namen gekommen: Theo.

4

In Frankfurt herrscht dieses Jahr ein reger Schwarmtrieb. Unglaublich viele Bienenschwärme sind unterwegs. Kaum zurück vom heutigen Imkern, kommt ein Anruf, dass in Höhe von fünf oder sechs Metern ein Bienenschwarm hängt. Die Feuerwehr hätte den Anrufer an mich verwiesen. Ob wir den Schwarm nicht holen könnten?

Nach einigen Fragen zeigt sich, das die Bienen zu hoch hängen, um gefahrlos an sie heranzukommen und sie zu bergen. Also müssen sie dort hängenbleiben. Vielleicht gelingt es besser, wenn sie weitergezogen sind und sich einen anderen Standort gesucht haben....

Bei unseren Bienen versuchen wir den Schwarmtrieb zu unterdrücken. Dies machen wir, indem wir Ableger erstellen und so das jeweilige Volk schröpfen. Auch der regelmäßige Einsatz von Drohnenrahmen bewährt sich hier. Und natürlich kontrollieren wir einmal in der Woche unsere Bienen auf das Vorhandensein von Spielnäpfchen. Sobald welche bei der Kippkontrolle erkennbar sind, wird das komplette zugehörige Volk untersucht und sämtliche Spielnäpfchen dabei zerstört.

Ableger haben wir heute keine gebildet. Dafür haben wir jedoch Waben mit offener Brut aus mehreren Völkern entnommen und sie sowohl dem neulich gefangenen Schwarm als auch einigen Ablegern zugesetzt.

Vor einer Woche haben wir den Schwarm durchgesehen und keinerlei Brutaktivitäten vorgefunden. Heute war das nicht sehr viel anders. Allerdings haben wir in einigen sehr wenigen Zellen Eier entdeckt. Dies könnte darauf hinweisen, dass die ursprüngliche geschwärmte Königin nun doch endlich mit der Eiablage begonnen hat.

Zur Sicherheit habe ich mich zu einer Weiselprobe entschlossen. Hierbei hängt man dem Volk, bei dem unklar ist, ob es eine Königin besitzt, eine Wabe mit offener Brut zu. In den nächsten Tagen entscheidet sich dann folgendes:

Ist eine Königin im Volk vorhanden, werden sich die zugehängten Brutzellen ganz normal weiter entwickeln. Fehlt jedoch die Königin, bauen die Bienen aus mindestens einer bestifteten Eizelle eine Weiselzelle heraus, um sich auf diese Weise eine neue Königin nachzuziehen.

Mit anderen Worten: der Blick nach wenigen Tagen in dieses Volk auf den zugehängten Rahmen gibt entsprechende Auskunft.

Bei einigen der erstellten Ablegern sieht es ähnlich aus: auch hier ist nach mindestens vier Wochen Wartezeit keine Brutaktivität zu erkennen. Entsprechend führen wir auch hier eine Weiselprobe durch und werden in wenigen Tagen das Ergebnis zu sehen bekommen.

Auf dem Boden der Streuobstwiese tut sich etwas. Ich habe dort vor Jahren eine Bienenweide ausgesät. Die ersten großen Pflanzen blühen inzwischen wieder.

Gewöhnlicher Natternkopf
Gewöhnlicher Natternkopf

Im Frankfurter Niddapark stehen Ableger und ein Bienenvolk von uns. Die ABleger haben wir auf dem Riedberg aus zwei Völkern gezogen und dort in mehr als 2 Km Entfernung aufgestellt. Heute ist ihre erste Durchsicht.

Wildbau unter Abdeckfolie in einem Ableger

Das Ergebnis: ein Ableger hat sich bereits prächtig entwickelt. In seinen Waben sind sowohl frische Eier als auch Larven und erste verdeckelte Brut zu finden. Die Bienen haben sich demnach eine Königin erfolgreich gezogen, die inzwischen in Eiablage gegangen ist. Im Bild ist dies der untere Ableger in einer Zanderbeute. Hier haben sich beim Aufstellen die Rahmen etwas verschoben. Das haben die Bienen sofort ausgenutzt und unter die Abdeckfolie zwischen zwei Rahmen tropfenförmigen Wildbau geschaffen.

Der zweite Ableger ist kleiner. Auch hier sind bereits erste Eier zu erkennen. Insgesamt ist seine Entwicklung etwas schwächer und zaghafter.

Ableger (links) und Bienenvolk (rechts) im Niddapark

Beide Ableger sind mit 3%iger Oxalsäure als erste Varroabehandlung besprüht worden. Sobald der kleinere von ihnen stark genug geworden ist, werde ich ihn mit auf den Riedberg nehmen und dort bei den anderen Völkern und unterstellen.

Varroabehandlung mit Oxalsäure 3%

Das Volk ist stark und trägt bereits große Mengen an Honig ein. Bei seiner Durchsicht habe ich dreizehn Spielnäpfchen entdeckt und zerstört.

Kippkontrolle mit Spielnäpfchen

Der Drohnenrahmen ist im Ausbau begriffen und noch ohne verdeckelte Brut. Spätestens nächste Woche dürfte sich das geändert haben, so dass ich den Drohnenrahmen ausschneiden muss.

