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29. Mai 2019 - !4:02 Uhr Frank ruft mich über das Smartphone an und erreicht mich nicht (ich bin im Studio beim Training)

14:33 Uhr Ich rufe zurück und erreiche Frank nicht.

14:34 Uhr Frank ruft mich an und erzählt, Herr T aus Frankfurt habe bei ihm angerufen, in seinem Garten sei ein Bienenschwarm im Pflaumenbaum. Ob das eventuell Bienen von uns sein könnten?

14:35 Uhr - Ich rufe Herrn T an, der mir ganz aufgeregt von einem Schwarm in seinem Pflaumenbaum berichtet. Leider hat er keine Ausrüstung, um den Schwarm bergen zu können.

Sowohl Frank als auch ich sind zu diesem Zeitpunkt noch am Arbeiten. Ich beende meine Tätigkeit und fahre nach Hause, um Schutzkleidung und notwendige Gerätschaften zu holen. Von dort aus fahre ich direkt in den Niddapark zu Herrn T., den ich um 15:56 Uhr anrufe und Bescheid gebe, dass ich in seinem Garten stehe.

Noch ohne Schutzkleidung wird der Schwarm erst einmal eingesprüht und so mit einer Wasserhülle umgeben, die verhindern soll, dass die Bienen vorschnell auffliegen.

Schwarm im Zwetschgenbaum
Den Schwarm direkt vor den Augen

In unmittelbarer Nähe stelle ich die Bienenbeute auf. Das Flugloch ist bereits geöffnet. Neu ist dieses Mal, dass ich keine Leerzarge verwende, sondern gleich eine mit zehn Mittelwänden gefüllte.

Zwei Leitern stehen bereit, beide benutzen wir. Vorher legen wir uns jeder Schutzkleidung an. Dann sprechen wir die möglichen Arbeitsschritte ab und einigen uns darauf, dass Herr T. die Auffangkiste hält und ich die Bienen vom Geäst abschlage.

So machen wir das dann auch, klettern beide auf unsere in Stellung gebrachten Leitern. Nach einem kräftigen Schlag auf den Hauptast fallen die Bienen in die Plastikkiste hinein. Ein kleiner Teil fällt auf den Boden und ein noch kleinerer Teil auf Herrn T.

Bergen des Schwarms - Bienen sind auf dem Boden der Kiste erkennbar

Von der Anzahl der Bienen und dem Gewicht her ist dies ein durchaus schon ein etwas größerer Schwarm.

Bergen des Schwarms - Bienen auf dem Boden der Kiste

Es ist ein wunderschöner Anblick zu sehen wie die Bienen aus der Kiste dann über die Mittelwände gegossen werden und sofort in den Wabengassen verschwinden. Dieses Fließverhalten erinnert mich an zähe Lava oder auch an etwas hochvisköses Öl. Natürlich fliegen viele Bienen dabei wieder auf. Ein großer Teil versammelt sich erneut an der Stelle im Baum, von der wir den Schwarm entnommen haben.

Umgießen der Bienen in die Bienenbeute

Den Deckel der Beute schließe ich. Durch das breite Einflugloch krabbeln die Bienen sowohl vom Erdboden als auch aus der Plastikkiste in die Beute hinein. Vermutlich dürfte ich somit wohl die Königin erfolgreich mit ins Volk gegossen haben.

Verschließen der Beute

Wir warten einige Minuten ab, dann schlagen wir in gleicher Arbeitsverteilung und nach gleichem Plan die sich inzwischen zu einem großen Tropfen versammelten und im Baum an gleicher Stelle hängenden Bienen in die Kiste.

Restbienen

Dieses Mal stelle ich die Kiste hochkant neben das Einflugloch auf den Boden. Innerhalb von nur wenigen Minuten laufen die Bienen in die Beute ein und gesellen sich dem Rest zu.

Gefangene Restbienen in Kiste
Geborgene Restbienen in der Plastikkiste vor der Beute

Bis zur Dämmerung bleibt die aufgestellte Beute noch offen. Dann wird das Flugloch von Herrn T. geschlossen und morgen, am Himmelfahrtstag hole ich die Bienen ab, um sie bei uns auf der Streuobstwiese aufzustellen. Davon folgt demnächst mehr.

