Umweiseln – Vorbereitungen mit dem Marburger Feglingskasten

Die erste Honigernte ist eingebracht. Parallel dazu geht es natürlich weiter mit der Pflege unserer Völker. Zwei Völker sind inzwischen weisellos, also ohne Bienenköniginnen. Drei Völker und Ableger haben auf dem Varroaschieber einen Befall mit Kalkbrut. In allen genannten Fällen ist Handeln angesagt, damit das Bienenvolk sich wieder gut und stark entwickeln kann.

Die Kalkbrut ist eine Pilzerkrankung, bei der die Maden von einem Pilz befallen werden, dessen Gespinst sie letztlich abtötet. Die Maden liegen auf der Windel und fassen sich fast steinhart an. Daher auch der Name dieser Bienenkrankheit. Für uns Menschen ist der Pilz ungefährlich. Er taucht im Bienenvolk auf, wenn die Königin in ihrer Legequalität nicht zufriedenstellend ist oder wenn im und um den Bienenstock zu hohe Feuchtigkeit herrscht. Zwei Maßnahmen kann der Imker zur Sanierung ergreifen: entweder er stellt das Volk samt Beute an einem anderen Standort auf oder er tauscht die Königin aus. Wir haben uns für die letzte Möglichkeit entschieden. Den Wechsel oder Austausch einer Königin nennt man in der Imkersprache Umweiseln. Weisel ist ein altdeutsches Wort für die Bienenkönigin.

Der Marburger Feglingskasten ist eines der wichtigsten imkerlichen Handwerksgeräte und ein Multitalent. Wir haben ihn bei der Suche nach der Königin eingesetzt.

Marburger Feglingskasten – Rückseite

 

Marburger Feglingskasten – Vorderseite

Der Kasten wird für verschiedene Maße angeboten. Sein Deckel mit einem diagonal verlaufenden Griff ist abnehmbar. Auf der Vorderseite lässt sich die Wand wie zu einer Art Trichter öffnen.

Geöffnete Vorderwand

In dieser Weise haben wir ihn benutzt. Von einem Volk werden sämtliche auf den Rahmen sitzenden Bienen einschließlich Königin und Drohnen in diesen Trichter gekehrt. Die leeren Rahmen werden anschließend ins Innere gehängt und der Deckel sofort wieder verschlossen, damit keine Bienen von außen einfliegen können.

Durch ein schmales Absperrgitter können die Arbeiterinnen wieder in das Innere zu den Waben laufen. Die Drohnen und die Königin sind zu groß und passen nicht hindurch. Sie bleiben deshalb außen vor.

Bienen vor dem Feglingskasten
Bienenkönigin vor dem Feglingskasten (Photo: Sabine Schorr)

Auf den Bildern oben und unten ist genau in der Bildmitte eine nicht gezeichnete Königin mit umgebenden Arbeiterinnen (Hofstaat) zu erkennen.

Bienenkönigin vor dem Feglingskasten (Photo: Sabine Schorr)

Während die Arbeiterinnen zurück zum Volk gelangt sind und sich weiter um die Brutpflege kümmern, habe ich die Königin in einem Klippkäfig mit einem Teil des Hofstaates gefangen. Damit ist das Volk nun erst einmal weisellos. In den nächsten Tagen kommen mehrere neue Königinnen auf dem Postweg an. Eine von ihnen wird dem Volk zugesetzt. Wenn sie angenommen worden ist, beginnt sie nach wenigen Tagen mit der Eiablage und erzeugt so eine neue Generation genetisch unterschiedlicher Bienen, die hoffentlich dann gegen die Kalkbrut resistent sind. Im Idealfall ist die Kalkbrut dann aus dem Bienenvolk wieder verschwunden.

 

Die Königin ist tot – es lebe die Königin !

Vor über vier Wochen hatte ich die neuen Reinzuchtköniginnen einem Teil unserer Völker zugesetzt. Leider wurden die neunen Damen nicht überall angenommen. Bei der Durchsicht am 24. Juli 2016 fanden wir in einem Volk gleich zehn Nachschaffungszellen vor. Einige von ihnen waren noch offen, andere sogar verschlossen. In letzteren war also eine Königin am heranwachsen. Solche Situation ergibt sich, wenn die neue Königin nicht angenommen worden ist. Ein Volk ohne Königin geht gar nicht! Ohne sie ist es nicht überlebensfähig. Deshalb versuchen die Bienen so schnell wie möglich sich eine neue Königin heranzuziehen. Damit das sicher gelingt, benötigen sie eine Wabe mit frischen Eiern oder frisch geschlüpften Larven. Im Idealfall sind diese Larven nicht älter als ein Tag. Sie werden dann mit dem Königinnenfuttersaft gefüttert, ihre Zelle wird umgebaut und nach knapp zwei Wochen würde die neue Königin dann schlüpfen.

Glücklicherweise hatte ich einen Tag zuvor auf meinen Bauch gehört. An diesem Tag war ich beim Imkereibedarfshändler, um dort das Winterfutter zu kaufen und hatte mir, einer Eingebung folgend, drei begattete Königinnen dort bestellt. Eine wird dann diesem weisellosen Volk zugesetzt werden. Weisel ist die historische andere Bezeichnung für die Bienenkönigin.

Die unten stehenden Bilder zeigen einen Teil der nachgeschaffenen Weiselzellen.

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Diese leeren halbkugelförmigen Zellen nennt man auch Spielnäpfchen. Sobald hierin im Königinnenfuttersaft eine neue Königin heranwächst, wird das Spielnäpfchen zu einer Weiselzelle umgebaut und erweitert.