Heute, 5. Mai 2019, ist der Spielnäpfchentag. Gegen 11 Uhr ist es noch nicht so warm, dass die Flugbienen unterwegs sind. Nein, fast alle Bienen sind bei den derzeitigen niedrigen Temperaturen noch daheim im Stock. Von daher ist bei der anstehenden Kontrolle zu erwarten, dass wir mehr Bienen als sonst zu sehen bekommen.

Genau so ist es auch. Jetzt, in der Schwarmzeit, müssen die Völker relativ engmaschig auf ihren Schwarmtrieb hin untersucht werden. Wir machen das einmal in der Woche. Meistens reicht hierzu die bereits früher erwähnte Kippkontrolle aus, um einen Überblick über das Volk zu erhalten. Die Spielnäpfchen werden meistens am unteren Ende der Rahmen angebaut und werden beim Kippen sichtbar. Sollten keine Näpfchen vorhanden sein, ist die Kontrolle damit bereits erledigt. Sobald jedoch auch nur ein einziges Spielnäpfchen vorhanden ist, ist es sinnvoll das gesamte Volk durchzusehen, ob weitere Spielnäpfchen sich darin befinden. Die Spielnäpfchen werden zerstört, damit ist der direkte Schwarmtrieb zunächst einmal für ein paar Tage unterbrochen.

Die Völkerdurchsicht erfolgt auch unter dem Gesichtspunkt der Schwarmlenkung. Haben die Bienen zuviel oder zu wenig Platz? Kommt es in der nächsten Zeit zu einer drangvollen Enge? Müssen die Honigräume oder ein zweiter Brutraum aufgesetzt werden? Was machen die Drohnenrahmen? Sind sie ausgebaut, eventuell schon verdeckelt?

Zwei Bau- oder Drohnenrahmen habe ich heute entnommen und die darin befindliche verdeckelte Brut ausgeschnitten. Während ich dieses hier schreibe, liegen die Drohnen mitsamt dem Wachs bereits im Tiefkühlschrank und werden dort durchgefroren. Hierdurch sterben die Varroamilden, die sich bevorzugt in der Drohnenbrut vermehren, ab. Ihre Entnahme, ihr Tod, mindert den Befallsdruck der anderen Bienen. Dadurch bekämpfen wir mit einer biologischen Methode den Befall der Bienen durch die Varroamilbe.

Insgesamt haben wir heute bei den Bienen über zwanzig Spielnäpfchen entdeckt und zerstört.

Spielnäpfchen am Wabenunterrand
Spielnäpfchen
Vier Spielnäpfchen an der Unterkante eines Rahmens
Spielnäpfchen

Zuletzt habe ich bei Heinrich die Durchsicht vorgenommen. Hierbei sehe ich ein paar alte Sielnäpfchen aus dunklem Wachs. Zur Überraschung entdecke ich jedoch eine vollständig verdeckelte Königinnenzelle.

Königinnenzelle, verdeckelt, auf Dadant

Frische Eier sind im Volk vorhanden, frische kleine Larven ebenfalls. Die vorhandene Königin ist also voll funktionstüchtig. Macht sich dieses Volk bereit zum Schwärmen?

Königinnenzelle en detail

Wie dem auch sei, die Weiselzelle zerstöre ich auf alle Fälle und versuche damit, ein mögliches Schwärmen zu unterdrücken und zu verhindern.

Ende April ist bereits die Schwarmzeit bei den Bienen angebrochen. Die Völker vermehren sich und geraten in Schwarmstimmung. Beim Schwärmen vermehrt sich das Volk als Ganzes, der Bien. Hierbei zieht ein Teil des Volkes mit der alten Königin aus dem Volk aus und sucht sich eine neue Bleibe.

Dieses Schwärmen ist ein den Bienen innewohnender natürlicher Trieb, dazu gedacht, die Art zu erhalten. Unter den heutigen Lebensbedingungen sind geschwärmte Bienen allerdings nicht mehr (über)lebensfähig. Von daher achten wir Imker darauf, das Schwärmen zu verhindern oder Schwärme wieder einzufangen.

Einer der ersten und wichtigsten Schritte hierzu ist es, die Bienen gut zu beobachten und an ihrem Verhalten die Schwarmlust zu erkennen. Eine sehr einfache Maßnahme führt man in dieser Zeit bei der Völkerkontrolle durch.

Wenn eine Magazinbeute zwei Bruträume besitzt, wird der obere Brutraum um 90° gekippt. Das ermöglicht dann von unten einen Blick in die Wabengassen des Volkes ohne das Volk auseinander zu nehmen. Steigt die Schwarmstimmung, beginnen die Bienen am unteren Wabenrand Spielnäpfchen zu bauen. In ihnen sollen neue Königinnen gezüchtet werden, die später im restlichen Volk verbleiben sollen.

Kippkontrolle 28.04.2019 mit Spielnäpfchen

Im obigen Bild sind auf der Unterseite der Rahmen bereits Spielnäpfchen zu erkennen. Jetzt heißt es, das komplette Volk Rahmen für Rahmen auf weitere Spielnäpfchen oder gar Weiselzellen zu untersuchen. Gefundene Näpfchen oder Königinnenzellen, werden zerstört. Damit ist erst einmal wieder für ein paar Tage Ruhe im Volk. Gleichzeitig wird dabei das Volk daraufhin untersucht, ob es reif für Ableger oder Drohnenrahmen ist.