Leere Kiste nach Einlaufen der Bienen in die Beute
Flugloch der Beute - die Bienen sind jetzt im Inneren

Seit einem Tag stehen die eingesammelten Bienen aus dem Schwarm vom 2. Mai 2019 stehen nun bereits auf der Streuobstwiese, ihrem neuen Standort. Hierbei leben sie vorübergehend in einer Art Dunkelkammer. Die Beuten-eingänge sind verschlossen, der Boden ist nach unten durch ein Gitter offen und zugleich für die Bienen undurchlässig. In diesem Setting sollen sie zur Ruhe kommen und sich vom Schwarm- in den Normalbetrieb umstellen.

Es gibt Imker, die lassen die als Schwarm gefangenen Bienen bis zu drei Tage stehen und "abkühlen". Nach meiner Erfahrung reicht dazu jedoch auch nur eine einzige Nacht aus.

Der Bienenschwarm am neuen Standort

Wie geht es dann weiter?

Die Bienen hängen oder sitzen ohne Halt gebende äußere Struktur in der Beute. Deshalb ist der erste Schritt, ihnen Mittelwände zum Besiedeln und Ausbauen zu geben. Eine Zarge mit 10 Mittelwänden wird dazu auf die vorhandene Leerzarge gestellt.

vorne: 10 Mittelwände in Zarge, hinten: der Schwarm in der Beute

Anschließend sollen und müssen die Bienen draußen herumfliegen und bestäuben und sammeln können. Dementsprechend wird das Flugloch auf der Vorderseite der Beute geöffnet und mit einem Anflugbrett versehen. Letzteres erleichtert den Bienen das Landen und hilft der Orientierung.

Beim Fangen und Bergen ist alles nahezu perfekt abgelaufen. Jetzt es ist das nicht mehr ganz so. Als ich den Deckel anhebe, hängen die Bienen allesamt direkt an und unter ihm in einer dichten Traube zusammen. Beim Abheben und zur Seite Stellen fällt ein Teil der Traube neben die Beute auf den Erd-boden. Den besetzten Deckel stelle ich mit den ansitzenden Bienen kurz ab, platziere die Mittelwände über der Leerzarge und schlage die Deckelbienen dort hinein. Sie sickern schnell durch die Wabengassen nach unten.

Bienenschwarm auf Deckel

Die Außentemperatur ist an diesem Abend schon nicht mehr gerade bienen freundlich zu nennen. Dadurch reagieren die Bienen deutlich langsamer als sonst. Um die auf dem Boden sitzenden krabbelnden Bienen in die Beute zu bekommen, positioniere ich den ihnen vertrauten Deckel einfach hochkant neben ihnen. Bereits nach wenigen Minuten krabbeln sie auf ihn herauf, nach weiteren Minuten sind alle Bienen vollständig dort versammelt und lassen sich einfach in die Wabengassen einschlagen.

Bienen laufen in Richtung Deckel

Schwärmende Bienen sind im Regelfall relativ ruhig. Die niedrige Tempe-ratur tut hierzu ein Übriges. Die jetzt inzwischen eingehausten Bienen haben außer ihrem Futtervorrat im Magen nichts weiteres zu Essen dabei. Für den kommenden Wachsbau benötigen sie viel Energie. Von daher ist es logisch, dass ich ihnen Futter zur Verfügung stelle. Hierzu nehme ich einen mit Pollen versetzten Fertigfutterteig und lege ihn ganz einfach auf die Oberträger der Rahmen. Abschließend kommt noch eine Folie darüber, dann die beiden Deckel und alles ist mehr oder minder fertig und vollbracht.

Mittelwände mit aufgelegtem Futterteig

Am Ende wird noch das Flugloch geöffnet. Jetzt können die Bienen sich in ihrer neuen Behausung einrichten. Es wird nicht sehr lange dauern, bis die ersten ausfliegen und nach Futterquellen Ausschau halten. Damit die Königin Eier legen und die Bienen neben dem Bauen die Brut pflegen können, brauchen sie eines: Futter und Energie, also Nahrung.

Aus der Erfahrung heraus sind die Mittelwände bereits nach einer knappen Woche vollständig mit Waben ausgebaut, so dass die Königin zügig in die Eiablage gehen kann. Kurz bevor die ersten Zellen verdeckelt werden, erfolgt noch eine Sprühbehandlung zur Bekämpfung der Varroamilbe.

