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Völkerkontrolle am Anfang Juli. Das klingt eher nach ein wenig Routine, aber es gibt dabei doch eine Menge an Überraschungen.

Nach der totalen Brutentnahme erfolgt heute die Entnahme der eingesetzten Fangwaben. In ihrer verdeckelten Brut sind ein Teil der im Volk verbliebenen Varroamilben. Nach ihrer Entnahme ist dieses Volk nun varroaarm, aber nicht varroafrei. Ein Großteil der Milben ist verschwunden u.z. durch die Entnahme der Brut.

Fangwabe nach der totalen Brutentnahme
Fangwabe nach totaler Brutentnahme

Dies sind die Bilder aus einem Stock von der zugehörigen Fangwabe. Sie sieht nicht anders aus als alle anderen Waben. Beim Betrachten dieses Brutnestes bleibt natürlich die Frage, haben wir eine gute Brutwabe gewählt? Große Brutmengen sind nicht darauf zu erkennen. Hier wäre ein größeres Brutnest sicherlich besser gewesen.

Die Überraschungen kommen bei den anderen Völkern und Ablegern. Der heutige Tag könnte bei uns als Tag des Wildbaus eingehen.

Ein paar Bilder dazu:

Wildbauin Tropfenform
Wildbau in Tropfenform

Wildbau in Tropfenform habe ich in dieser Art in einem Wirtschaftsvolk so noch nicht gesehen.

Bei einem Ableger wird der Wildbau nach oben hochgezogen und das nicht nur an einer, sondern gleich an vier Stellen:

Wildbau auf einem Ableger nach oben

In einem Ableger, den ich auf Dadant führe, sieht es ebenfalls wild aus: am Schied hängen die ersten Waben fest und gehen auf den benachbarten Rahmen über:

Wildbau in einer Dadant-Beute am Boden und am Rahmen abblätternd
Pendant dazu am benachbarten Schied

So sieht der Wildbau am entnommenen Rahmen aus:

Wildbau auf Dadant

Sämtlichen Wildbau haben wir entfernt. Das Wachs wird eingeschmolzen und damit Teil unseres Wachskreislaufes.

16. Juni 2019, morgens 7 Uhr. Es regnet. Schlechte Voraussetzungen zum Imkern, aber noch ist es noch etwas Zeit bis dahin. 10 Uhr. Es regnet noch immer. 10:20. Es hat aufgehört und der Boden trocknet bereits ab.

Um 10:45 bin ich mit allem nötigen "Gepäck" einschließlich meiner Kamera bei den Bienen auf der Streuobstwiese. Die Sonne scheint, die Wiese ist natürlich noch feucht. Zum Glück habe ich mir meine Gummistiefel angezogen.

Beim ersten Rundgang ist alles ruhig. Die Bienen schlafen mit Sicherheit nicht mehr, sind aber entweder noch nicht oder nur erst spärlich an den Fluglöchern und Flugbrettern zu sehen. Innerhalb weniger Minuten ändert sich das schnell. Kaum ist es trocken und nicht mehr bewölkt, sonnig, sind sie draußen und beginnen zu fliegen.

Wir haben uns heute nicht einmal so viel vorgenommen. Beim letzten Mal haben wir festgestellt, dass die Ableger hungern. Also sollen sie heute zusätzliches Futter erhalten.

Während ich an den Ablegern arbeite, geht Matthias zu den Wirtschaftsvölkern. Wir arbeiten parallel.

Die Ableger haben wir fast ausschließlich in normalen Zargen untergebracht. Beginnend mit drei Waben, füllen wir sie je nach Entwicklungszustand allmählich auf. Die zugesetzten Futtervorräte sind letzten Sonntag schon so gut wie aufgebraucht. Matthias hat ihnen deshalb jeweils eine Portion Futterteig zugegeben.

