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Vor gut einer Woche war ich (Matthias) mal wieder kurz in Tokio, wo ich im Supermarkt nach ungewöhnlichen Honigsorten Ausschau hielt. Leider ist das Angebot auch in größeren Geschäften sehr übersichtlich, es fehlt vor allem an einheimischen Sorten.

Hier in Deutschland gibt es neben dem üblichen Angebot der Markenhersteller (eher "Abfüller"), deren Honige zumeist eine Mischung aus Honigen von EU- und Nicht-EU-Ländern sind, fast immer auch ein Regal mit einer umfangreichen Auswahl an oft lokalen Imkerhonigen, die zwar mit den großen Marken preislich nicht mithalten können, diesen vermeintlichen Nachteil aber durch ihren einzigartigen Geschmack und ihre schonende Verarbeitung mehr als ausgleichen können.

Im Tokioter Supermarktregal fand sich zwischen Marmelade und anderen süßen Brotaufstrichen eine sehr bescheidene Auswahl an Honigen aus Ungarn, China und Neuseeland – jedoch ein einziges einheimisches Produkt.

Also griff ich zu zwei Quetschflaschen mit neuseeländischem Kleehonig und chinesischem Renge-Honig. Beide Honige sind sehr flüssig und zeigen nur am Boden der Flasche eine geringe Kristallisation.

 


Oben ist die Flasche mit Renge-, darunter die mit Kleehonig

Übersetzung der Packungsvorderseite:

Dezenter Duft

Reiner Renge (*)-Honig

Honig von Renge, der auf weiten Feldern wuchs. Er zeichnet sich durch seinen runden Geschmack und seinen dezenten Blütenduft aus.

200gr; die Illustration dient der Veranschaulichung

Siegel: Mitglied des Zenkoku Hachimitsu Kôsei Torihiki Kyôgikai (**)

Auf der Rückseite finden sich Hinweise zur Produktbezeichnung, Füllmenge, zum Mindesthaltbarkeitsdatum, zur Aufbewahrung, zum Hersteller sowie zum Anbieter. Das Mindesthaltbarkeitsdatum liegt 24 Monate nach dem Produktionsdatum. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Honig kristallisieren kann und daher nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden sollte. Gegebenenfalls könne er im Wasserbad bei 50 bis 60 Grad Celsius wieder verflüssigt werden. Zudem verbinde sich das Eisen im Honig mit dem Tannin von schwarzem Tee, was zu einer dunkleren Farbe des Tees führe, aber unbedenklich sei. Auch fehlt der (wie hier in Deutschland ebenfalls übliche) Hinweis nicht, dass man Kleinkindern unter einem Jahr keinen Honig geben solle.

Weiterhin gibt es Nährwertangaben. So hat der Honig auf 100 Gramm 330 Kilokalorien, 0,2 Gramm Proteine, kein Fett, 82,4 Gramm Kohlehydrate, keine Ballaststoffe und 1 Milligramm Natrium.

(*) Was ist Renge?

Mit der Bezeichnung Renge konnte man auch einen gestandenen Diplom-Übersetzer auf eine falsche Fährte locken, denn zu allererst fiel mir die Bedeutung "Lotosblüte" ein, wobei die Vorstellung von ausgedehnten Lotosfeldern doch ziemlich abwegig war, obwohl in Ostasien vor allem die Wurzel der Lotospflanze gerne gegessen wird. Allerdings passte die Illustration auf der Honigflasche nicht dazu, also half nur der Griff zum externen Gedächtnis in Form einsprachiger Wörterbücher…

Renge (auch Rengesô) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Hülsenfrüchte, die botanische Bezeichnung lautet Astragalus sinicus, die englische Entsprechung ist Chinese Milk Vetch, auf Deutsch findet man den Namen Chinesischer Tragant, diese Bezeichnung ist allerdings nicht gesichert. Die Pflanze wird als Futter für Kühe angebaut, verbreiteter ist jedoch ihre Nutzung als Gründüngung, vor allem im Reisanbau. Noch vor der Reisernte werden die Samen in den Feldern ausgebracht, wenn diese zur Vorbereitung der Ernte trockengelegt werden. Die Pflanzen entwickeln sich dann noch im Herbst und würden dann im Folgejahr im April und Mai zur Blüte kommen. Sie werden aber zur Vorbereitung der Felder vorher untergepflügt. In Japan ist Renge ursprünglich nicht beheimatet gewesen, es wurde wohl im 19. Jahrhundert (andere Quellen verweisen bereits auf eine Erwähnung 1709) aus China eingeschleppt und ist jetzt überall im Land zu finden. Die Wuchshöhe beträgt etwa 25 Zentimeter, kann aber auch bei klimatisch günstigen Bedingungen weitaus höher sein. Als Gründüngung ist auf zehn Ar mit einer Blattmasse von einer Tonne zu rechnen.

