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Am 2. Mai 2019 haben wir in Frankfurt-Harheim einen Bienenschwarm gefangen, in eine Beute geschlagen, bei uns auf dem Riedberg aufgestellt und Mittelwände nach einem Tag zugegeben, damit die Bienen auf ihnen ihr Wabenwerk errichten können.

Siebzehn Tage später schauen wir in den Schwarm hinein, um zu sehen, wie weit er sich eingerichtet und entwickelt hat. Zehn Tage nach dem Fang haben wir das erste Mal in die Beute geblickt und dabei mit 3%iger Oxalsäure eine Varroabehandlung durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt waren die ersten Mittelwände im Anfangsausbau begriffen, so dass die Königin noch gar nicht in die Eiablage getreten sein konnte. Deswegen sichten wir jetzt wieder eine Woche später das Volk erneut. Dabei habe ich relativ viele Waben, zum Teil auf beiden Seiten, photographiert, um so die Entwicklung festhalten zu können. Einen Teil der Bilder zeige ich hier.

Schwarm in Beute durch die Folie

Nach dem Öffnen des Deckels sieht man noch nicht viel. An der Abdeckfolie hängt etwas Wildbau, ein paar Bienen wuseln über die Oberträger.

Schwarm in Beute ohne Folie

Ohne die Folie ist bereits deutlich zu erkennen, dass die dem Betrachter zugewandten Rahmen gut ausgebaut zu sein scheinen. Wenn wir die Rahmen durchnummerieren, dann ist im Bild unten die Position 1, ganz oben in diesem Bild die Position 10.

Schwarm - Randwabe auf Position 10 - Außenseite
Randwabe auf Position 10 - Innenseite

Die am weitesten entfernte Wabe auf der Position 10 ist am schwächsten ausgebaut. Einzelne Aufbauten aus Bienenwachs sind bereits zu erkennen, aber so richtig viel los ist dort noch nicht.

Wabe auf Position 9

Etwas weiter sieht es auf der Wabe davor, Position 9, aus. Hier sind bereits erste Nektare eingelagert. Deswegen erscheinen die Zellen links oben schon dunkler.

Wabe von Position 8 - Innenseite

Noch weiter ist es auf der Wabe davor gediehen.

Wabe von Position 7 - Innenseite

Auch hier ist der Ausbau schon gut vorangekommen.

Wabe auf der Position 5

Die Mittelwabe auf der Position 5 sieht schon recht gut ausgebaut aus.

Der Wachsbau beginnt ab hier bereits die Kanten der Oberträger zu überragen. Dadurch haben die Zellen eine größere Tiefe erhalten. Besonders gut ist dies auf dem Bild ohne Abdeckfolie in der Ansicht von oben zu erkennen.

Wabe auf der Position 2
Wabe auf der Position 1

So interessant es im Inneren auch aussehen mag, ist das Bautempo jedoch eher bescheiden. Wir haben einige Schwärme erlebt, die innerhalb nur einer Woche sämtliche Mittelwände komplett zu Waben um- oder ausgebaut haben. Dagegen sind die Bienen eher ein wenig träge zu nennen.

Was ebenfalls auffällig ist: auch nach siebzehn Tagen sehen wir noch keinerlei Aktivität der Königin in Bezug auf den Nachwuchs. Keine Eier und logischerweise dann auch keine Larven. Wir haben uns vorgenommen, deshalb nach einer weiteren Woche Wartens erneut das Volk durchzuschauen. Sollten dann noch immer keine Brutaktivitäten erfolgt sein, sollten wir etwas dagegen unternehmen.

In solchem Falle wäre es dann am einfachsten, eine Wabe mit frischen Eiern aus einem anderen Volk dazuzuhängen und quasi eine Weiselprobe zu machen. Sollten die Schwarmbienen eine Königin haben, würden sie die Eiter sich "normal" zu Arbeiterinnen entwickeln lassen. Ist keine Königin im Schwarmvolk, können die Bienen sich aus den zugesetzten Stiften eine neue Königin ziehen. Damit wäre das Volk dann auch gerettet. Anhand des zu erfolgenden Ablaufes an den Eiern können wir damit erkennen, ob das Volk eine Königin besitzt oder nicht.

Während des Imkerausbildens haben wir letzte Woche zum ersten Mal zwei Völker vereinigt. Eines unserer Völker ist ohne Königin und vegetiert so vor sich hin. Seine Überlebenschance ist gleich Null. Deshalb haben wir es mit seinem Nachbarvolk vereinigt.

Wie geht das?  Auf das stärkere, aufnehmende, Volk wird auf die oberste Zarge ein Blatt Zeitungspapier gelegt, das an mehreren Stellen durchlöchert wird. Das schwächere, zuzusetzende, Volk wird mit seiner Zarge darauf gestellt. Nach oben hin wird alles völlig gewohnt verschlossen.

Durch die Löcher strömt der Pheromonduft der Königin nach oben. Die zugesetzten Bienen können sich langsam daran gewöhnen. Parallel dazu wird die Zeitung allmählich an den Löchern durchfressen. Anschließend können beide Völker zueinander laufen ohne sich zu bekriegen. Damit ist die Vereinigung geschehen.

Nach einer Woche wird nachgeschaut und dabei das verbliebene Zeitungspapier wieder entnommen.