Ein wenig platt und vereinfacht gesagt, wenn die Bienen genug zu tun haben, kommen sie weniger schnell auf dumme Gedanken zu Schwärmen. Eine mögliche Maßnahme ist hierzu das Schröpfen des Volkes, indem ihm Waben mit frischester Brut entfernt und durch leere Rahmen mit Mittelwänden ersetzt werden. Die entnommenen Rahmen können zu einem Ableger verwendet werden. Diese Maßnahmen zählen zur Schwarmlenkung.

Parallel dazu wird in dieser Zeit auf die Drohnenbrut geachtet. Wegen ihrer längeren Brutdauer sind die Drohnenzellen wahre Brutstätten der Varroamilbe. Deshalb kommt in jedes Volk mindestens ein Drohnenrahmen in den obersten Brutraum. Dies ist ein leerer Rahmen, den die Bienen mit Wildbau auffüllen. Anders als bei den Mittelwänden ist hier kein Maß vorgegeben. An den Rand des Brutnestes gehängt, meistens als zweite und/oder neunte Wabe, werden hier Zellen für die Drohnen aufgebaut, bestiftet und bebrütet. Sobald die Brut in ausreichendem Maße verdeckelt ist, wird sie aus dem Volk entfernt und vernichtet. Damit werden Milben entfernt, die sich somit nicht weiter in der Beute ausbreiten können, und zugleich wird Platz geschaffen, den die Bienen wieder neu bebauen können. Im Prinzip sind das Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die damit auch der Schwarmverhinderung dienen können.

Jetzt, in der Hauptzeit des Schwärmens, machen wir diese Kontrolle bei den Wirtschaftsvölkern einmal in der Woche. Das reicht erfahrungsgemäß aus, um einen guten Überblick über die Schwarmstimmung zu erhalten. Sollte dieses nicht ausreichend sein, dann müßten wir eventuell einen sogenannten Zwischenableger bilden, um das Schwärmen zu verhindern. Davon später.

Zwei beziehungsweise drei große Themen beherrschen derzeit den Imker bei der Arbeit an seinen Völkern: 1.) Bienenschwärme, 2.) Honigernte und 3.) die Varroamilbe.

Jetzt, Mitte Juni, kurz vor der Sommersonnenwende, ist die Schwarmzeit noch nicht beendet. Zu diesem Zeitpunkt erreichen die Völker zahlenmäßig ihre größte Stärke. Dadurch ist der Schwarmtrieb noch nicht wieder erloschen. Also gilt es weiterhin achtsam zu sein und die Völker regelmäßig auf neu gebildete Königinnenzellen (Spielnäpfchen) hin zu prüfen. Bei allen Völkern zusammen haben wir heute etwa zehn Spielnäpfchen gefunden und zerstört.

Um den Schwarmtrieb zu dämpfen, muss der Imker dafür Sorgen, dass die Bienen im Stock gut zu tun haben. Das erreicht man unter anderem dadurch, dass komplette Rahmen aus dem Volk entfernt und durch Mittelwände ersetzt werden. Aus den entnommenen Waben lassen sich sehr gut Ableger bilden, also Tochtervölker. Letzteres haben wir vor einer Woche gemacht. Heute war das noch nicht wieder erforderlich.

Dafür haben wir heute mehreren Völkern, die nur einen einzigen Brutraum haben und denen es darin zu eng wird, einen zweiten Brutraum aufgesetzt. Besonders bei Völkern mit vorhandenen großen verdeckelten Brutnestern ist diese Maßnahme wichtig. Nach der Eiablage dauert es neun Tage, bis die Brut verdeckelt wird. Nach weiteren zwölf Tagen erfolgt der Schlupf. Fast schlagartig wird es dann im Volk eng.

Großes Brutnest in einem Volk - Vorderseite

Großes Brutnest - Rückseite

Hier gilt es also vorausschauend zu planen und zu handeln.

Das zweite große Thema dieser Jahreszeit ist die Honigernte. Bei vielen Völkern sind sowohl die Honigräume als auch die Bruträume gut mit Nektar beziehungsweise Honig gefüllt. Auch dies führt zur Enge im jeweiligen Volk. Abhilfe schafft man durch Ernten, ggfs. auch Umhängen von mit Nektar gefüllten Rahmen aus den Bruträumen in den Honigraum. Noch ist in unseren Honigräumen Platz genug, um diesen Tausch zu ermöglichen. Wenn das nicht mehr der Fall ist, hilft nur eines: Ernten und Schleudern. Das hat bei uns zum Glück noch ein wenig Zeit, aber sehr lange wird es nicht mehr dauern. Dieses Jahr wollen wir - Neuland für uns - bereits vor der nächsten Honigernte die vollständige Brutentnahme durchführen als weitere biologische Methode zur Bekämpfung der Varroamilbe. Davon jedoch zu einem anderen Zeitpunkt.

Als drittes der genannten Themen steht die Varroamilbe im Raum. Wir versuchen konsequent eine biologische Bekämpfungsmethode der Milbe mit dem Entfernen der  Drohnen- oder Baurahmen. Hierauf werden im ungeordneten Wildbau überwiegend Drohnen groß gezogen. Weil ihre Entwicklung ein paar Tage längert als bei den Arbeiterinnen, hat die Milbe entsprechend mehr Zeit, sich in den geschlossenen Zellen zu vermehren. Ab Mitte Juli etwa kann es im Volk kritisch werden. Dann steigt die Milbenzahl explosionsartig an. Um das zu verhindern, entnehmen wir so oft wie möglich bereits vorher über das Ausschneiden der Drohnenrahmen ("Drohnenschneiden") größere Teile der Varroamilben. Dadurch halten wir den Befallsgrad im Bienenvolk so niedrig wie möglich. Im Sommer kommt es deshalb nicht zu diesem rasanten Anstieg der Varroamilben in den Bienenvölkern.