(**) Zenkoku Hachimitsu Kôsei Torihiki Kyôgikai

Diese 1987 gegründete Organisation hat es sich zum Ziel gesetzt, zum Schutz der Verbraucher reinen Bienenhonig entsprechend zu kennzeichnen, wofür ein Katalog an entsprechenden Kriterien verfasst wurde. Der minimale Jahresbeitrag von 35.000 Yen sowie 4 Yen pro Verwendung des Siegels wird aufgrund seiner Höhe oftmals kritisiert. Auch tauchten im Mai 2007 Honige mit Siegel auf, die jedoch vom Hersteller mit künstlichen Süßstoffen versetzt waren.

Doch wie ist der Honig eigentlich? Anders als auf der Verpackung angegeben ist der Duft eher stark und sehr aromatisch. Das gilt auch für den Geschmack, der über eine deutliche Karamellnote verfügt.

"Gerade habe ich den ersten Löffel von Ihrem Honig probiert (Zwietracht): wirklich sehr, sehr lecker!!

Ich weiß nicht, wem das Kompliment gebührt, den Bienen oder dem Imker, aber ich werde jeden Löffel genießen."

"Vorhin habe ich die wenigen Sonnenstrahlen genutzt, um mal schnell ein Foto vom Honigglas zu machen. Oskar hat sein Übriges dazu beigetragen, ein besseres Ergebnis zu verhindern, aber ich denke, es reicht, um es auf eine Homepage zu Referenzzwecken zu stellen... Vielleicht können Sie, bzw. Herr Drews das Bild ja auch für Ihren Blog gebrauchen..."

Das schrieb uns heute Frau Schulz aus Japan. Dort lebt sie mit ihrer Familie in der Nähe von Tokyo. Sie ist die Graphikerin, die für uns die Entwürfe für unsere Honigglasetiketten, die Ape die neuen Visitenkarten erstellt hat. In der letzten Woche hat sie von unseren Honigen als Dankeschön entsprechende Kostproben erhalten.

Wir haben es an unseren eigenen Völkern selber erlebt: die Honigernte im Jahr 2014 war nicht sehr groß gewesen. Bei Recherchen zu einem anderen Thema habe ich im Internet den Hinweis gefunden, dass es in Österreich zu einem Ernteeinbruch von 90 % gegenüber dem Vorjahr gekommen sein soll.

In der FAZ stand zur diesjährigen Honigernte ein kurzer Artikel, allerdings nicht sehr aussagekräftig. Demnach ging die Durchschnittsernte um 25 % je Volk von 40 auf 30 Kg Honig zurück. Selbst auf diese Mengen sind wir mit unseren Bienenvölkern nicht gekommen. Bei uns haben wir etwas über 20 Kg Honig je Volk ernten können.

Eine der Ursachen dafür war der zu warme Winter 2013/2014. Zum Teil haben die Bienen keinerlei Brutpause eingelegt. Durch den frühen Beginn der Blüte und das ebenso recht frühe Ende der Hauptblüteperiode etwa im Juni/Juli war es den Bienen nicht gut möglich, den gesammelten Nektar einzutragen. Hoffen wir auf einen kalten Winter 2014/2015, dann besteht die Chance, dass im nächsten Jahr alles besser wird.

Offizielle Zahlen zu den Mengenangaben habe ich bin zum 27. Oktober 2014 noch nicht gefunden.

Der FAZ-Artikel ist hier nachzulesen: http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/geringe-honigernte-fuer-hessens-imker-13229427.html

In der letzten Woche haben wir auf dem Riedberg den zweiten Honig geerntet und geschleudert. Es sind etwa 18 kg geworden. Vom Offenbacher Volk habe ich heute den Honig geholt. Dort sind es 14 kg.

Vermutlich werden diese Honige wieder Niedertracht beziehungsweise Eintracht heißen. Bis sie allerdings fertig und in Gläser abgefüllt sind, wird es vermutlich September werden. Ein Großteil hiervon soll auf dem Riedberger Weihnachtsmarkt am Stand der IG Riedberg verkauft werden. Bis dahin heißt es also noch sich zu gedulden.