Beim Blick in die Beuten sieht es in der Tat recht trostlos aus. Die Speisekammern sind leer. Vom Futterteig sind nicht einmal mehr Reste zu finden. So kann sich der Ableger kaum zu einem starken Volk entwickeln. Aus unseren Vorräten habe ich deshalb weiteres Futter mitgebracht. Es ist ja in unserem eigenen Interesse, dass wir möglichst viele und möglichst starke Ableger und Jungvölker entwickeln, mit denen wir in den kommenden Winter gehen können.

Ableger in seiner Zarge
Futtersirup Apiinvert im Portionsbeutel

Die Oberseite dieses Portionsbeutel steche ich mehrfach mit einem sehr dünnen Nagel ein. Mit dieser Seite nach unten, wird der Beutel auf die Oberseite der Rahmen gelegt. Die Schwerkraft drückt den Sirup nach außen und die Bienen können das Futter einfach abnehmen.

Ableger mit Futtersirup

Dies sind jetzt 2,5 kg Zuckersirup, den die Bienen hier erhalten haben. Ich bin gespannt wie lange diese Menge ausreichen wird.

Ableger in seiner Zarge
gleicher Ableger mit aufgelegtem Futtersirup

Auf diese Weise habe ich fünf Ableger versorgt. Das reicht leider noch nicht aus, weil wir wesentlich mehr besitzen. Auf alle Fälle werde ich deshalb in den nächsten Tagen neues Futter besorgen für eine ausreichende Menge an Nachschub für alle Ableger sorgen.

Zum Spätsommer füttern wir unsere Bienen normalerweise auf die gleiche Weise mit einem festen Futterteig auf. Das ist bei den gebildeten Ablegern allerdings nicht sonderlich hilfreich. Ihnen fehlen noch die Flugbienen, die von außerhalb Wasser eintragen können. Also muss das Wasser per Futter gleich mit ins Haus geliefert werden.

Während ich an den Ablegern zugange bin, sieht Matthias einen Teil der Wirtschaftsvölker durch. Er fragt mich, ob wir noch einen Ablegerkasten übrig hätten. In einem Volk habe er einen Rahmen voller Weiselzellen entdeckt. Diese Weiselzellen sind vollständig verdeckelt. Wenn man die Entwicklungszeiten einer Bienenkönigin erinnert, sind diese Zellen in diesem Stadium bereits mindestens acht Tage alt.

Auflösung: auf dieser Wabe sind es zusammen auf der Vorder- und Rückseite zwanzig Weiselzellen gewesen. Alle verdeckelt und mit Puppen gefüllt.

Aus einem weiteren Rahmen, der vier Weiselzellen enthält, und entsprechenden Begleitrahmen mit Futter und Brut bildet Matthias einen neuen Ableger.

Ablegerkasten mit Weiselzellen innen

So viele Ableger wie in diesem Jahr haben wir schon lange nicht mehr gebildet. Wir werden sie hegen und pflegen, d.h. füttern und damit kräftig wachsen lassen. Zum Spätsommer kommt dann die Entscheidung, ob wir sie einzeln so belassen wie sie dann sind oder mit einem anderen Ableger zu einem doppelt so starken Volk vereinigen werden. Davon werde ich später berichten.

Noch ist die Schwarmzeit bei den Bienen nicht zu Ende. In einem anderen Wirtschaftsvolk habe ich bei der Kontrolle ein Spielnäpfchen gefunden, dass von den Bienen gerade zu einer neuen Weiselzelle umgebaut wird.

Vom Spielnäpfchen zur Weiselzelle

Das ursprünglich kugel- oder becherförmig aussehende Spielnäpfchen wird an seiner Wurzel bereits wabenförmig zur Königinnenzelle umgebaut. Das bedeutet, dass dieses Volk durchaus noch in Schwarmstimmung ist und wir aufpassen müssen, dass es nicht abschwärmt. Anfang bis Mitte Juli ist die Schwarmzeit in der Regel wieder vorbei. Bis dahin müssen wir noch aufpassen.