Von den Rahmen müssen zunächst die darauf sitzenden Bienen entfernt werden. Sie mechanisch abzuschlagen geht selten gut, weil durch den Schwung das Wachs einreißt und mit den enthaltenen Drohnen zu Boden fällt. Schonender, aber aufwändiger, ist das Abkehren der Bienen. Mit einem Kehrbesen werden sie vom Rahmen vor das Flugloch des jeweiligen Bienenvolkes gekehrt. Über das Flugloch wandern sie zurück ins Volk und arbeiten dort weiter.

Abkehren der ansitzenden Bienen von Drohnenrahmen

Die danach ausgeschnittenen Drohnenwaben werden entweder sofort im Dampfwachsschmelzer eingeschmolzen oder, wenn das zeitlich nicht möglich ist, eingefroren und im Tiefkühlschrank zwischengelagert.

Heute habe ich beides gemacht: sowohl die frisch geschnittenen und die tiefgefrorenen Drohnenwaben sind im Bauch des Dampfwachsschmelzers gelandet und inzwischen bereits ausgeschmolzen. Das heiße flüssige Wachs habe ich aufgefangen. Es wird demnächst zum Reinigen nochmals eingeschmolzen und später zu Mittelwänden gegossen. Das ist dann unser eigener Wachskreislauf.

Murphy's Gesetz habe ich vorgestern mal wieder eindrucksvoll bewiesen. Dieses Mal beim Imkern an unseren Bienen.

Bei der regelmäßigen Völkerdurchsicht habe ich zwei Ableger gebildet, damit die Bienen mehr Platz in ihren Beuten erhalten und nicht in Schwarmstimmung geraten. Der eine ist ein Sammelbrutableger mit Waben aus zwei Völkern. Der andere stammt aus dem neuen Volk, das so unglaublich aktiv ist.

Die Rahmen habe ich in eine klassische Zarge für 10 Rahmen gehängt. Unter die Zarge kommt ein Boden und oben zum Abschluss der Deckel und ein Metalldeckel. Markus hat mir beim Tragen der Beuten ins Auto dankenswerterweise geholfen.

Während die beiden Beuten im Auto sind, arbeite ich an den restlichen Völkern weiter. Einen Drohnenrahmen mit bereits verdeckelter Drohnenbrut entnehme ich einem Volk und ersetze ihn durch einen leeren Baurahmen. Die ansitzenden Bienen kehre ich vor dem Flugloch ab.

Plötzlich beginnt der Wachsbau kurz unterhalb der Oberkante zu reißen. Ich reagiere schnell und lege die Brut auf den Boden, um das Material in eine Pastiktüte zu stecken, damit ich es daheim erst einfrieren und anschließend einschmelzen kann. Was habe ich vergessen mitzubringen? Richtig, die dafür vorgesehenen Mülltüten. Ich habe sie daheim liegen gelassen. Also hilft nur eines: improvisieren. Es gilt zu vermeiden, dass Bienen sich auf dem gefüllten Drohnenrahmen niederlassen. Zum Glück habe ich noch eine Abdeckfolie übrig. Sie lege ich über den gerissenen Teil dieses Drohnenrahmens und beschwere ihn, damit die Bienen nicht herankommen können. Die Entnahme der Drohnenbrut ist eine wichtige Maßnahme der biologischen Varroabekämpfung. In der längeren Brutzeit der Drohnen, entstehen in den verdeckelten Zellen mehr Varroamilben als sonst. Deswegen ist die Entnahme dieser verdeckelten Zellen sehr gut geeignet, die Zahl der Varroamilben duetlich zu reduzieren ohne dabei chemische Bekämpfungsmittel anwenden zu müssen.

In einem anderen Volk finde ich zwei frische Spielnäpfchen. Mir scheint, die Bienen können in Schwarmstimmung geraten. Das gilt es zu verhindern: die Spielnäpfchen, aus denen Königinnenzellen werden können, zerstöre ich einfach.

 

Nach dem Ende der Durchsicht gehe ich zurück zum Auto, um die beiden Ablegerkästen abzutransportieren. Doch was sehe ich? Lauter frei fliegende Bienen im Autoinneren. Bei aller Vorsicht, irgendwo müssen die "Mädels" doch noch ein Schlupfloch zum Entweichen gefunden haben.

Wie wird man Bienen aus dem Autoinneren nur wieder los? Schutzkleidung angeziehen, einen Abkehrbesen nehmen, die Heckklappe öffnen und die Bienen versuchen nach außen zu kehren. Das klingt einfach und scheint einigermaßen wirkungsvoll zu sein. Doch plötzlich sind wieder Bienen da, wo vorher kaum noch welche gewesen sind. Also, das gleiche Spiel noch einmal. Prima, jetzt kann es losgehen. Aber: nichts davon! Erneut sind viele Bienen im Heck zu sehen. Zwar sind es längst nicht mehr so viele wie zuvor, aber es ist zunehmend nervend und irritierend.