Im nächsten Jahr werden wir, sofern unsere Völker gesund durch den Winter gekommen sind, unser Honigangebot deutlich vergrößern können. Darauf freuen wir uns bereits jetzt schon.

Inzwischen sind unsere ersten Honige fertig. Gerührt und in Gläser abgefüllt sind sie bereits seit einiger Zeit.

Am 4. Juli 2014 sind endlich die Etiketten eingetroffen. Noch am gleichen Abend habe ich die Gläser damit etikettiert und für diesen Blog photographiert.

 Das also sind die ersten Honige vom Riedberg.

 

 

Sie heißen Eintracht und Zwietracht. Diese Namen erklären sich ganz einfach: zwei Völker standen an zwei Standorten, die nur etwas 1 km voneinander entfernt waren. Daher also die Zwietracht (von zwei Trachten). Ein Volk ist an seinem angestammten Riedberger Platz stehen geblieben. Dessen Honig heißt folglich Eintracht.

Die Namen haben nichts mit dem Frankfurter Sportverein zu tun oder dem Streit beziehungsweise Spannungsverhältnis  unter Menschen.

In Offenbach steht derzeit noch ein weiteres Volk. Dessen Honig war der erste, den wir erhalten haben. Ihn haben wir Niedertracht genannt. Da fallen einem natürlich sofort die Rankünen zwischen den beiden Nachbarstädten Frankfurt und Offenbach ein. Der Name bezieht sich selbstverständlich nur auf die topographischen Höhenmeterunterschiede zwischen dem Riedberg und dem in der Niederung am Fluß gelegenen Areal in Offenbach. Ein Narr, der Böses dabei denkt …

 

Freunde aus Portugal haben uns von einer dortigen Spezialität erzählt, die aus Honig gewonnen wird: Água mel. Nicht nur die dortigen Imker lassen nichts unverwertet: So gewinnen sie aus den abgeschleuderten Honigwaben noch die ihnen anhaftenden Honigreste.

Dazu werden die Waben ausgeschnitten und das Wachs mit dem anhaftenden Honig in heißem Wasser geschmolzen. Nach dem Abkühlen schwimmt das Bienenwachs oben auf der Flüssigkeit und kann entnommen werden.

Das Honigwasser (= água mel) hingegen wird erneut erhitzt, mit verschiedenen Gewürzen versetzt und solange eingekocht, bis es eine sirupartige Konsistenz bekommen hat. Dieser Vorgang kann durchaus ein paar Stunden dauern. Der noch heiße Sirup wird anschließend in Gläser abgefüllt und später verkauft. Die Preise hierfür sind höher als für normalen Bienenhonig. Es gilt als Spezialität.

Wer mehr wissen möchte:

http://montedomel.blogspot.jp/2012/04/agua-mel-uma-doce-tradicao-em-mertola.html

Man muß übrigens nicht unbedingt Portugiesisch können, um den Inhalt der Webseite zu verstehen.

Am Sonntag, den 18. Mai 2014, war es soweit: wir haben den ersten Honig aus den Riedberger Völkern geschleudert.

Zur Vorbereitung hatte ich am Samstagabend in den beiden Völkern, die noch in den Rapsfeldern stehen, sowie in dem neuen Volk 4 auf dem Riedberg eine sogenannte Bienenflucht unter den jeweiligen Honigraum gesetzt (erkennbar als schmaler Streifen im oberen Bild). Eine Bienenflucht ist im Prinzip so etwas wie eine Drehtür mit Einbahnrichtung: die Bienen können nur in einer Richtung passieren.

Früh am Sonntagmorgen bin ich erneut zu den Beuten, habe die Honigräume abgenommen und nach Hause gebracht. In der Tat waren nur noch vereinzelte Bienen im Honigraum, so dass ich selber überrascht war, wie einfach und elegant das Abnehmen geht. Innerlich hatte ich mich schon auf ein Abkehren größerer Anzahl Bienen und damit auf diverse Bienenstiche eingestellt. Jedem Volk hatte ich anschließend als neuen Honigraum eine Flachzarge aufgesetzt (siehe unteres Bild).

Nachmittags ging es dann an das eigentliche Schleudern. Alle notwendigen Gerätschaften hatte ich vorher gesäubert, mit heißem Wasser gespült und trocknen lassen. Um keine Fremdkörper in das Lebensmittel Honig einzubringen, wurden die Gerätschaften und Gefäße nicht mit einem Tuch abgetrocknet, sondern so aufgestellt, dass das Wasser ablaufen konnte.

