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Mit diesem Zitat fange ich heute Abend mal an. Der Grund: ein klassischer Fehler ist mir unterlaufen und zwar bei den neuen Völkern auf Dadant.

Letzten Sonntag , bei der Durchsicht von Heinrich, dem Volk aus Bamberg, wundere ich mich über zwei Phänomene: im Volk ist keinerlei unverdeckelte Brut mehr zu erkennen und sehr viele Weiselzellen hängen auf mehreren Rähmchen. Will das Volk etwa schwärmen? Spielnäpfchen sind allerdings nicht vorhanden gewesen. Lebt die Königin etwa nicht mehr und hat vielleicht den Transport doch nicht so gut wie gedacht überstanden? Dagegen sprechen allerdings die riesigen Brutnester. Will das Volk selber seine Königin nicht mehr?

Knapp zwei Wochen zuvor habe ich aus diesem Volk bereits eine Weiselzelle entnommen und in einen Dadant-Ablegerkasten gehängt. Diesen Kasten habe ich vor zwei Tagen das erste Mal danach geöffnet. Die Weiselzelle ist nicht mehr vorhanden. Also dürfte die Königin daraus geschlüpft sein. Tatsächlich, eine Königin läuft auch plötzlich über die Waben. Sie hat einen spitz zulaufenden Hinterleib wie gewöhnlich, aber mit gelblichen Ringen. Also ist sie keine klassische Carnica-Biene.

Die vielen Weiselzellen im Muttervolk machen mich nachdenklich. Deshalb halbiere ich zunächst dieses Volk, Heinrich von mir genannt, und gebe jeder Hälfte einige der Weiselzellen mit in die Beute und verteile die verdeckelte Brut einigermaßen gleichmäßig.

Die zweite Beute platziere ich neben den Dadant-Ablegerkasten und freue mich darüber, auf diese Weise ein weiteres Bienenvolk zu erhalten.

Später, beim Überdenken dessen, was ich gemacht habe, fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Mir ist hier ein klassischer Fehler unterlaufen:

Beim Einhängen der einzelnen Weiselzelle in den Ablegerkasten habe ich die ursprüngliche Königin aus dem Muttervolk nicht erkannt und unbemerkt mitgenommen. Genau diese Königin hat den gelb-schwarzen Hinterleib! Und: die Königin ist nicht markiert.

Im Muttervolk haben die Bienen ebenfalls ganz klassisch reagiert und sich aus der vorhandenen unverdeckelten Brut mehrere Weiselzellen als Nachschaffungszellen gezogen, weil sie keine Königin mehr gehabt haben! Das erklärt sowohl die große Zahl der Königinnenzellen in diesem Volk und das Fehlen von unverdeckelter Brut! Mit anderen Worten: dumm gelaufen.

Immerhin ist der Fehler schnell entdeckt worden. Die Bienen ziehen sich in beiden Beuten neue Königinnen und die Ursprungskönigin lebt nun im Ableger. So kann sich alles noch zum Guten wenden.

Die logischen Konsequenzen: die neuen Königinnen müssen markiert werden, damit so etwas nicht so schnell wieder geschieht und beim Entnehmen von Rahmen sorgfältiger nach der Königin suchen ...

Ende April ist bereits die Schwarmzeit bei den Bienen angebrochen. Die Völker vermehren sich und geraten in Schwarmstimmung. Beim Schwärmen vermehrt sich das Volk als Ganzes, der Bien. Hierbei zieht ein Teil des Volkes mit der alten Königin aus dem Volk aus und sucht sich eine neue Bleibe.

Dieses Schwärmen ist ein den Bienen innewohnender natürlicher Trieb, dazu gedacht, die Art zu erhalten. Unter den heutigen Lebensbedingungen sind geschwärmte Bienen allerdings nicht mehr (über)lebensfähig. Von daher achten wir Imker darauf, das Schwärmen zu verhindern oder Schwärme wieder einzufangen.

Einer der ersten und wichtigsten Schritte hierzu ist es, die Bienen gut zu beobachten und an ihrem Verhalten die Schwarmlust zu erkennen. Eine sehr einfache Maßnahme führt man in dieser Zeit bei der Völkerkontrolle durch.

Wenn eine Magazinbeute zwei Bruträume besitzt, wird der obere Brutraum um 90° gekippt. Das ermöglicht dann von unten einen Blick in die Wabengassen des Volkes ohne das Volk auseinander zu nehmen. Steigt die Schwarmstimmung, beginnen die Bienen am unteren Wabenrand Spielnäpfchen zu bauen. In ihnen sollen neue Königinnen gezüchtet werden, die später im restlichen Volk verbleiben sollen.