In der Schutzkleidung fahre ich erst einmal in die Römerstadt in Frankfurt. Dort im Garten von Herrn T. will ich die Kästen abstellen. Von ihm habe ich einen Torschlüssel erhalten, damit ich jederzeit seinen Garten betreten kann.

Ich stehe vor dem Tor und suche den Schlüssel in meinen Taschen. Ich weiß, dass ich ihn eingesteckt habe, aber ich finde ihn nicht. Ärger und Hektik machen sich zunehmend breit in mir. Noch einmal alle Taschen abgesucht, ein drittes, viertes Mal. Der Schlüssel ist nicht auffindbar. Er muss doch irgendwo sein, ich bin mir sehr sicher , dass ich ihn eingesteckt habe. Je mehr und verzweifelter ich auch suche, er taucht einfach nicht auf.

Was mache ich denn nun mit den Ablegern? Ich schelle bei Herrn T. Keiner reagiert und öffnet, niemand ist zuhause. Gut, dann muss ich die Kästen woanders unterbringen. Also rufe ich eine befreundete Imkerin aus unserem Verein Bee Friends Frankfurt an. Bei ihr habe ich im letzten Jahr bereits Ableger abgestellt. Es ist wie verhext. Statt ihrer geht die Mailbox an und fragt mich, ob ich per SMS um Rückruf bitten möchte.

In den nächsten Minuten passiert natürlich nichts. Im Auto stehen zwei Ableger und innen fliegen viele Bienen frei herum. Es bleibt mir vorerst nur ein geordneter Rückzug übrig, zumal ich unter einem gewissen Zeitdruck stehe, denn abends wollen wir noch in die Oper nach Darmstadt fahren.

Die Kästen fahre ich im Auto zurück und stelle sie im Schatten auf der Streuobstwiese ab. Dafür plane ich, sie am nächsten Morgen, Pfingsten, um 7 Uhr zu Herrn T. zu bringen.

Daheim angekommen, öffne ich die Heckklappe und kehre wieder und wieder Bienen aus dem Inneren des Fahrzeugs nach draußen ab. Dabei entdecke ich schließlich, dass sie sich geschickt in Sicherheit bringen: sie krabbeln an der Glasscheibe und in einem Spalt ins Innere der Innenverkleidung und summen dort wie wild. So lassen sie sich nicht vertreiben.

Was tun? Mir bleiben nur noch wenige Minuten, um sie zu entfernen, damit wir ohne sie nach Darmstadt fahren können. In meiner Verzweiflung greife ich zu einem gemeinen Mittel: mit breitem durchsichtigen Paketklebeband klebe ich in Etappen den Spalt zu. Die Bienen sind nun darin gefangen und wir können fahren. Gewiss, das ist nicht die feine englische Art und auch nicht sehr bienenfreundlich und tierlieb, aber ein anderer Weg ist mir auf die Schnelle nicht eingefallen.

Noch vor unserer Abfahrt erreiche ich Herrn T. am Telephon. Wir verabreden uns für Pfingstsonntagmorgen 7 Uhr, um die Ableger in seinem Garten aufzustellen. Prima, das hat ja dann doch noch gut geklappt.

Während der Fahrt nach Darmstadt entdecken wir drei weitere Bienen im Heck. Zwei von ihnen lassen sich durch den entstandenen Luftstrom bei geöffneten Hinterfenstern herauspusten. Die dritte verlässt das Auto später im Parkhaus der Oper. Danach istRuhe.

Das Aufstellen der Ableger verläuft dann heute morgen völlig problemlos. Herr T. und sein Garten freuen sich nun über insgesamt vier Ableger. Einen davon werden wir später bei ihm belassen und zu einem Volk heranziehen. Im Gespräch erzählt Herr T. mir, dass er gestern bei unserer Vereinsaktion zum Weltbienentag gewesen ist. Deswegen konnte ich ihn also nicht erreichen.....

Ach ja, den Schlüssel habe ich auch gefunden. Er steckt in einer Tasche meiner mitgenommenen Jacke. Die Tasche ist mit einem Reißverschluss verschlossen gewesen. In meiner Hektik habe ich stets in den anderen, offenen Taschen gesucht. Murphy's Law.....

So schnell kann es manchmal gehen. Die Temperaturen sind gestiegen, die Bienen sind im "vollen Saft". Sie tragen Mengen an Nektar ein und vermehren sich gleichzeitig prächtig.

Drei Besonderheiten gibt es heute bei der Völkerkontrolle.

Das neue Volk explodiert förmlich. Haben die Bienen doch in der letzten Woche die aufgesetzten Mittelwände vollständig zu Waben ausgebaut, sind diese jetzt im gesamten oberen Brutraum mit Nektar gefüllt. Mit anderen Worten, die Bienen haben sich dort ihren eigenen Honigraum geschaffen. Das ganze sogar ohne ein Absperrgitter. Die Konsequenz: sie haben einen neuen zweiten Brutraum erhalten und der erwähnte Honigraum wird tatsächlich zum Honigraum, dieses Mal mit Absperrgitter. Weitere Konsequenz: wenn das so in diesem Tempo weitergeht, dürften wir in kürzester Zeit bereits den ersten Honig schleudern. So früh sind wir dann noch niemals dabei gewesen.....