Des Schwarmes neues Zuhause

Man sagt zwar, dass die Schwarmbienen weitgehend frei von Milben sind, aber eine Garantie hierfür gibt es nicht. Viele Milben sitzen direkt auf den Bienen und reisen als blinde Passagiere mit. Deshalb wird zur Sicherheit und zur Gesunderhaltung einmalig eine Sprühbehandlung durchgeführt. Hierzu bieten sich entweder Milchsäure oder Oxalsäure an. Beide sind für die Bienen unschädlich. Wegen der besseren Resistenzlage bevorzuge ich die Oxalsäure (die übrigens jeder, der schon einmal Rhabarber gegessen hat, aus eigener Erfahrung kennt).

Bislang haben wir vier Ableger von unseren Bienen erstellt. Die Kästen habe ich unmittelbar danach in einem Garten in über zwei Kilometer Entfernung aufgestellt. Am Sonntag, 3.6.18, habe ich die ersten beiden Ableger in ihren Kästen zurückgeholt.

Etwas über vier Wochen standen sie bei Herrn T. in dessen Garten. Diese Zeit ist wichtig, damit die Bienen sich aus der vorhandenen eigenen Brut ihre neue Königin ziehen können. Genetisch stammt die Königin damit aus dem Muttervolk. Die von ihr produzierten Bienen nur noch zur Hälfte, die andere Hälfte des Erbgutes steuert eine unbekannte Drohne bei. Damit sind alle Bienen in diesem neuen Volk Halbgeschwister über die Königin als Mutter.

Herr T. hat die Bienen in seinem Garten sehr genossen. Vom Liegestuhl aus sieht er ihnen häufig und lange zu.

Ablegerkästen bei Herrn T. in der Frankfurter Römerstadt

Die beiden kleinen Kästen in der oberen Reihe stehen seit dem 3.6.2018 wieder auf dem Riedberg. Beide Ableger haben sich unterschiedlich entwickelt: der eine wird recht groß und stark, der andere ist noch ein wenig schwach auf der Brust, aber wird kommen und benötigt nur noch etwas Zeit.

In beiden Kästen hat die neue Königin bereits Eier gelegt, die ersten Maden sind auch schon zu sehen. Damit kann sich hieraus nun ein neues Volk entwickeln.

Flugbetrieb am Ableger

Flugbetrieb am Ablegerkasten

Die Bienen dieses Ablegers sind schon sehr fleißig am Erkunden der neuen Heimat. Die des zweiten Ablegers sind hingegen noch etwas zögerlich. Aber sie sind ja auch etwas später als Ableger zusammengestellt worden.

Beide Ableger-Rahmen haben wir in eine normale Zarge mittig eingehängt und von beiden Seiten mit jeweils zwei Mittelwänden umrahmt. Mehr ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht nötig. Natürlich hoffen wir, dass hieraus bald und zügig jeweils zweizargige Jungvölker werden.

Vor acht Tagen haben wir ihn im Norden Frankfurts gefangen und anschließend auf dem Riedberg aufgestellt.

Der Schwarm entwickelt sich gigantisch. Nach einer Woche sind bereits sämtliche Mittelwände ausgebaut. In der unteren Zarge sind trotzdem noch sehr viele Bienen, von oben herab haben die Bienen bereits Wildbau angelegt.

Unser Bienenschwarm nach einer Woche

Beim Aufklappen der Zargen hängen Bienen traubenförmig herab bis in die untere Leerzarge. Der Schwarm ist in der Tat recht groß.

Schnell beschließen wir daraufhin, die untere leere Zarge zu entfernen. Wir füllen sie komplett mit Mittelwänden auf und stellen sie als 2. Etage oben wieder auf. Aber nicht als zweiten Brutraum, sondern gleich als Honigraum. Das hat zur Folge, dass zwischen die beiden Zargen natürlich noch ein Absperrgitter gelegt wird, damit die Königin im oberen Raum keine Eier legen kann.

Für uns ist dieses Vorgehen Neuland. Bislang haben wir einen gefangenen Schwarm immer erst im nächsten Jahr zur Honigernte herangezogen. Ich bin auf das Ergebnis schon sehr gespannt.

