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Die Zeit ist gekommen. Momentan stehen die Honigernten an, meistens ist es dann die zweite Ernte, und anschließend dann die Behandlungen gegen die Varroamilben. Doch vor der Behandlung muss der Honig geerntet worden sein, damit er nicht durch die Behandlung verkehrsunfähig wird.

Der Klassiker der Varroabehandlung ist die Behandlung mit 60 %iger Ameisensäure. Diese wird über verschiedene Methoden und Hilfsmittel oben in der Beute verdunstet. Die Dämpfe wirken auf die Milben ein und führen zu ihrem Tode. Die Bienen bleiben dabei unversehrt.

Wir verwenden diese Methode allerdings nicht. Ich weiß, dass ich damit viel Kritik erhalte. Trotzdem bleibe ich (weitgehend) bei einer - wie ich finde - wesentlich schonenderen Methode. Statt 60%iger Ameisensäure verwende ich 15% und lasse davon drei Liter dieser Lösung für vier Wochen im Volk verdunsten. Das wirkt sanfter und geht über die Dauer eines vollständigen Brutzyklus hinaus. Diese Methode stammt nicht von mir, sondern ist vom Bieneninstitut Oberursel bereits 2004 publiziert worden. Hier der Link dazu:

AS 15 %

Wie gehen wir vor?

Diese Methode funktioniert nur dann, wenn man Beuten mit einem hohen Boden verwendet. Auf bzw. in diesen Boden wird eine Wanne mit drei Litern der 15%igen Ameisensäure gestellt. Dazu müssen die Zargen nicht abgestapelt werden. Es reicht, wenn man das hintere Abschlussbrett des Bodens öffnet und die Einbauten mit dem Varroaschieber entfernt. Auf das Lüftungsgitter wird ein passendes Holzbrett gelegt, damit das Gewicht der Wanne gut aufgefangen werden kann.

Der geöffnete Boden von hinten unten - oben steht bereits die Wanne mit der Ameisensäure
Ein Holzbrett in passender Größe ist eingelegt

In eine passende Wanne aus Kunststoff werden 2250 ml Wasser gegossen und anschließend 750 ml 60%ige Ameisensäure (AS) gegeben. Das entspricht dann in der Verdünnung der 15% AS. Die Reihenfolge ist wichtig, um Unfälle zu vermeiden: erst das Wasser, dann die Säure.

Erst das Wasser, dann die Säure
Nach dem Wasser dann die Säure ...

Wichtig ist dabei anschließend, dass auf die Wanne ein Gitter gelegt wird. Dies verhindert den Tod vieler Bienen des zugehörigen Stockes durch Ertrinken. Die Wanne wird dann in den Boden geschoben.

Der Boden wird anschließend wieder verschlossen. So kann die Beute in den nächsten vier Wochen sich selber überlassen bleiben.

Ein weiterer großer Vorteil dieser Methode: während dieser Behandlungszeit kann bereits mit dem Auffüttern begonnen werden. Wir verwenden dazu Fertigteigfutter in Portionsbeuteln zu 2,5 Kg und legen jeweils zwei Beutel auf die Oberträger der Rahmen.

Fairerweise sei dazu gesagt, dass wir dieses zurzeit nur bei den Ablegern machen. Die Wirtschaftsvölker haben noch ihre Honigräume. Allerdings haben wir bei den Wirtschaftsvölkern zuvor die totale Brutentnahme durchgeführt. Sie sind also bereits vorbehandelt worden.

Den Honig werden wir in wenigen Tagen ernten. Dann erhalten die Wirtschaftsvölker sofort ebenfalls ihr Winterfutter und zwar in Form eines 15 kg schweren Blockes aus Futterteig. Und um auf Nummer sicher zu gehen, wird dann auch hier zusätzlich noch die oben erwähnte Methode mit der 15% AS durchgeführt. Wir haben uns dazu entschieden, um die varroabedingten Winterverluste auf möglichst Null herunter zu fahren. Deshalb eben dieses doppelte Vorgehen.

Im Winter erfolgt dann natürlich noch die zweite Behandlung mit der Oxalsäure.

Mitte/Ende August 2018. Der Sommer geht trotz der anhaltenden Hitze langsam auf sein Ende zu. Draußen sieht es, wegen der Hitze, bereits frühherbstlich aus. Die ersten Blätter liegen auf dem Boden, ebenso das erste Fallobst. Zum Eigenschutz werfen die Bäume vorzeitig ihre Früchte ab.

Auf unserer Streuobstwiese stehen sechzehn Beuten mit Völkern und Ablegern. Wir können ganz zufrieden auf die letzten Monate zurückblicken. Unsere Beutenzahl hat sich verdreifacht. Zähle ich die beiden extern aufgestellen Beuten mit, dann sogar verdreifacht. Mit dabei sind ein zugekauftes Volk, ein Bienenschwarm und viele Ableger, die wir vor Ort gezogen haben.

In den kommenden Wochen gilt es nun, die Bienen langsam auf den Winter vorzubereiten. Sie erhalten bereits jetzt ihre erste Einfütterung. Volk für Volk wird in den nächsten Wochen daraufhin durchgesehen wie sich die Brut entwickelt und ob genügend Futter eingelagert worden ist.

In den umgebenden Wiesen blüht es noch kräftig. Vor allem Kleearten wie Hornklee und Rotklee dominieren hier. Sie blühen bis Mitte September und bieten den Bienen sowohl viel Nektar als auch Pollen. Damit ist der natürliche Tisch für die Bienen noch eine Zeit lang gedeckt. Wir helfen mit der Auffütterung nach und versuchen so, den Bienen optimale Startbedingungen für den Winter zu geben.