Kippkontrolle 28.04.2019 mit Spielnäpfchen

Im obigen Bild sind auf der Unterseite der Rahmen bereits Spielnäpfchen zu erkennen. Jetzt heißt es, das komplette Volk Rahmen für Rahmen auf weitere Spielnäpfchen oder gar Weiselzellen zu untersuchen. Gefundene Näpfchen oder Königinnenzellen, werden zerstört. Damit ist erst einmal wieder für ein paar Tage Ruhe im Volk. Gleichzeitig wird dabei das Volk daraufhin untersucht, ob es reif für Ableger oder Drohnenrahmen ist.

Ein wenig platt und vereinfacht gesagt, wenn die Bienen genug zu tun haben, kommen sie weniger schnell auf dumme Gedanken zu Schwärmen. Eine mögliche Maßnahme ist hierzu das Schröpfen des Volkes, indem ihm Waben mit frischester Brut entfernt und durch leere Rahmen mit Mittelwänden ersetzt werden. Die entnommenen Rahmen können zu einem Ableger verwendet werden. Diese Maßnahmen zählen zur Schwarmlenkung.

Parallel dazu wird in dieser Zeit auf die Drohnenbrut geachtet. Wegen ihrer längeren Brutdauer sind die Drohnenzellen wahre Brutstätten der Varroamilbe. Deshalb kommt in jedes Volk mindestens ein Drohnenrahmen in den obersten Brutraum. Dies ist ein leerer Rahmen, den die Bienen mit Wildbau auffüllen. Anders als bei den Mittelwänden ist hier kein Maß vorgegeben. An den Rand des Brutnestes gehängt, meistens als zweite und/oder neunte Wabe, werden hier Zellen für die Drohnen aufgebaut, bestiftet und bebrütet. Sobald die Brut in ausreichendem Maße verdeckelt ist, wird sie aus dem Volk entfernt und vernichtet. Damit werden Milben entfernt, die sich somit nicht weiter in der Beute ausbreiten können, und zugleich wird Platz geschaffen, den die Bienen wieder neu bebauen können. Im Prinzip sind das Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die damit auch der Schwarmverhinderung dienen können.

Jetzt, in der Hauptzeit des Schwärmens, machen wir diese Kontrolle bei den Wirtschaftsvölkern einmal in der Woche. Das reicht erfahrungsgemäß aus, um einen guten Überblick über die Schwarmstimmung zu erhalten. Sollte dieses nicht ausreichend sein, dann müßten wir eventuell einen sogenannten Zwischenableger bilden, um das Schwärmen zu verhindern. Davon später.

Knapp zwei Wochen sind Heinrich und Kunigunde nun bei uns auf der Streuobstwiese. Zur Erinnerung: diese Bienen, ein Volk (Heinrich genannt) und ein Ableger (Kunigunde), habe ich aus Bamberg geholt. Gesucht habe ich bei den Kleinanzeigen auf ebay unter Dadant Blatt.

Dort, beim Abholen, gab es die böse Überraschung: ich besitze keine Beuten im Maß Dadant Blatt, sondern in Dadant modifiziert. Ich habe mich vorher geirrt...... Wie heißt doch die alte Ingenieursweisheit: wer misst, misst Mist!

Die Bamberger Rahmen sind ein wenig zu kurz für diese Beute. Um nicht unverrichteter Dinge wieder heimzufahren, habe ich die Bienen trotzdem mitgenommen und den Rat der Imkerin befolgt, an eine Seite der Beute innen eine schmale Leiste anzubringen, um die Differenz zu überbrücken. Im Laufe der Zeit kann ich die Rahmen dann entsprechend austauschen.

Dadant - Missverhältnis Rahmenbreite

Im obigen Bild ist das gut zu sehen: die Rahmen aus Bamberg sind um wenige Millimeter zu kurz, sie stehen auf der Fluglochseite auf dem Boden auf. Um die Rahmen wieder horizontal zum Hängen zu bekommen, habe ich auf die Metallschiene eine 5 mm dicke Holzleiste angebracht. Damit ist alles wieder - vorübergehend im Lot.

Spannend ist für mich die erste Durchsicht verlaufen. Im Volk sind viele Rahmen gut besetzt, die Brutnester sind groß, die Königin ist fleißig. Gleich beim Aufstellen in Frankfurt habe ich hieraus einen Ableger gebildet und anschließend sofort den ersten Honigraum aufgesetzt. Dort ist allerdings noch nicht viel passiert, die Bienen haben wenig bisher eingetragen. Ich hoffe, dass sich das bald ändern wird.