Im Nachbarvolk geht es ein wenig beschaulicher zu. Hier leben die Bienen in nur einem Brutraum, den sie inzwischen gut gefüllt haben. Theoretisch ließe sich hier auch ein zweiter Brutraum aufsetzen. Ich habe mich allerdings für einen Honigraum entschieden.

Der Aufbau erfolgt in mehreren Schritten. Im Brutraum sind keine Spielnäpfchen zu finden. Das heißt, die Bienen sind noch nicht in Schwarmstimmung.

Honigraum aufsetzen - Schritt 1- unterer Brutraum

Auf die Oberträger der Rahmen wird nun ein Absperrgitter gelegt. Seine Gitterabstände sind so bemessen, dass die Arbeiterin hindurch krabbel können, nicht aber die etwas dickeren Drohnen und schon gar nicht die Königin. Letzteres ist deshalb wichtig, damit im Honigraum keine Brut entstehen kann.

Honigraum aufsetzen - Schritt 2 - Absperrgitter

Hierauf kommt nun eine Zarge mit Mittelwänden oder bereits ausgebauten Waben. In diesen brutfreien Raum können die Bienen ihren Nektar einlagern. Honig wird immer möglichst weit entfernt vom Einflugloch gelagert, damit er sicher vor Räubern ist. Aus diesem Grunde ist der Honigraum stets der höchste Raum in einer Magazinbeute. Bei dieser imkerlichen Betriebsweise imitiert man das Leben in einem hohlen Baumstamm, also der natürlichsten Lebensweise der Bienen.

Honigraum aufsetzen - Schritt 3 - Honigraum

Zuletzt wird oben wie sonst früher unten auch, alles mit einer Schutzfolie und einem Schutzdeckel verschlossen.

Das dritte Besonderheit: aus einem starken Volk habe ich erneut einen Ableger gebildet. Auch hier das gleiche Verfahren: eine Wabe mit frischen Eiern und verdeckelter Brut, eine Wabe mit Futter und eine Mittelwand kommen in den Ablegerkasten. Der Ableger wird wieder mehrere Kilometer entfernt aufgestellt. In den nächsten vier Wochen können die darin lebenden Bienen sich aus den frischen Eiern eine Königin ziehen, die nach dem Schlupf zu ihrem Hochzeitsflug aufbrechen kann und nach ihrer erfolgreichen Rückkehr für ein neues Volk die "Mutti" darstellt. In den nächsten vier Wochen bleibt dieser Kasten unberührt, damit keine Erschütterungen entstehen, die das Ganze scheitern lassen könnten.

Beim Umweiseln ging es heute mit Hilfe des Marburger Feglingkastens weiter. Drei Völker konnte ich auf diese Weise "durchsieben" und entweiseln, also von der Königin befreien.

Allerdings stimmt das so doch nicht. Beim dritten Volk habe ich beim Abheben des Honigraums unter den Seitenteilen, den Ohren, der Rahmen folgendes entdeckt:

Tote Bienenkönigin. Der längere Hinterleib ist hier sehr deutlich zu erkennen.

Es war die Bienenkönigin, die schlicht und ergreifend platt gedrückt worden ist. Dies kann nur beim Aufsetzen des Honigraums oder des Absperrgitters vor wenigen Tagen geschehen sein.

Warum erst dann? Hier kann man kriminalistisches Gespür entwickeln: Zum einen haben wir vor einer Woche den ersten Honig geschleudert und dazu auch den Honigraum dieses Volkes abgenommen. Zum anderen gab es entsprechende Hinweise auch im Volk selbst: keine Eier mehr, aber dafür Rundmaden. Nach drei Tagen schlüpft aus dem Ei die Larve oder Made. Anfangs noch sehr klein, maximal 2 mm lang, wächst sie in den folgenden Tagen heran und füllt kreisförmig zusammen gerollt, den gesamten Boden einer Wabe aus. Es muss demnach die Eiablage vor knapp einer Woche beendet worden sein. Das deckt sich mit dem Zeitpunkt der Honigernte.

Wabe mit klassischem Brutnest. Rechts am Rand zwischen offenem Nektar und verdeckeltem Honig ist ein Spielnäpfchen, eine Weiselzelle, zu erkennen

Gleiche Wabe, Gegenseite mit drei Weiselzellen

Auf der oben abgebildeten Wabe ist alles Wichtige für diesen Kriminalfall zu erkennen. Besonders rechts oberhalb der verdeckelten Brut sind die erwähnten Rundmaden gelegen.

Detail aus der Brutwabe: auf dem Boden sind die erwähnten Rundmaden deutlich zu erkennen

Eier: keine; dafür aber mehrere Nachschaffungszellen, Spielnäpfchen oder Weiselzellen.

Weiselzelle. Im Inneren ist ein Teil einer Made zu erkennen.

Hier in der Detailaufnahme der länglichen Königinnenzelle von oben sieht man wie diese Zelle tropfenförmig nach unten gebaut worden ist. In ihrem Inneren ist eine Made zu sehen, in den Photos allerdings oft nur als heller spiegelnder Fleck zu erkennen. In wenigen Tagen wäre die untere Öffnung verschlossen worden, so dass die neue Königin ungestört im Inneren heranwachsen kann. Man sieht hier übrigens auch wie genial die Bienen bauen: um den Tropfen herum sind Teile der ursprünglichen Wachswände von den Bienen entfernt worden, so dass eine Mulde entstanden ist und genügend Raum für die Weiselzelle vorhanden ist.