Mit einer Entdeckelungsgabel wurden die Wachsdeckel auf beiden Seiten der Rahmen abgehoben. Die so geöffneten Rahmen wurden dann hochkant auf ihre Schmalseite in die Honigschleuder gestellt. Zur Aufnahme der Ohren (= Verlängerung der Rahmenoberkanten) sind im Boden des Drehkorbes kleine Aussparungen vorgesehen. Hierdurch wird eine Fixierung und Verhindern des Rutschens ermöglicht.

Beim ersten Schleudergang besteht die Gefahr eines Wabenbruchs, wenn die Drehzahl zu hoch und die dadurch verursachten Fliehkräfte zu groß sind. Die Masse des auf der Innenseite verbliebenen Honigs wird beim Schleudern in die Waben gepresst und kann dadurch die Waben zerdrücken und brechen lassen. Um diesen Bruch zu vermeiden, erfolgt das erste Schleudern zunächst nur vorsichtig "mit gebremstem Schaum", also nicht zu hoher Drehzahl. Die Waben werden anschließend um 180° gedreht und können nun mit voller Kraft geschleudert werden. Im Anschluss daran müssen sie ein weiteres Mal gewendet werden, um an den Resthonig zu gelangen.

Das Schleudern übt auf die Rahmen und Waben eine Zentrifugalkraft (Fliehkraft) aus. Hierbei werden die außen liegenden Honigmengen streifenförmig an die Innenwand der Trommel geschleudert und fließen nach unten auf den Boden. Nicht nur Honig wird auf diese Weise entfernt, auch Wachsteilchen und andere Festkörper landen an der Trommelwand und werden ausgeschieden. Über ein Ausflussrohr fließt diese gemischte Masse in ein Doppelsieb, das auf einem Sammelgefäß liegt. Das erste Sieb ist eher grobmaschig und hält die größeren Festteile zurück. Das darunter liegenden feinmaschige zweite Sieb trennt die kleineren Partikel ab, die ebenfalls nicht in den Honig gehören. Als ein Gemisch aus Honig und Luft tropft von dort eine mehr oder minder zähe Flüssigkeit in das Auffanggefäß.


siehe auch:

Spannend war für uns, dass die Honige aus jedem Volk sowohl anders aussahen als auch anders schmeckten. Volk 2 hatte eine Flachzarge als Honigraum. Der Honig war sehr hell. Die Honigwaben aus dem danebenstehenden Volk 3 waren normale Zanderwaben. Der gewonnene Honig war deutlich dunkler und schmeckte herber. Beide Völker standen sowohl vor dem Wandern ins Rapsfeld als auch im Feld direkt nebeneinander.

Noch dunkler war der Honig aus dem Volk 4. Dieses Volk hatte ich erst Anfang April aus Butzbach im Taunus geholt und auf dem Riedberg aufgestellt.

Insgesamt haben wir 29 Kilogramm Honig gewonnen, davon 6 Kilo aus dem Volk 2, 13  aus dem Volk 3 und 10 aus dem Volk 4.

 

Heute morgen haben wir zwei Beuten umgesetzt. Zuvor hatte ich gestern abend noch die Fluglöcher verschlossen.

Erstaunlich wie schwer die Beuten sind. Zu zweit haben wir Mühe gehabt, sie auf einer Sackkarre durch die Streuobstwiese zum Auto zu transportieren und sie in den Kofferraum zu hieven. Aber es ging dann doch.

Beuten, ca 50 bis 60 Kg schwer, vor dem Einladen in den Kofferraum

Beuten, ca 50 bis 60 Kg schwer, vor dem Einladen in den Kofferraum

 

Nur etwa einen Kilometer weiter wurden die Bienenstöcke auf dem vorbereiteten Platz dann aufgestellt. Jetzt stehen sie - von außen kaum zu erkennen - inmitten mehrerer Rapsfelder.

Beuten nach dem Versetzen inmitten von Rapsfeldern in Frankfurt am Main
Beuten nach dem Versetzen inmitten von Rapsfeldern in Frankfurt am Main

 

Schon kurz nach dem Öffnen der Fluglöcher flogen die ersten Bienen aus. Jetzt müssen sie sich in der neuen Umgebung orientieren. Als Nektarquelle steht ihnen in jeder Himmelsrichtung fast ausschließlich Raps zur Verfügung.

Am Ende der Rapsblüte werden die Bienen zum alten Standort zurückgebracht werden.