Ein wenig anders sieht es im Ableger aus. Bereits beim Öffnen des Königinnenkäfigs kommt mir die Königin ein wenig sonderbar vor: der Kopf ist weit vom Brustkorb entfernt und zur Seite geneigt. Sie lebt aber. Ein wenig skeptisch, bleibt mir nichts übrig als abzuwarten.

Am Sonntag, 28.4.19 hat das Warten ein Ende. Keine Eier, aber verdeckelte Brut. Das spricht dafür, dass die Königin den Umzug doch nicht überlebt haben könnte. Dazu passt ein weiterer Eindruck auf der folgenden Wabe.

Dadant - Weiselzellen und Spielnäpfchen

Hier sind am rechten und am unteren Rand jeweils klassische Königinnenzellen, auch Weiselzellen genannt, zu erkennen. Also liegt hier in der Tat, wie vermutet, ein Fehlen der Königin vor. In den Tagen nach dem Aufstellen haben die ansitzenden Bienen sich aus den vorhandenen Eiern mehrere Königinnen nachgezogen. Damit hat dieses Volk für seinen Fortbestand zu sorgen versucht. Die Zellen sind so weit fortgeschritten, dass aus ihnen in den nächsten Tagen die Königinnen schlüpfen werden.

Unter anderen Umständen hätte ich mir Sorgen gemacht und in Richtung Schwärmen gedacht. In diesem Falle müssten die Spielnäpfchen und Weiselzellen ausgebrochen und zerstört werden. So aber habe ich mich dazu entschlossen, der Natur einfach ihren Lauf zu lassen.

Dadant - Weiselzellen - Detail

Es können mehrere Königinnen schlüpfen. Die erste wird allerdings dafür sorgen, dass sie konkurrenzlos bleiben wird und ihre Rivalinnen abstechen. Hierfür können die Königinnen tasächlich ihren Stachel noch benutzen. Später geht das nicht mehr.

Dadant - Weiselzellen - Detail

Also heißt das nun, dass dieser Ableger in den nächsten Tagen eine neue Königin bekommt. Nach ihrem Schlupf wird sie noch ein paar Tage im Volk verbleiben und dann zu ihrem Hochzeitsflug aufbrechen.

Wenige Tage nach ihrer Rückkehr wird sie dann mit der Eiablage beginnen und diesem Ableger zu neuem Nachwuchs und neuer Größe damit verhelfen.

Neben dieser Wabe mit den Weiselzellen, steht eine weitere in der Beute, allerdings nur mit einer Königinnenzelle. Diesen Rahmen habe ich komplett entfernt und in den Ablegerkasten transportiert. Dort wird dann in den nächsten Tagen eine Königin schlüpfen und für den Nachwuchs im Ableger hoffentlich sorgen. Das macht es dem gebildeten Ableger natürlich auch ein wenig leichter, weil er dann schneller in Brut gehen kann.

Die gegenwärtige Zeit zwischen April und Juni ist die Hochzeit der Bienenschwärme. Um das Schwärmen zu verhindern, gibt es verschiedene imkerliche Maßnahmen, die in das Volk eingreifen.

Eine dieser sehr einfachen Maßnahmen ist die Kippkontrolle. Es tut keinem Bienenvolk gut, wenn es und besonders sein Brutnest regelmäßig auseinander genommen wird. Weil die meisten Weiselzellen in dieser Zeit am unteren Rahmen hängen, reicht deshalb eine regelmäßige Kippkontrolle in den meisten Fällen aus. Hierbei wird die entsprechende Zarge gegenüber dem Flugloch angehoben und hoch gestellt. Diese Position ermöglicht die Kontrolle der Unterseiten der Rahmen und einen Blick in die Wabengassen hinein. Sobald Weiselzellen zu erkennen sind, heißt es aufmerksam zu sein. In diesen Fällen muss dann doch das Volk Wabe für Wabe kontrolliert werden. Vorhandene Weiselzellen werden zerstört oder dem Volk gegebenenfalls entnommen und zur Ablegerbildung verwendet.

Letzten Sonntag, am 28. Mai 2017, hatten wir alle Varianten bei unseren Bienen erlebt und mit einer Wabe mit mehreren Weiselzellen einen neuen Ableger gebildet.

Ablegerkasten mit Schwarmzellen

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