Alle Zellen, aus denen in diesem Volk noch weitere Königinnen hätten entstehen können, habe ich zerstört, damit die zugesetzte neue Königin keine Konkurrentinnen bekommt. Insgesamt waren es zehn zerstörte Zellen. Daran ist deutlich zu erkennen, in welcher Notlage sich das Volk befunden haben muss, wenn es so viele neue Königinnen heranzieht, von denen später nur eine einzige überleben würde. Die erste geschlüpfte Königin würde alle weiteren Rivalinnen abstechen und töten.

Sehr schön lassen sich hier anatomische Details der Königin erkennen. Deswegen zeige ich die Bilder noch einmal. Ebenso sind die Verletzungsschäden sichtbar wie abgerissene Beine, der Hinterleib ist durch den Druck etwas aufgequollen.

Tote Bienenkönigin. Am langen Hinterleib sind deutlich die einzelnen Segmentringe aus Chitin zu erkennen, die es der Königin ermöglichen, ihn zu verbiegen und in die Tiefen einer Zelle hinein zu strecken.

Zur Bienenanatomie erfolgt im Winter etwas mehr hier im Blog.

Allmählich kommen die Bienen beim Brüten in Fahrt. Die ersten eingehängten Drohnenrahmen sind inzwischen ausgebaut und bereits mit Eiern versehen. Das bedeutet, dass die Bienen fleißig dabei sind sich zu vermehren.

Tropfenförmiger Wachsbau in einem Drohnen oder Baurahmen

Bieneneier auf dem Boden der Wachszellen im Drohnenrahmen. Die Eier liegen noch nicht ganz auf dem Boden, sind also als "Stifte" noch recht frisch

Diese Eier im obigen Bild sind noch recht frisch, wahrscheinlich keine zwei Tage alt. Ab dem dritten Tag liegen sie für gewöhnlich der Länge nach auf dem Boden ihrer Zelle, damit aus ihnen die Larve oder Made schlüpfen kann.

Diese Drohnen- bzw. Baurahmen sind Bestandteil einer biologischen Methode, um die Ausbreitung der Varroamilbe einzudämmen. Weil die Drohnenbrut von allen Bienenwesen am längsten bis zur Schlupfreife braucht, wandern die Milben bevorzugt in diese Zellen ein. Theoretisch können sie sich in ihnen am stärksten vermehren. Sobald die Zellen verdeckelt sind, werden die Rahmen entnommen und die Brut vernichtet. Damit sind die Milben aus dem Volk entfernt. Dieses rein biologische Verfahren nutzt man aus, solange die Bienen im Frühjahr am brüten sind. Ab dem Sommer werden keine Drohnen mehr in einem Volk benötigt. Deshalb  ist nach diesem Zeitpunkt das Verfahren wenig sinnvoll.

In einigen Völkern beginnt es bereits eng zu werden. Wenn in deren Beuten die jetzt noch verdeckelte Brut in wenigen Tagen schlüpft, werden es in kurzer Zeit sehr viele Bienen auf recht engem Raum sein. Das hat zur Folge, dass das Volk in Schwarmstimmung geraten kann, um sich als Volk zu vermehren und zu teilen.

Die ersten Anzeichen haben wir bereits entdecken können: damit ein Volk abschwärmen kann, zieht es für das verbleibende Restvolk schon vorsorglich eine neue Königin, die in einer besonderen Zelle, der Weiselzelle, aufgezogen wird. Das Auftauchen einer oder mehrerer Weiselzellen zu dieser Zeit weist deshalb  auf eine zunehmende Schwarmlust hin. Die noch unbesetzten Weiselzellen nennt man zu Beginn auch Spielnäpfchen.

Um ein Schwärmen zu verhindern, brechen wir die entdeckten Weiselzellen aus und entnehmen dem Volk möglichst viele Bienen, die wir zu Ablegern zusammenstellen, aus denen ein neues Bienenvolk entstehen kann. Dadurch verringern wir den Schwarmdruck in einem Volk und ziehen uns gleichzeitig neue Bienenvölker heran.

In den nächsten Wochen heißt es nun die Bienen gut zu beobachten und regelmäßig die Völker auf den Schwarmtrieb hin zu untersuchen, damit uns nicht, wie schon einmal geschehen, während wir am Imkern waren, ein Bienenvolk abschwärmt. Hierzu sucht man verstärkt nach Spielnäpfchen und Weiselzellen. Je nach Situation werden die Näpfchen ausgebrochen und eventuell Rahmen entnommen, um wieder Ableger zu bilden.

15. Mai 206

Zurzeit erleben wir die Eisheiligen: draußen es ist kühler bis kalt geworden. Aber es ist nicht kalt genug, um die Bienen am Fliegen zu hindern. Bei der heutigen routinemäßigen Völkerkontrolle gab es manche Überraschungen.