Allmählich werden die Bienen und wir als Imker auf dem Frankfurter Riedberg heimisch.

Der Ortslandwirt machte uns zum Beispiel darauf aufmerksam, dass in der kurzen Entfernung von knapp 1 Kilometer Luftlinie ein großes zusammenhängendes Rapsfeld besteht. Der Raps ist jetzt bereits in Blüte, viel zu früh im Vergleich zu den Vorjahren.

Deshalb werden wird, wenn wir es transporttechnisch hinbekommen, mit zwei Völkern direkt in das Rapsfeld wandern.

Der Nutzen liegt dabei auf beiden Seiten: der Raps wird intensiver bestäubt und bringt somit für den Landwirt einen höheren Ertrag und wir erhalten einen Sortenhonig von Rapsblüten.

Das Wandern geschieht folgendermaßen: tagsüber sind die Flugbienen unterwegs zu den umgebenden Blüten, also außerhalb des Bienenstockes. Im Stock sind die Stockbienen, die die Brut versorgen, den Stock bewachen, putzen etc. Um die vorhandenen Flugbienen mitzunehmen, wird abends nach ihrer Rückkehr das Flugloch verschlossen, damit sie am nächsten Morgen nicht erneut ausfliegen können. Die Beuten werden am Morgen zum neuen vorübergehenden Standort gebracht, dort wird das Flugloch wieder geöffnet und die Kundschafterbienen können sich sofort an den nahe- oder nächstgelegenen Blütenvorräten orientieren. Im Stock wird die Info: "Nahrung unmittelbar vor der Haustür" weitergegeben und die Sammel- oder Flugbienen fliegen aus.

Nachtrag von 18:00 Uhr

Der neue Standort ist inzwischen gefunden und vorbereitet. Morgen früh kommen zwei Völker hierher

Vorbereiteter Standort in Rapsfeldern im Norden von Frankfurt. Hier bleiben die Bienen bis zum Abschluss der Rapsblüte stehen.
Vorbereiteter Standort in Rapsfeldern im Norden von Frankfurt. Hier bleiben die Bienen bis zum Abschluss der Rapsblüte stehen.

 

Die Temperaturen draußen sind in diesem Jahr deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Bedingt durch den äußerst milden oder gar ausgefallenen Winter ist die Natur der gewohnten Entwicklung um Wochen voraus.

Vor einer Woche hat der Raps vereinzelt zu blühen begonnen, inzwischen werden die Rapsfelder zusehends gelber. Die Bienen brüten sehr starkt, in wenigen Wochen wird die Menge der Bienenzahlen in den einzelnen Völkern quasi explodieren.

Als Beispiel dient der folgende Clip von unserem Volk Nr. 3:

 

Das ist die Zeit, um nun Erweiterungen vorzunehmen. Wir haben auf alle Völker am 30. März eine weitere Zarge als Honigraum aufgesetzt. Hierbei wird die Beute von ober her geöffnet: der Metall- und der Holzdeckel werden abgenommen, die Schutzfolie entfernt, die Rahmen durchgesehen. Anschließend wird ein metallenes Absperrgitter auf den obersten Brutraum gelegt. Dieses Gitter ist so dimensioniert, dass die Bienenkönigin und die Drohnen nicht hindurchkriechen können, wohl aber die Arbeiterinnen. Dadurch bleibt der Honigraum frei von Brut. Die Arbeiterinnen lagern hier ihren eingetragenen Nektar ein, aus dem dann der Honig wird.

Wir verwenden als Honigraum sogenannte Flachzargen: sie sind nicht ganz so hoch wie die übrigen Zargen. Zwar sammelt sich deshalb in ihnen weniger Honig an, aber dafür sind sie leichter zu heben und zu transportieren. Zur Not kann man zusätzlich auch einen zweiten Honigraum aufstellen, wenn die Tracht sehr üppig ist. Ein gewöhnlicher Rahmen kann etwa 3 kg Honig aufnehmen. Bei zehn Rahmen in einer Zarge kommen dann schnell 30 Kg Gewicht und mehr zusammen. In der Flachzarge werden es etwa 20 Kg.