Neben dem oben erwähnten Volk steht ein vor kurzem gefangener Bienenschwarm. Bei seiner Durchsicht zeigt sich, dass alles in bester Ordnung ist. Dieses Volk ist stark, brütet kräftig, hat sämtliche ihm zugegebenen Mittelwände im Brutraum inzwischen voll ausgebaut. Auch in dem vor einer Woche aufgesetzten Honigraum sind die ersten Ausbauten im Gange.

Honigraum im Schwarmvolk

Der Blick in die Wabengassen, den Raum zwischen den einzelnen Rahmen, im Honigraum offenbart, dass auch hier kräftig gebaut wird. Die ersten Zellen sind bereits mit Nektar gefüllt.

In der Reihe dieser Völker stehen ebenfalls noch zwei Ableger. Bei einem habe ich einen kuriosen Wildbau entdeckt. Von der Abdeckfolie ausgehend wächst ein Tropfen mit Zellen nach unten.

Wildbau an Abdeckfolie, stehend
Wildbau an Abdeckfolie, hängend wie im Original

Dieser Wildbau hängt unmittelbar neben der letzten Wabe von der Decke im freien Raum.

Auf unserer Streuobstwiese blüht es zur Zeit kräftig. Eine Blüte ist mir dabei besonders aufgefallen:

Blüte auf unserer Streuobstwiese: orangerotes Habichtskraut

Daheim habe ich sogleich mein Bestimmungsbuch zu Rate gezogen. Es handelt sich hierbei um das orangefarbene Habichtskraut. Laut Information aus dem Bestimmungsbuch kommt es wild ziemlich selten vor. Von daher dürfen wir uns glücklich schätzen, diese seltene Pflanze bei uns zu haben.

Beim Imkern gibt es immer wieder Überraschungen. Diese müssen nicht zwangsläufig unangenehm sein.

Am Sonntag, 3.6.2018, imkern wir zusammen mit Georg von der Jugendgruppe der Bee Friends Frankfurt, unserem Imkerverein.

Gegen die Varroamilbe arbeiten wir mit biologischen Verfahren. Dazu zählt beispielsweise das Drohnenbrutschneiden. Weil Drohnen drei Tage mehr Zeit für ihre Entwicklung brauchen als Arbeiterinnen, sind ihre verdeckelten Zellen ideal für die Vermehrung der Varroamilbe. Sie kann sich dort wesentlich länger vermehren als in normalen Arbeiterinnenbrutzellen. Deshalb hängen wir in jedes Volk einen leeren Rahmen hinein, in dem die Bienen sich bevorzugt ihre Drohnenbrut heranziehen können. Diese Rahmen heißen Baurahmen oder auch Drohnenrahmen. Von April bis zum Juli werden sie regelmäßig aus dem Volk herausgenommen, sobald deren Brutzellen verdeckelt sind. Dadurch entfernen wir automatisch einen großen Teil der Varroamilben ohne dass wir Chemie einsetzen müssen. Diese Baurahmen weisen in der Regel Waben auf, die als Wildbau tropfenförmig und nicht so geordnet rechteckig aussehen wie in den übrigen Rahmen.

Einen solchen Baurahmen habe ich entnommen und Georg gezeigt. Sein erster Satz: "der sieht ja aus wie ein Hintern!" Hier das zugehörige Photo:

Drohnenrahmen Vorderseite

Drohnenrahmen Rückseite

In der Tat, eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich da schon finden, so dass Georg mit seiner spontanen Äußerung Recht hat.

In einem unserer Ablegerkästen finden wir am gleichen Tag ebenfalls ein schönes Kunstwerk. Vom Deckel her haben die dortigen Bienen Wildbau betrieben. Das Ergebnis ist weiter unten zu sehen.

Wildbau im Ablegerkasten - Bee Art - Vorderseite

Wildbau im Ablegerkasten - Bee Art - Rückseite

Mich erinnert die blatt-, flammen- oder tropfenähnliche Form des gebildeten Bienenwachses an Darstellungen Buddhas, der davor thront und hier allerdings fehlt.