 

Zeitung zum Abtrennen bei der Völkervereinigung. Photo: Lena Rothbrust

 

Die erste Honigernte ist eingebracht. Parallel dazu geht es natürlich weiter mit der Pflege unserer Völker. Zwei Völker sind inzwischen weisellos, also ohne Bienenköniginnen. Drei Völker und Ableger haben auf dem Varroaschieber einen Befall mit Kalkbrut. In allen genannten Fällen ist Handeln angesagt, damit das Bienenvolk sich wieder gut und stark entwickeln kann.

Die Kalkbrut ist eine Pilzerkrankung, bei der die Maden von einem Pilz befallen werden, dessen Gespinst sie letztlich abtötet. Die Maden liegen auf der Windel und fassen sich fast steinhart an. Daher auch der Name dieser Bienenkrankheit. Für uns Menschen ist der Pilz ungefährlich. Er taucht im Bienenvolk auf, wenn die Königin in ihrer Legequalität nicht zufriedenstellend ist oder wenn im und um den Bienenstock zu hohe Feuchtigkeit herrscht. Zwei Maßnahmen kann der Imker zur Sanierung ergreifen: entweder er stellt das Volk samt Beute an einem anderen Standort auf oder er tauscht die Königin aus. Wir haben uns für die letzte Möglichkeit entschieden. Den Wechsel oder Austausch einer Königin nennt man in der Imkersprache Umweiseln. Weisel ist ein altdeutsches Wort für die Bienenkönigin.

Der Marburger Feglingskasten ist eines der wichtigsten imkerlichen Handwerksgeräte und ein Multitalent. Wir haben ihn bei der Suche nach der Königin eingesetzt.

Marburger Feglingskasten - Rückseite

 

Marburger Feglingskasten - Vorderseite

Der Kasten wird für verschiedene Maße angeboten. Sein Deckel mit einem diagonal verlaufenden Griff ist abnehmbar. Auf der Vorderseite lässt sich die Wand wie zu einer Art Trichter öffnen.

Geöffnete Vorderwand

In dieser Weise haben wir ihn benutzt. Von einem Volk werden sämtliche auf den Rahmen sitzenden Bienen einschließlich Königin und Drohnen in diesen Trichter gekehrt. Die leeren Rahmen werden anschließend ins Innere gehängt und der Deckel sofort wieder verschlossen, damit keine Bienen von außen einfliegen können.

Durch ein schmales Absperrgitter können die Arbeiterinnen wieder in das Innere zu den Waben laufen. Die Drohnen und die Königin sind zu groß und passen nicht hindurch. Sie bleiben deshalb außen vor.

Bienen vor dem Feglingskasten

Bienenkönigin vor dem Feglingskasten (Photo: Sabine Schorr)

Auf den Bildern oben und unten ist genau in der Bildmitte eine nicht gezeichnete Königin mit umgebenden Arbeiterinnen (Hofstaat) zu erkennen.

Bienenkönigin vor dem Feglingskasten (Photo: Sabine Schorr)

Während die Arbeiterinnen zurück zum Volk gelangt sind und sich weiter um die Brutpflege kümmern, habe ich die Königin in einem Klippkäfig mit einem Teil des Hofstaates gefangen. Damit ist das Volk nun erst einmal weisellos. In den nächsten Tagen kommen mehrere neue Königinnen auf dem Postweg an. Eine von ihnen wird dem Volk zugesetzt. Wenn sie angenommen worden ist, beginnt sie nach wenigen Tagen mit der Eiablage und erzeugt so eine neue Generation genetisch unterschiedlicher Bienen, die hoffentlich dann gegen die Kalkbrut resistent sind. Im Idealfall ist die Kalkbrut dann aus dem Bienenvolk wieder verschwunden.

 

Vor über vier Wochen hatte ich die neuen Reinzuchtköniginnen einem Teil unserer Völker zugesetzt. Leider wurden die neunen Damen nicht überall angenommen. Bei der Durchsicht am 24. Juli 2016 fanden wir in einem Volk gleich zehn Nachschaffungszellen vor. Einige von ihnen waren noch offen, andere sogar verschlossen. In letzteren war also eine Königin am heranwachsen. Solche Situation ergibt sich, wenn die neue Königin nicht angenommen worden ist. Ein Volk ohne Königin geht gar nicht! Ohne sie ist es nicht überlebensfähig. Deshalb versuchen die Bienen so schnell wie möglich sich eine neue Königin heranzuziehen. Damit das sicher gelingt, benötigen sie eine Wabe mit frischen Eiern oder frisch geschlüpften Larven. Im Idealfall sind diese Larven nicht älter als ein Tag. Sie werden dann mit dem Königinnenfuttersaft gefüttert, ihre Zelle wird umgebaut und nach knapp zwei Wochen würde die neue Königin dann schlüpfen.

Glücklicherweise hatte ich einen Tag zuvor auf meinen Bauch gehört. An diesem Tag war ich beim Imkereibedarfshändler, um dort das Winterfutter zu kaufen und hatte mir, einer Eingebung folgend, drei begattete Königinnen dort bestellt. Eine wird dann diesem weisellosen Volk zugesetzt werden. Weisel ist die historische andere Bezeichnung für die Bienenkönigin.

Die unten stehenden Bilder zeigen einen Teil der nachgeschaffenen Weiselzellen.

IMG_6379-1

IMG_6381-1

IMG_6382-2

Diese leeren halbkugelförmigen Zellen nennt man auch Spielnäpfchen. Sobald hierin im Königinnenfuttersaft eine neue Königin heranwächst, wird das Spielnäpfchen zu einer Weiselzelle umgebaut und erweitert.

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