Ein weiterer Vorteil der Flachzarge ist der, dass sich auf diese Weise leichter Sortenhonige erzielen lassen. Absolut sortenreine Honige gibt es fast gar nicht. Jeder Honig stellt ein Gemisch aus Nektareintrag von verschiedenen Blüten dar. Je kleiner die Wabenfläche zum Eintrag, desto schneller ist sie gefüllt. Wenn zeitgleich mit der Aufstellung des Honigraumes eine Blütensorte in der Natur vorherrscht, ist die Durchmischung mit  anderen Nektaren eher gering.   Auf diese Weise kann man Honige wie Raps-, Akazien-, Lindenblütenhonig usw. gewinnen. Ebenso läßt sich die Gesamtmenge an Honigerträgen steigern, wenn die gefüllten Waben nach der jeweiligen Blüte entfernt, ausgeschleudert und erneut in die Zarge gehängt werden für den nächsten Eintrag.

Als Neuimker verfügen wir noch nicht über einen Bestand ausgebauter Waben. Deshalb hängen wir in die Honigräume zunächst sogenannte Mittelwände. Das sind Wachsplatten mit einem Wabenmuster. Auf ihnen müssen die Bienen als erstes die Waben erreichten bevor sie mit Nektar gefüllt werden können.

Auf den folgenden Photos sind zunächst die Beuten der Völker 1 bis drei und ein Turm mit drei Flachzargen zu erkennen. Das zweite Bild zeigt die aufgestellten Honigräume auf den einzelnen Beuten. Im Clip ist die Errichtung zu sehen.

Beuten und Flachzargen als Honigräume vor dem Aufsetzen
Beuten und Flachzargen als Honigräume vor dem Aufsetzen

 

Aufgesetzte Honigräume

Aufgesetzte Honigräume

 

In der Großstadt Bienen zu halten, auf Neudeutsch: Urban Beekeeping genannt,  ist in vielen Ländern in Mode geraten.

Nicht nur in Frankfurt werden innerstädtisch Bienen gehalten, sondern zum Beispiel auch in Tokyo. Dort unter anderem in der berühmten Nobeleinkaufstraße, der Ginza. Als Matthias im November 2013 in Tokyo war, hat er von dort folgende kurze Informationen mitgebracht:

Das Ginpachi-Projekt selbst (nur Japanisch): http://www.gin-pachi.jp/ . Das Gin stammt von Ginza, das Pachi von Hachi/Mitsubachi, was Biene bedeutet.

"L´ abeille" ist ein Fachgeschäft mit fünf Niederlassungen in Tokyo, das ausschließlich Honig und Honigprodukte vertreibt. Niederlassung  bedeutet hier Ladengeschäft oder auch Verkaufsstand nach dem Shop-in-Shop-Prinzip in einer der riesigen Lebensmittelabteilungen im Untergeschoß von besseren Kaufhäusern  http://www.labeille.jp/top/
In der Filiale auf der Ginza im Kaufhaus Matsuya wird der Honig vom Ginpachi-Projekt verkauft (das Bild in der Mitte mit Logo-Anhänger des Projektes, Preis für 36 gr 1680 Yen [ca 12 €], für 180 gr 7350 Yen [ca. 52 €] - man sollte wohl darauf hinweisen (wir wollen ja keine nationalen Stereotype hinsichtlich der angeblich astronomischen Preise in Japan nähren), daß anderer Honig, vor allem ausländischer, viel günstiger ist, wenn auch das Preisniveau über dem hiesigen liegt): http://www.labeille.jp/company/shop/Ginza/ . Ein Großteil des Honigs wird von westlichen Honigbienen produziert. Es gibt jedoch auch einige Völker japanischer Bienen, deren Ertrag bei nur etwa 20% des Ertrages westlicher Honigbienen liegt.

Weitere Informationen über Urban Beekeeping  fand ich auf einer schweizerischen Seite:

Urbane Honigbienen | Asienspiegel.

 

In Frankfurt am Main stehen Bienenvölker unter anderem auf dem Dach des Museums für Moderne Kunst, also mitten in der City. Die imkernden Künstler, die daraus ein soziokulturelles Projekt gestartet haben, halten zugleich auch Bienen auf dem alten Flugplatz in Frankfurt-Bonames.

http://www.fingerweb.org/html/bienen.html

Selbst in Kirchtürmen Frankfurts findet man heute schon Bienenvölker!

Rezepte mit Honig es gibt zur Zeit (31.8.2013) alleine auf der Website chefkoch.de 11175 Rezepte, in denen Honig verwendet wird. Von daher verzichte ich vorerst darauf, hier Rezepte einzustellen.

Wer jedoch eigene Koch- oder Backrezepte besitzt und sie hier einfügen möchte, darf das gerne über die Kommentarfunktion machen.

 

http://www.chefkoch.de

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