Bereits vor etwa zwei Wochen ist mir aufgefallen, dass am Anflugbrett einer leeren Beute einige Bienen landen und in sie hineinwandern. Diese Beute ist seit dem Herbst 2015 leer, ich wollte sie ausflämmen und in 2016 aus Heimat für einen neuen Ableger oder Bienenschwarm verwenden. Zunächst dachte ich, die Bienen dort würden von einem Nachbarvolk stammen. Aus Neugier haben wir die Beute geöffnet und waren mehr als erstaunt: ohne fremdes Zutun hat sich hier ein neues Bienenvolk eingenistet. War es ein Schwarm, der sich darin niedergelassen hat? Flugbetrieb am Anflugbrett gibt es dort erst seit wenigen Tagen. Also liegt die Vermutung nahe, dass sich ein fremder Bienenschwarm dort niedergelassen haben könnte.

 

Volk 1: Anflugbrett
Volk 1: Anflugbrett

Volk 1 - Flugloch
Volk 1 - Flugloch mit ausfliegenden Bienen

Ich weiß, dass ich an dieser Beute seit dem vergangenen Herbst einen imkerlichen Fehler gemacht habe: das Flugloch ist von mir im Herbst nicht verschlossen worden. Weder nach einer Reinigung im Frühjahr noch nachdem Matthias aus dem Inneren eine vertrocknete Feldmaus entfernt hatte, die sich zwischenzeitlich dort hinein verirrt hatte. Dieser wiederholte Fehler ist dem jetzt eingezogenen Volk zum "Verhängnis" geworden. Mal sehen, was daraus wird....

Im Vergleich zum letzten Jahr sind wir dieses Mal bislang schwarmlos geblieben. Hatten wir in 2015 zu vergleichbarer Zeit bereits vier Schwärme eingefangen, sind es bisher keine, wenn man vom obigen Volk einmal absieht.

Dafür sind umgedreht unsere Bienen teilweise in guter Schwarmstimmung. Der erste Schwarm 2015 erhielt von mir den Namen San Marco nach dem Vornamen seines Entdeckers. Dieses Volk hatte im Sommer 2015 eine Carnica-Reinzuchtkönigin erhalten, die als Eigenschaften neben Ertragsreichtum und Sanftmut auch Schwarmträgheit haben soll. Von letzterem ist allerdings wenig zu spüren. Bereits vor einer Woche hatten wir viele Spielnäpfchen und verdeckelte Weiselzellen darin gefunden, sie ausgebrochen oder zur Gänze  für einen Ableger entfernt.

Volk "San Marco" mit der Unterseite der Rahmen des oberen Brutraums.
Volk "San Marco" mit der Unterseite der Rahmen des oberen Brutraums.

Diese Woche waren erneut viele Schwarmzellen zu finden. Das lässt einerseits den Schluss zu, dass wir wohl nicht alle Schwarmzellen entdeckt und ausgebrochen hatten, was ich für durchaus wahrscheinlich halte, oder aber, dass dieses Volk nicht schwarmträge, sondern im Gegenteil sogar recht schwarmaktiv ist. Das Schwärmen ist ja das normale Verhalten eines Bienenvolks, also wesensgemäß. Doch wollen wir bei unseren Wirtschaftsvölkern genau diesen Trieb verhindern, um das bestehende Volk nicht zu schwächen.

Weiselzellen an der Unterseite des Volkes "San Marco"
Weiselzellen an der Unterseite des Volkes "San Marco"

Aus diesem Grund haben wir erneut einen Ableger erstellt und wieder die Weiselzellen mitgenommen und dort eingehängt. Eine imkerliche Weisheit besagt, dass hierbei das entstehende Volk durchaus noch schwarmfreudiger wird. Trotzdem habe ich dieses Verfahren gewählt, damit sich ein neues Volk erst einmal aufbauen kann. Die junge geschlüpfte Königin wird jedoch im Laufe dieses Jahres durch neue Königin ersetzt werden.

Bedingt durch die vielen entdeckten Weisel- oder Königinnenzellen, haben wir aus anderen Völkern, in denen es inzwischen auch recht eng zugeht, mehrere Ableger erstellt. Hierbei haben wir sowohl Brutrahmen aus verschiedenen Völkern (=Sammelbrutableger) als auch nur aus einem einzigen Volk (=Brutableger) erstellt. Weiselzellen haben wir aus zwei Völkern entnommen und zu den gebildeten Ablegern gehängt. Gleichzeitig haben wir darauf geachtet, dass in diese Ableger Rahmen mit Eiern eingehängt worden sind. Man könnte dieses Vorgehen als "mit Netz und doppeltem Boden" bezeichnen.

Weiselzellen im Volk "San Marco"
Weiselzellen im Volk "San Marco"

Ein königinnenloses Volk kann sich aus den Eisern beziehungsweise aus frisch geschlüpften Larven eine Königin selber nachziehen. Sollte die eine Methode nicht funktionieren, bleibt der andere Weg übrig, so dass auf alle Fälle das Volk seine Königin bekommt. Die erste im Ablegervolk geschlüpfte Königin sorgt übrigens dafür, dass sie keine Rivalinnen bekommt und tötet sehr schnell ihre potentiellen Konkurrentinnen.

Durch die erstellten Ableger haben wir seit gestern alle unsere vorbereiteten zwanzig Stellplätze belegt. Mehr als zwanzig Bienenvölker wollen wir nicht führen. Natürlich werden wir noch mehrere Ableger erstellen, alleine schon, um den Schwarmtrieb zu lenken. Allerdings werden diese Ableger im Laufe des Sommers dann mit  den anderen Völkern wiedervereinigt, um auf diese Weise sehr starke Völker aufzubauen, die dann in den Winter gehen.

 

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