Vor acht Tagen haben wir ihn im Norden Frankfurts gefangen und anschließend auf dem Riedberg aufgestellt.

Der Schwarm entwickelt sich gigantisch. Nach einer Woche sind bereits sämtliche Mittelwände ausgebaut. In der unteren Zarge sind trotzdem noch sehr viele Bienen, von oben herab haben die Bienen bereits Wildbau angelegt.

Unser Bienenschwarm nach einer Woche

Beim Aufklappen der Zargen hängen Bienen traubenförmig herab bis in die untere Leerzarge. Der Schwarm ist in der Tat recht groß.

Schnell beschließen wir daraufhin, die untere leere Zarge zu entfernen. Wir füllen sie komplett mit Mittelwänden auf und stellen sie als 2. Etage oben wieder auf. Aber nicht als zweiten Brutraum, sondern gleich als Honigraum. Das hat zur Folge, dass zwischen die beiden Zargen natürlich noch ein Absperrgitter gelegt wird, damit die Königin im oberen Raum keine Eier legen kann.

Für uns ist dieses Vorgehen Neuland. Bislang haben wir einen gefangenen Schwarm immer erst im nächsten Jahr zur Honigernte herangezogen. Ich bin auf das Ergebnis schon sehr gespannt.

Vor dem Flugloch herrscht reger Hochbetrieb, ein ständiges Kommen und Gehen.

Flugbetrieb am Schwarm

Flugbetrieb am Schwarm

Es geht intensiver zu als am nahe gelegenen Frankfurter Flughafen.

 

 

 

Vor einer Woche ist es dazugekommen. Das neue Volk besteht aus 10 Rahmen voll mit brütenden Bienen und einer gelb markierten Königin. Weil es so stark ist, hat es noch vor dem Transport 10 Mittelwände "obendrauf" erhalten. So in diesen beiden Zargen haben wir es aufgestellt.

Heute, nach einer Woche, erfolgt die erste Kontrolle. Sie ist gleich mit einem Staunen verbunden. Sämtliche 10 Mittelwände der oberen Zarge sind nahezu vollständig ausgebaut. In der unteren Zarge wird es langsam sogar eng. Dieses Volk ist stark. Da gilt es wachsam zu bleiben, um ein Schwärmen zu verhindern.

Wildbau auf den Oberträgern des neuen Volks

Wie baufreudig die Bienen sind, zeigt sich im Wildbau zwischen den Oberträgern des unteren Brutraums und den darüber hängenden Rahmen mit Mittelwänden. Dieses Wach wird entfernt und bei der nächsten Gelegenheit eingeschmolzen.

Auf mehreren Ursprungsrahmen sind die ersten verdeckelten Drohnenzellen sehr deutlich zu erkennen. Deswegen habe ich sofort einen Drohnenrahmen in das Volk neben das Brutnest gesetzt. Zwei Gründe sprechen dafür: ich vermindere durch diese biologische Bekämpfung mit Drohnen- oder Baurahmen den Befallsdruck mit der Varroamilbe. Je mehr Varroamilben ich jetzt bereits aus dem Volk entferne, desto niedriger wird der Befall im Sommer und Spätsommer sein.

Im Drohnenrahmen erfolgt der Zellenbau als Wildbau. Der Rahmen ist ohne Drähte und Mittelwand. Dadurch können die Bienen klassischen Wildbau in Tropfenform betreiben. Sobald die Zellen verdeckelt sind, wird der Rahmen entfernt, die Zellen ausgeschnitten und tiefgefroren, damit Milben und Brut absterben. Anschließend wird das Wachs im Dampfwachsschmelzer eingeschmolzen und zurückgewonnen. Die verblieben Reste gehen in die Mülltonne zur Verbrennung.

Reinstes und bestes Wachs gewinne ich hierdurch und starte meinen eigenen Wachskreislauf. Davon später mehr.

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