Das Blütenangebot wird langsam trotzdem spärlicher. Dadurch sinkt auch der Stress für die Flugbienen. In diesen Wochen werden deshalb im Volk bereits die Winterbienen aufgezogen. Im Gegensatz zu sen Sommerbienen leben sie mehrere Monate. Sie sind am Ausgang des Winters diejenigen, die die Pflege des neuen Volkes übernehmen. Von daher ist es wichtig, dass wir mit möglichst vielen und möglichst gesunden Winterbienen in das kommende Jahr gehen können.

Wenn es draußen kalt wird, ziehen die Bienen sich zu einer Traube im Inneren der Beute zusammen. Im Kern der Traube halten sie eine Temperatur von 20° konstant, auch wenn es draußen sogar deutlich kälter sein kann. Damit das möglich ist, brauchen sie eines: Nahrung. Ohne Vorräte ist das Überleben des Volkes leider nicht möglich.

Meistens um Weihnachten herum ist die Brutzeit beendet. Vorausgesetzt, dass es draußen kalt genug geworden ist. Zu diesem Zeitpunkt erfolgt dann die zweite Varroabehandlung. Hierbei wird mit Zucker versetzte Oxalsäure in die Gänge zwischen den Waben geträufelt. Das verleitet die Bienen dazu sich gegenseitig zu putzen und die Oxalsäure in sich aufzunehmen. Dabei säuert sich ihre Hämolymphe an, was den Milben weder gefällt noch bekommt. Sobald sie die saure Hämolymphe aufsaugen, sterben sie ab. Bienen haben kein Blut wie wir Menschen oder viele andere Tiere. Stattdessen tragen sie in sich eine Ersatzflüssigkeit, die Hämolymphe.

Im Januar oder Februar, sobald es draußen wieder warm wird, beginnt die Königin erneut mit der Eiablage. Die Winterbienen übernehmen die Brutpflege, tragen den ersten Pollen von der Salweide und der Hasel ein und sterben in den folgenden Wochen ab. Die geschlüpften neuen Bienen übernehmen dann ihre Aufgaben und der Kreis schließt sich damit.

 

Nach kurzer Nacht bin ich am Neujahrsmorgen zu den Bienen aufgebrochen. Mit im Gepäck war dabei ein Behälter mit 5,7%iger Oxalsäure. Durch die Zugabe von 275 Gramm Zucker wurde die Konzentration in einem Gefäß auf 3,5% gemindert. Das war damit auch die für die Behandlung erforderliche und zugelassene Säurekonzentration.

Nach dem Desaster vom letzten Winter bin ich dieses Mal besonders neugierig gewesen wie es den Bienen wohl gehen würde. Bei der Durchsicht bin ich angenehm überrascht worden: unsere Bienen leben noch!

Neu ist in diesem Jahr ein technisches Instrument gewesen. Von Andermatt-Biovet habe ich mir eine Automaikspritze kommen lassen. Der Vorteil: die benötigte Menge an Säure wird hierbei direkt aus dem Vorratsgefäß angesogen und in die Wabengassen geträufelt. Durch den langen Arm ist das Zugeben sogar besonders bequem geworden.

Automatikspritze für Oxalsäure

Allerdings, wie es dann doch so ist, spielt die Technik nicht immer so mit wie sie es soll. Anfangs funktionierte die Ansaugpumpe überhaupt nicht. Zwar saugte sie ein paar Milliliter an, aber das war es dann auch schon. Nichts tropfte vorne an der Spitze heraus. Ich wollte schon verärgert aufgeben, heimfahren und eine klassische Einwegspritze besorgen, als das Gerät dann doch plötzlich richtig gut zu funktionieren begann.

In jede besetzte Wabengasse habe ich die voreingestellten  3,5 ml Oxalsäure über die Bienen tropfen lassen. Zuvor habe ich bei allen Völkern in der Schnelldurchsicht von oben keine erkennbare Brut gesehen. Das war natürlich ideal. Allerdings habe ich nirgendwo die aus der Literatur bekannte und erwähnte klassische Traube mitten in einem Brutraum entdecken können. Alle Bienen sind stets oben und seitlich, aber nie in der Mitte, am Krabbeln gewesen.

Mit dieser Maßnahme ist die Winterbehandlung 2017/2018 abgeschlossen. Im Sommer hatte ich als Maßnahme gegen die Varroamilbe die vollständige Brutentnahme durchgeführt. Nun heißt es abzuwarten, was das Ende des Winters bringen wird und wieviele unserer Völker tatsächlich überleben werden.

Zwei Völker sind relativ mickrig und schwach. Zum Glück habe ich im Sommer nach der Honigernte mehrere Futterwaben beiseite gestellt. Davon werden diese beiden Völker je eine bekommen. Damit, so hoffe ich, werden sie den Winter überleben und sich im Frühjahr zu je einem neuen großen Volk entwickeln können.

Die begonnene Winterbehandlung haben wir heute abgeschlossen. Bei keinem unserer Völker hat sich die Wintertraube gebildet. Überall füllen die Bienen ihre Rahmen aus, teilweise auf zwei Zargen sogar.

Aus diesem Grunde kam in diesem Winter keine Oxalsäure zum Einsatz. Milchsäure wurde auf die Bienen fein gesprüht, nachdem sicher war, dass keine verdeckelte Brut vorhanden war. Um das festzustellen, mussten wir die bislang unbehandelten Völker komplett durchschauen. Aber nun sind sie alle behandelt worden.

Die offene Frage bleibt natürlich: wie werden sie im nächsten Frühjahr mit der Milbe zurecht kommen?  War unsere Behandlung ausreichend?

Darüber wird es dann im Frühjahr hier an gleicher Stelle den Zustandsbericht geben.

 

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