Vor dem Flugloch herrscht reger Hochbetrieb, ein ständiges Kommen und Gehen.

Flugbetrieb am Schwarm

Flugbetrieb am Schwarm

Es geht intensiver zu als am nahe gelegenen Frankfurter Flughafen.

 

 

 

Noch in der Nacht des Fangens bringen wir den Schwarm auf den Frankfurter Riedberg. Bis zum nächsten Mittag lassen wir ihn dort unverändert stehen. Das Flugloch der Beute bleibt zunächst verschlossen.

Am nächsten Tag  wird es dann mittags spannend: ich öffne das Flugloch und befestige sofort ein Anflugbrett, damit die Bienen es beim Landen leichter haben.

Kaum ist das Loch geöffnet, strömen die ersten Bienen orientierungslos nach draußen. Sie müssen sich nun neu in der Umgebung orientieren. In der Imkersprache heißt dieser Vorgang "Einfliegen".

Der Schwarm in seiner Beute

Große Futtervorräte haben sie nicht mitnehmen können. Deshalb ist es wichtig, dass sie sich jetzt zügig Futtervorräte anlegen können während sie parallel dazu mit dem Bau neuer Waben beginnen. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, in welcher Geschwindigkeit ein Bienenschwarm innerhalb weniger Tage seine Waben aufgebaut hat. Zur Erleichterung haben wir ihnen in der oberen Zarge bereits die Mittelwände eingehängt. Bauen kostet die Bienen Energie. Die Trachtbedingungen sind günstig hierfür zurzeit, so dass der neue Aufbau schnell erfolgen kann.

In wenigen Tagen schauen wir in das Schwarmvolk hinein. Dann gibt es vielleicht schon Neues zu berichten.

Die große Zahl an Völkerverlusten hat uns in diesem Jahr dazu genötigt, die Rahmen aus den  verlassenen Bienenbeuten aus hygienischen Gründen nicht wieder zu verwenden, um auf diese Weise keine Bienenkrankheiten innerhalb unserer Bienenstöcke zu übertragen. Das in den Rahmen enthaltene Wachs wird statt dessen vollständig eingeschmolzen.

Nicht nur deshalb haben wir uns vor wenigen Tagen einen Sonnenwachsschmelzer zugelegt und auf der Streuobstwiese bereits aufgestellt. Um einen eigenen Wachskreislauf zu starten, war dieser Schritt längst überfällig gewesen. Dreizehn Rahmen im Zanderformat passen in ihn hinein. Sobald die Sonne intensiv genug scheint, beginnt in seinem Inneren die Wachsschmelze.

Sonnenwachsschmelzer 26.03.2017

Das dann abtropfende Wachs läuft in eine teflonbeschichtete Wanne am tiefsten Punkt des Schmelzers. Dort wird es entnommen und gesammelt. Sobald genügend Wachs auf diese Weise zusammengekommen ist, muss es noch weiter aufbereitet werden. Dieses Wachs enthält noch immer eine große Menge an Fremdkörpern und Fremdstoffen wie Häutungsreste, Puppenreste, Pollen oder Honig. Im Wasserbad wird es in einem Metalleimer erneut eingeschmolzen und anschließend gefiltert. Dieses gereinigte Bienenwachs wird danach zur Wiederaufbereitung verschickt und kehrt in Form neuer Mittelwände zu uns zurück. Diese Mittelwände werden später wieder in unsere Rahmen eingelötet und von den Bienen als Start zum weiteren Wabenbau genutzt. Damit schließt sich der Kreis. Wir benötigen dann kein fremdes Wachs mehr von außerhalb.

Unser zu schmelzendes Wachs wird in zwei Gruppen eingeteilt. Einerseits wird  es aus den Beuten der toten Völker gesammelt. Theoretisch könnte es noch mit den Krankheitserregern belastet sein, an denen die Völker zuvor gestorben sind. Die andere Gruppe nenne ich einfach mal Bio-Wachs. Hierbei handelt es sich um das beim Entdeckeln der Honigwaben gewonnene Material und um den Wildbau aus den Drohnenrahmen. All dieses Wachs ist ohne Hilfe von Mittelwänden direkt von den Bienen produziert worden. Damit ist es weitgehend frei von Schadstoffen und ungleich wertvoller als das der anderen Gruppe.

 

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